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Viertelfinal-Erfolg gegen Manchester United:Mutig? Wagemutig? Übermütig?

Und das Spiel musste nun darüber Aufschluss geben, wie das zu nennen war. Mutig? Wagemutig? Übermütig?

In der Praxis sah die Ich-liebe-Mittelfeldspieler-Aufstellung dann so aus, dass die Außenverteidiger Alaba und Lahm häufig in die Mitte rückten, hinten formierte sich dann eine Dreierkette, bestehend aus Boateng, Dante - und Kroos. Wenn Alaba und Lahm dann wieder an ihre Außenlinien zurückkehrten, kam bisweilen eine Fünferkette heraus; mit Kroos als flexibler Libero.

Wobei Toni Kroos trotzdem nur die zweitwichtigste Rolle zukam mit seinem Schnupperpraktikum im Abwehrverbund. Das war nämlich noch gar nichts im Vergleich mit dem offenbar an Philipp Lahm ergangenen Auftrag, sich selbst und Rafinha gleichzeitig zu spielen. Dass dieser Lahm als Fußballer alles kann, ist weltweit bekannt. Dass er gleichzeitig als Mittelfeldspieler und als Rechtsverteidiger aufläuft, wodurch dann weiter vorne eine zusätzliche offensive Planstelle frei wird, war neu.

Ein Trainer, der so nachhaltig in die Team-Statik eingreift, setzt damit zwangsläufig das Motto eines solchen Spiels: Er erklärt es zu taktischen Reifeprüfung im Ernstfall-Modus. Und die Frage war, ob das gut gehen kann: ein neues System mit neuen Aufgaben, neuen Laufwegen dem Praxistest zu unterziehen, während auf der anderen Seite Manchester United nur darauf lauert, den Favoriten zu stürzen.

Zunächst sah es nicht gut aus für die Münchner: Wenn sich Wayne Rooney in der 8. Minute zwischen Ballannahme und Schussversuch im Bayern-Strafraum nicht noch schnell ein Butterbrot geschmiert hätte - jedenfalls dauerte es in etwa so lang -, wäre schon früh eingetreten, wovor Guardiola gewarnt hatte: dass aus der dichten Deckung und dem überfallartigen Umschaltspiel der Engländer ein Rückstand für die Gastgeber resultiert.

Glück gehabt, wie auch bei diversen anderen Szenen in Manuel Neuers Revier. Andererseits hatten die vielen, vielen Super-Super- Mittelfeldspieler auf dem Platz zwangsläufig den gewünschten Effekt, dass an Anspielstationen kein Mangel war. Dafür fehlten bisweilen: Automatismen, Passsicherheit, die letzte Konsequenz.

"Ich fand's überragend, wie die Mannschaft trotz dieses kleinen Rückschlags zurückgekommen ist", sagte Torschütze Müller, der in der ersten Halbzeit mit Arjen Robben gehadert hatte. "Wenn man sich beide Spiele anschaut, sind wir verdient weitergekommen."

Als das Spiel dann entschieden war, wechselte Guardiola die Normalität ein: Rafinha. Und eines wissen sie jetzt ganz sicher in München: Ihr Pep coacht zwar eigenwillig. Aber ganz sicher nicht schlecht.


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