Der Behutsam-Hype
„Machen wir uns nichts vor“, sagte Lukas Kwasniok diesmal zum neuen Wunderknaben, „wir wissen, dass er wahrscheinlich nicht die nächsten 15 Jahre hier spielen wird. Wir müssen ihn behutsam aufbauen – und irgendwann unfassbar teuer abgeben.“ Damit beschrieb der Trainer des 1. FC Köln die ganze Spannweite des Hypes um Said El Mala, 19 – nach einem 1:1 gegen Augsburg, das dem verzückten FC-Volk den nächsten El-Mala-Magie-Moment bescherte: Kwasniok wechselte den U21-Stürmer in der 59. Minute in die Müngersdorfer Manege ein (behutsam!), in der 76. zeigte El Mala dann erneut seinen besten Move: ein Solo von Linksaußen mit unwiderstehlichem Zug zum Sechzehner – fabelhaft vollendet mit rechts unter die Latte zum 1:1.
Weil die Zeiten sind, wie sie sind, wird längst diskutiert, wann und für wie viel Kohle El Mala Köln verlässt. Kwasniok sucht die Mitte zwischen Bremspedal und Euphorie-Genießen: „Mit jedem Tor fünf Millionen mehr“ sei El Mala wert, witzelte er, „aber zwischen einem Highlightspieler und einem guten Bundesligaspieler liegen noch Welten. Das Schöne ist: Er und sein Umfeld verstehen das.“ Moritz Kielbassa
Die Konfetti-Party

Es liegt eher selten in der eigenen Hand, wie über einen nach dem Abschied gesprochen wird. Vor ein paar Wochen verließ Xavi Simons RB Leipzig, er musste dann in der Bild-Zeitung unter anderem lesen, dass er seinen Hund tagelang auf der Dachterrasse ausgesperrt und einmal für einen Feueralarm im Trainingszentrum gesorgt hatte. Die Feuerwehr sei angerückt, weil das Haarspray, das eine Friseurin appliziert habe, „zu intensiv“ gewesen sei.
Derlei wurde Yussuf Poulsen, 31, nie nachgesagt, obschon auch er sich mitunter intensiv frisieren lässt. Am Samstag wurde er nun am Rande der Partie von RB Leipzig gegen den neuen Poulsen-Klub Hamburger SV mit ein paar Wochen Verspätung verabschiedet. Es gab viel Konfetti, Geschenke, warme Reden. „Das war sehr emotional, ein besonderer Tag. Ich habe versucht, das einfach zu genießen. Das wird lange in Erinnerung bleiben“, sagte Poulsen. Die Punkte ließ der eingewechselte dänische Stürmer freundlicherweise in Leipzig: RB siegte 2:1. Die Tore erzielten zwei unauffällig frisierte Spieler: zweimal Christoph Baumgartner für RB (45./50.) – und Albert Sambi Lokonga (48.) für den HSV. Javier Cáceres
Zwei Premieren-Tore

Als der 1. FC Heidenheim der Bundesliga erstmals ganz nahe kam, waren Jonas Föhrenbach, 29, und Stefan Schimmer, 31, schon dabei. Im Sommer 2019 waren beide auf die Ostalb gewechselt, Schimmer aus Unterhaching, und Föhrenbach aus Regensburg, wohin ihn der SC Freiburg verliehen hatte. Und im Mai 2020 bestritten sie nun also zwei Relegationspartien, knapp war es gegen Werder Bremen, aber es reichte nicht. Heidenheim blieb zweitklassig, holte den Aufstieg aber drei Jahre später nach. Am Samstag sind die Heidenheimer den Bremern wieder begegnet, das Spiel endete nach Toren von Föhrenbach und Schimmer 2:2, und es enthielt aus Heidenheimer Sicht eine gute und eine nicht so gute Nachricht.
Nicht so gut ist, dass es inzwischen auf Föhrenbach und Schimmer ankommt – das deutet darauf hin, dass die Schwaben im Moment keinen dieser besonderen Spieler mehr im Kader haben (wie einst Kleindienst, Beste, Wanner oder Scienza). Gut ist, dass Föhrenbach und Schimmer nach all den Jahren ihr jeweils erstes Erstligator erzielten – und die Heidenheimer also ihre gefürchtete Hartnäckigkeit wiedergefunden haben. Christof Kneer
Die Zweitliga-Attraktion

Der 1. FC Köln und der HSV haben der zweiten Liga nach allgemeiner Auffassung keinen Gefallen getan. Sie sind, ohne sich um das Schicksal dieser Liga zu bekümmern, einfach aufgestiegen und haben ihre Historie, ihre Reputation und ihre Fankultur einfach mitgenommen. Fest stand also, dass kein Mensch sich mehr für diese Liga interessieren würde, Schalke und Hertha würden das allein nicht schaffen. Inzwischen hat die Liga aber alle Kulturpessimisten eines Besseren belehrt, es gibt mindestens einen herausragenden Grund, um weiterhin zweite Liga zu schauen: Francis Onyeka, einen 18-jährigen offensiven Mittelfeldspieler, der von Leverkusen an den VfL Bochum ausgeliehen ist.
Onyeka hat etwas geschafft, was nicht mal von Harry Kane überliefert ist: Innerhalb von zehn Tagen sind ihm vier sog. Doppelpacks gelungen. Je zweimal traf er für die deutsche U19 beim 7:0 gegen Armenien, beim 5:0 gegen Kosovo und beim 2:1 gegen Norwegen. Und nach seinen zwei Toren bei Bochums 3:2 gegen Hertha sagte er, er habe „da weitergemacht, wo ich aufgehört hatte. Das gilt dann auch für die nächste Woche“. Also wieder einschalten! Christof Kneer

