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Volley ball:Der Kindergarten bleibt offen

Da lang geht's: Außenangreifer Jonas Sagstetter (li.) skizziert seinem Bruder und Zuspieler Benedikt den Weg.

(Foto: Claus Schunk)

Unterhachings Volleyballer setzen ihr jugendliches Erstligaprojekt fort. Bei allen finanziellen und personellen Unwägbarkeiten steht es unter keinem schlechten Stern: Denn der sportliche Abstieg ist erneut ausgesetzt.

Von Sebastian Winter

So ganz offiziell war es noch nicht, aber die Vorzeichen hatten sich zuletzt gehäuft. Die Volleyballer des TSV Unterhaching hatten sich ja einige Bedenkzeit erbeten, ob sie nach ihrer Rückkehr in die erste Bundesliga im vergangenen Sommer ein weiteres Jahr dort oben antreten wollen. Letzter waren sie in der Corona-Spielzeit geworden, mit einer wenig konkurrenzfähigen Nachwuchsmannschaft - die sich aber mittelfristig im Oberhaus etablieren sollte. Und die Hachinger wollen diesen Weg nun fortsetzen: "Wir werden sicher erste Liga spielen", sagte TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu, bevor er mit der Familie für knapp zwei Wochen in seine Heimatstadt Bukarest in den Urlaub fuhr. "Seit eineinhalb Jahren mal wieder, meine Mutter ist dort im Februar 80 geworden, ich konnte sie aber wegen der Corona-Einschränkungen nicht besuchen."

Anders als etwa die Bisons aus Bühl, die sich wegen der unsicheren finanziellen Lage zurückgezogen haben, versuchen die Hachinger nun also auch weiterhin ihr Glück in der höchsten deutschen Spielklasse. Sie starten am 2. Oktober auch deswegen unter einem guten Stern in die neue Saison, weil sie bereits wissen, dass sie nicht absteigen können. Wie im vergangenen Jahr hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) den Regelabstieg ausgesetzt, auch wegen der weiterhin hohen finanziellen Belastungen und Unwägbarkeiten für die Klubs.

Nur noch neun Mannschaften zählen zum Premium-Produkt erste Liga

Der gute Stern hat aber auch einen dunklen Fleck. Denn dass die Anzahl der Mannschaften nach dem Abschied Bühls inzwischen auf neun geschrumpft ist, ist kein gutes Zeichen für das Premium-Produkt im Männer-Volleyball. Die Frauen gehen voraussichtlich mit einem Zwölferfeld in die neue Saison, unter ihnen die Roten Raben Vilsbiburg, Nawaro Straubing und der Aufsteiger Neuwied. "Die Damenliga ist besser aufgestellt", sagt Paduretu. Zugleich gibt es in diesem Frühsommer viele Videokonferenzen und Gespräche, die um die Zukunft der Männerliga kreisen - auch eine Werbeagentur wurde offenbar ins Boot geholt, um sie attraktiver für emporstrebende Zweitligisten, Sponsoren und das Publikum zu machen.

In Unterhaching glauben sie, dass ihr Weg richtig ist, trotz des nach wie vor kleinsten Etats der Liga, der sich dem Vernehmen nach auf rund 200 000 bis 250 000 Euro beläuft - ein bisschen konkurrenzfähig ist man eigentlich erst ab einer halben Million. "Aber wir werden weiter kämpfen, dass wir sportlich und finanziell besser dastehen, und dass die Lücke sich langsam schließt", sagt Paduretu. Zwischen 2009 und 2013, als er Generali Haching als Trainer noch zu vier Pokaltiteln führte, durfte der Volleyball-Macher jährlich noch mit einem Etat von rund einer Million Euro jonglieren.

"Es wird die jüngste Mannschaft der Liga sein, wir können uns mit dem Budget keine erfahrenen Spieler leisten."

Mit Einnahmen durch Zuschauer kann der Klub nach wie vor nicht planen, aber die Sponsoren haben laut Paduretu alle ihre Verträge verlängert, "das Projekt ist gut angekommen". Außerdem stehen die Brüder Jonas und Benedikt Sagstetter auch kommende Saison für den TSV am Netz, Jonas, der Außenangreifer, war in der vergangenen Spielzeit mit sechs MVP-Medaillen erfolgreichster Edelmetall-Sammler im Team - und hat sich nun trotz einiger anderer Angebote aus der Bundesliga entschieden zu bleiben. Das dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass auch Benedikt, der Zuspieler, seinen Vertrag verlängert hat. "Sie sind sehr wichtig für uns, müssen jetzt aber auch den nächsten Schritt machen", sagt Paduretu.

Neben den Sagstetters stehen Paduretus Sohn Eric, 21, der hochbegabte Libero Leonard Graven, 17, und Diagonalspieler Juro Petrusic, 18, weiterhin im Kader. Der 18-jährige Außenangreifer Patrick Rupprecht wechselt vom ASV Dachau in den Münchner Süden. Letztere drei sind allesamt U-19-Nationalspieler. Der langjährige Kapitän und dreimalige Hachinger Pokalsieger Roy Friedrich, 33, hört dagegen auf. "Es wird die jüngste Mannschaft der Liga sein, wir können uns keine erfahrenen Spieler leisten", bestätigt Paduretu. Mit auswärtigen Akteuren ist er dennoch in Kontakt.

Bleibt die Trainerfrage, nachdem sich Patrick Steuerwald im Frühjahr dem aufstrebenden Drittligisten ASV Dachau angeschlossen hat. Sie soll bis Ende August beantwortet sein. Solange übernimmt der bisherige Assistent Stanislav Pochop den Kindergarten - und, sobald er zurück ist aus Bukarest, ein gewisser Mihai Paduretu.

© SZ/lib
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