Volleyball:Mit dem Nachwuchs in die erste Liga

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Volleyball: Blicken Richtung Bundesliga: Dachaus ehrgeizige Talente, hier bei ihrem letzten großen Auftritt 2017 im DVV-Pokal-Achtelfinale gegen Lüneburg.

Blicken Richtung Bundesliga: Dachaus ehrgeizige Talente, hier bei ihrem letzten großen Auftritt 2017 im DVV-Pokal-Achtelfinale gegen Lüneburg.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Knapp 30 Jahre nach ihren größten Erfolgen wollen Dachaus Volleyballer wieder hoch hinaus. Der ehrgeizige Plan des ASV: Mit ausschließlich eigenem Nachwuchs in den Playoffs zur zweiten Liga bestehen - und mittelfristig ins Oberhaus zurückkehren.

Von Sebastian Winter

Dass ein Volleyball-Drittligist eigens eine (virtuelle) Pressekonferenz einberuft, um seine Pläne vorzustellen, ist ein eher unüblicher Vorgang. Es ging dem ASV Dachau am späten Dienstagvormittag aber auch nicht einfach darum, zu schildern, wer vor dem nächsten Spiel verletzt ist oder wie man sich des Gegners erwehren kann. Es ging um Größeres, genauer um so Großes, wie es der traditionsreiche Sport in der Kreisstadt nördlich von München wohl seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.

Von Erfolgen wie den beiden deutschen Meistertiteln 1995 und 1996, dem Einzug ins Europapokalfinale 1996 sowie dem DVV-Pokalsieg 1997 sind die Dachauer natürlich noch viele Meilen weit entfernt, die Spielstätte ist außerdem in die Jahre gekommen - die Georg-Scherer-Halle war schon damals Schauplatz der größten Dachauer Siege. Der ASV, der 2016 in die dritte Liga abgestiegen ist und seither dort spielt, orientiert sich wieder nach oben. "Langfristig wollen wir in die erste Liga, das ist unsere Vision", sagt ASV-Abteilungsleiter Denis Werner.

Die Zeichen stehen günstig, dass zumindest der erste Schritt erfolgreich verläuft. Mit nur einer Niederlage haben es die jungen Dachauer Volleyballer auf Hauptrunden-Platz eins in die Aufstiegsrunde geschafft. Von diesem Samstag an treffen sie in Hin- und Rückspielen auf Eibelstadt, Zschopau und Eltmann, den Anfang macht das Heimspiel gegen Eibelstadt an diesem Samstag (17 Uhr). Nur der Sieger der Aufstiegsrunde ist am Ende Zweitligist. "Eltmann ist dabei unser stärkster Konkurrent", sagt Patrick Steuerwald.

Volleyball: Einer der größten Erfolge der Dachauer Volleyballer: Trainer Stelian Moculescu umarmt einen seiner Spieler im Frühjahr 1995 nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft

Einer der größten Erfolge der Dachauer Volleyballer: Trainer Stelian Moculescu umarmt einen seiner Spieler im Frühjahr 1995 nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft

(Foto: Imago)

Steuerwald, 125-maliger deutscher Nationalspieler, der seine Profikarriere 2019 nach einer schweren Knöchelverletzung bei den United Volleys in Frankfurt beendete, haben sie im Frühjahr 2021 nach Dachau gelotst. Zuvor war der frühere Zuspieler, der mit Generali Haching 2008 und 2009 den DVV-Pokal gewann, Co-Trainer beim VfB Friedrichshafen und Chefcoach beim TSV Unterhaching. Der Schwarzwälder, der eine zentrale Rolle im Organigramm des ASV einnimmt, könnte sich nun als Glücksfall für die ASV-Volleyballer entpuppen. Er sagt: "Wir gehen mit breiter Brust in diese Aufstiegsspiele hinein."

Die Playoffs sind der Anfang, aber eigentlich geht es um viel mehr: Die Dachauer haben sich dem Nachwuchs verschrieben, laut ihres Jugendkoordinators Niko Schneider hat sich die Zahl der Talente in der Volleyball-Abteilung seit 2019 auf 200 verdoppelt - trotz Corona. Der Klub hat, auch dank des Sportlichen Leiters Sepp Wolf und seines Zöglings Dominic von Känel - letzterer ist inzwischen Junioren-Bundestrainer, in den vergangenen Jahren mehrere Junioren-DM-Titel gefeiert. Doch Schlüsselspieler wie die Brüder Lukas und Simon Pfretzschner verließen den Verein und wechselten an Bundesstützpunkte, wo sie unter besseren Bedingungen trainieren können. Das Ziel ist es künftig, solche Spieler zu halten und bei Dachaus Männern zu integrieren. "Es geht hier auch um ein Leuchtturm-Projekt", sagt Steuerwald: "Wir haben eine sehr, sehr gute Jugendarbeit, damit grenzen wir uns von anderen Mannschaften ab."

Volleyball: "Es geht hier auch um ein Leuchtturm-Projekt": Dachaus Trainer Patrick Steuerwald.

"Es geht hier auch um ein Leuchtturm-Projekt": Dachaus Trainer Patrick Steuerwald.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Der Weg ist denkbar ungewöhnlich: Mit eigenen Talenten soll der Sprung in die erste Liga geschafft werden. Mit Social-Media-Aktionen, Volleyball-Camps und Schulkooperationen wollen die Dachauer dafür weiteren Nachwuchs zum ASV leiten, schon von der Grundschule an. Außerdem plant die Abteilung, ihren Etat bis in zwei, drei Jahren auf 300 000 Euro zu erweitern. Nach München, wie die WWK Volleys Herrsching, die an diesem Sonntag im Audi Dome die Netzhoppers aus Königs Wusterhausen empfangen, streben sie eher nicht. "Wir wollen uns noch besser im Landkreis Dachau verankern, dort Potenziale heben und Hidden Champions gewinnen", sagt Abteilungsleiter Walter in bestem Manager-Duktus.

Allerdings wird ihre altehrwürdige Georg-Scherer-Halle, in der Trainer Stelian Moculescu die ASV-Volleyballer in den Neunzigern zu ihren Erfolgen führte und in deren Vitrinen die Pokale verstauben, zum Problem: Sie ist nicht bundesligatauglich und auch nicht wirklich ein Schmuckkästchen - im Gegensatz zum Beachvolleyball-Gelände des ASV einen Steinwurf entfernt. "Uns wurde von der Liga signalisiert, dass wir nochmal eine Ausnahmegenehmigung für die Halle bekommen", sagt Walter, außerdem sei der Hauptverein mit der Stadt Dachau im Austausch. Dort weiß man auch um diese wohl größte Sorge des Vereins. Aber wie immer in solchen Fragen ist allein die Suche nach einem Baugelände kompliziert - von den Kosten für ein solches Projekt ganz zu schweigen.

"Alles ist im Fluss", sagt Werner. Die ASV-Volleyballer, das weiß der Abteilungsleiter, brauchen ohnehin einen langen Atem bei ihren Plänen, auch bei den Erwachsenen wieder zum Leuchtturm in Deutschlands Volleyballlandschaft zu werden.

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