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Volleyball:Aus dem Flow

Myrthe Schoot during Tokyo European Qualification Azerbeidzjan-Netherlands on January , 7 2020 in Apeldoorn, Netherlands; Volleyball - Frauen - Myrthe Schoot

Mit den Niederlanden als Mitfavorit gestartet, enttäuscht nach Vilsbiburg zurückgekehrt: Myrthe Schoot wird Olympia 2020 verpassen.

(Foto: SCS/Sander Chamid/imago)

Beim Rückrundenstart von Vilsbiburg geht es vor allem darum, die Olympia-Enttäuschung zu verarbeiten.

Die Bundesliga-Volleyballerinnen aus Vilsbiburg haben zu Beginn der Rückrunde als erste Maßnahme eine Rechnung zu begleichen: Am Mittwoch gastieren sie beim Tabellenletzten Suhl, der sie im Viertelfinale aus dem Pokal-Wettbewerb warf. Als Sechster ist die Partie in Suhl nicht nur eine eigentlich lösbare Aufgabe, sondern im Grunde ein Pflichtsieg, sofern die Niederbayerinnen den Anschluss an die Top-Teams der Liga wieder herstellen wollen.

Wäre die Bundesliga der einzige Wettbewerb für die Spielerinnen von Trainer Timo Lippuner, er könnte behaupten, sein Team sei im Flow. Schließlich hatte sich Vilsbiburg mit einer starken Partie gegen Meister Stuttgart und einem überraschenden 3:1 in Aachen in die Weihnachtsfeiertage verabschiedet. Doch die Bundesliga ist für vier Spielerinnen nicht der einzige Wettbewerb gewesen: Sie hatten kaum Pause, weil sie mit Nationalteams um die letzten verbliebenen Tickets für die Olympischen Spiele in kämpften. Doch keine einzige Vilsbiburgerin wird nach Tokio fahren: Jodie Guilliams mit Belgien nicht, Neira Ortiz mit Puerto Rico auch nicht. Sie kommt zudem erst nach der Partie in Suhl wieder in Deutschland an. Und bei zwei weiteren Spielerinnen kann von Flow und guter Stimmung erst recht keine Rede sein: Libera Myrthe Schoot und Zuspielerin Lena Möllers kehrten schwer enttäuscht vom Qualifikationsturnier im niederländischen Apeldoorn nach Vilsbiburg zurück. Schoot war mit den Niederlanden als Mitfavorit des Achterfelds gestartet. Möllers hatte sich mit dem deutschen Team nach drei Siegen in der Vorrunde spätestens mit dem Halbfinal-Erfolg gegen die Niederlande berechtigte Hoffnungen darauf erarbeitet, das Turnier zu gewinnen - und damit das einzige Olympiaticket zu lösen. Doch im Finale waren die Türkinnen deutlich zu stark. "Es tut weh. Ich will den ganzen Tag weinen. Ich trage Steine mit mir herum. Ich fühle mich leer", schreibt Schoot auf ihrem Instagram-Profil, und fasst damit ganz gut zusammen, was vielen deutschen und niederländischen Spielerinnen in den vergangenen Tagen anzusehen war. Dass die Liga nach den erst am Sonntag entschiedenen Kontinental-Turnieren mit einem Doppelspieltag beginnt, findet Lippuner wenig amüsant. Bereits am Samstag geht es gegen den Vorletzten Erfurt. "Das so anzusetzen, ist für mich ein bisschen unverständlich. Das ist für uns, Dresden und Schwerin ein Riesennachteil", sagt der Schweizer. Er hat Verständnis für den Gemütszustand der Spielerinnen. "Das war ein Lebensziel für sie", sagt er über Schoot, "das zu verdauen wird einige Zeit dauern."

Allerdings favorisiert er eine strikte Trennung von Ligabetrieb und Aufarbeitung. "Wir versuchen, das mit Rücksicht auf die Stimmung im Team ein bisschen zu unterdrücken", sagt er. Gespräche über die Enttäuschung seien nötig, Training und Spiele will er aber als eine Art geschützten Raum erhalten: "Wir müssen versuchen, das zu trennen und dem im Training keine Plattform zu geben." Generell sei der internationale Kalender in seiner aktuellen Form aber "ziemlich sinnfrei". Ortiz etwa fehlt von 20 Hauptrundenspielen aufgrund von Länderspielabstellungen schon planmäßig drei. "Wir haben die Spielerin keine 20 Wochen hier, bezahlen aber 52", sagt Lippuner, "das ist für die Klubs ein Riesenproblem."

Zudem trügen Vereine und Spielerinnen das komplette Risiko für etwaige Verletzungen, "denn die Spielerinnen werden ja von den Vereinen bezahlt und versichert". Und mit neuen Verträgen ausgestattet oder eben nicht. Verletzt ist derzeit indes einzig Außenangreiferin Daria Przybylak, deren Einsatz aufgrund von Rückenproblemen zumindest unwahrscheinlich ist. Für die seelischen Blessuren setzt Lippuner auf den positiven Effekt von frischen Erfolgserlebnissen. Auch die 31 Jahre alte Schoot versuchte sich daran bereits zaghaft. "Morgen spielen wir schon das nächste Spiel in der Liga", schreibt sie, "lasst es uns zu einem guten machen." Für Sportler ist Erfolg bekanntlich die beste Medizin. Ob die Dosis ausreicht, hängt dann auch von ihnen selbst ab.