Vizepräsident des Tennisbundes Umstrittene Wild Card

Steeb sagt auf SZ-Nachfrage, er könne dazu nur wenig sagen. Nur so viel: Sein Insolvenzverfahren sei gewiss ein Thema, "aber es läuft noch, so dass momentan keine weiteren Schlüsse daraus gezogen werden können". Und: "Grundsätzlich mache ich mir aber natürlich schon seit mehreren Wochen Gedanken, inwiefern mein Ehrenamt mit womöglichen künftigen Aufgaben vereinbar ist, das ist aber vor allem eine zeitliche Frage." Dass das Präsidium einen Auftrag erhalten habe, sich mit seiner Zukunft als Vizepräsident auseinanderzusetzen, sei "schlichtweg falsch".

Auch DTB-Präsident Altenburg lässt während einer Sitzungspause aus London ausrichten: "Es gibt keine entsprechende Aufforderung des Bundesausschusses."

Gerade Altenburgs offizielle Formulierung macht den Fall nun zwar kurios, die Sachlage aber dürfte das kaum ändern. In der Frage, wie mit einem Vizepräsidenten umgegangen werden soll, gegen dessen im Tennissport tätige GmbH ein Insolvenzverfahren läuft, haben sich die Landesfürsten offenbar eindeutig positioniert. Zumal Steeb wohl zusätzliches Ungemach droht: Nach SZ-Informationen erwägen einzelne Gläubiger rechtliche Schritte.

Der frühere Tennisprofi Steeb, der von 1999 bis 2001 Kapitän des Davis-Cup-Teams war, ist im November 2011 gemeinsam mit Altenburg in das neue Präsidium des DTB gewählt worden. Durch seinen prominenten Namen und seine Kontakte in die Tenniswelt sollte er die direkte Verbindung des Präsidiums zum Sport darstellen, allerdings war Steeb von Anfang an nicht ganz unumstritten.

Vor allem mögliche Interessenskonflikte wurden Steeb angelastet: Unter anderem ist er Tennis-Sublizenzhalter der Bekleidungsfirma Fila, die er offenbar dem DTB als Sponsor vermitteln wollte; selbst im Verband soll die Tatsache, dass es nach außen hin wirken könnte, als säße da ein ehrenamtlich Tätiger gleichzeitig auf beiden Seiten des Verhandlungstisches, für Irritation gesorgt haben.

Zudem kooperiert Steeb seit Januar 2011 mit der Sportmarkenfirma Lagardere Unlimited, die auch mehrere Tennisprofis vermarktet, darunter den Franzosen Gaël Monfils. Als beim Münchner Turnier in diesem Jahr nicht der junge Deutsche Matthias Bachinger eine Wild Card erhielt, sondern Monfils, beklagte sich Bachinger öffentlich, das ganze sei wohl "eine politische Entscheidung" gewesen.

Steeb selbst hat die Interessenskollisionen stets bestritten: Er könne in seinem Einsatz für das Wohl des Tennissports ja nicht seine beruflichen Aufgaben ruhen lassen. Die Frage, ob es sich in Steebs Fall tatsächlich um Interessenskonflikte handelt oder womöglich um hilfreiche Synergien, wurde im Umfeld des DTB immer wieder kontrovers diskutiert. Nun sieht es so aus, als könnte sich das Thema bald von selbst erledigen.