VielseitigkeitsreitenDeutsche Equipe gewinnt EM-Gold

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„Man kann nicht immer auf die Tube drücken“: Michael Jung behielt angsichts des Alters seines Chipunk den Teamerfolg im Blick und ritt kontrolliert zu Einzel-Silber.
„Man kann nicht immer auf die Tube drücken“: Michael Jung behielt angsichts des Alters seines Chipunk den Teamerfolg im Blick und ritt kontrolliert zu Einzel-Silber. Stefan Lafrentz/dpa

Bei der Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter in Blenheim landet das deutsche Team überlegen auf Platz eins. Gastgeber Großbritannien erlebt ein Debakel.

Von Gabriele Pochhammer

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter haben sich bei der Europameisterschaft in Blenheim Park, Großbritannien, überlegen Mannschaftsgold geholt. Mit 124,9 Punkten landete die deutsche Equipe vor Irland (161,9) und Frankreich (167,5). Der Einzeltitel ging an Laura Collett auf London (26,1) vor Michael Jung auf dem 17-jährigen Chipmunk (28,3), der im Gelände die Führung an die Britin hatte abgeben müssen. Dritter wurde der Brite Tom McEwan auf Dublin (33,0). Mit der schnellsten Geländerunde kam der jüngste Reiter des Feldes, der deutsche Einzelreiter Calvin Böckmann, 24, auf Phantom of the Opera auf einen beachtlichen vierten Platz (36,5).

Malin Hotopp-Hansen auf Carlitos Quidditch blieb Platz elf. Im Springparcours rutschte der 13-jährige Schimmel in einer Kurve aus, konnte sich aber wieder fangen. Jerome Robiné auf Black Ice wurde Achter. Der zweite Einzelreiter Nico Aldinger auf Timmo belegte nach einem Springparcours ohne Abwurf Platz 13. „Dass es so gut läuft, hatte ich mir erträumt, aber am Ende muss es ja auch auf dem Papier stehen. Wir hatten großen, positiven Respekt vor der Aufgabe. Aber wenn man ganz konzentriert ritt, die Zeit nicht zu sehr im Auge hielt, dann war es eigentlich nichts Besonderes“, sagte Bundestrainer Peter Thomsen.

Alle sechs Reiter, die vier Mannschaftsreiter wie auch die beiden Einzelreiter, absolvierten das 5800 Meter lange Gelände mit 31 teils sehr technischen Hindernissen ohne Springfehler. Die hochfavorisierten Briten erlebten vor heimischer Kulisse eine historische Niederlage. Vier Reiterinnen, darunter zwei Teammitglieder, fielen vom Pferd, damit war die Mannschaft aus dem Rennen. „Das lehrt uns Demut“, sagte der sichtlich frustrierte Verbands-CEO Jim Eyre.

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Vor Blenheim Palace beginnt die EM der Vielseitigkeitsreiter. Die Gastgeber sind die großen Favoriten, doch auch die deutschen Teilnehmer – mit einem Olympiasieger – sind optimistisch.

Von Gabriele Pochhammer

„Diese Hymne will ich am Sonntag nicht mehr hören“, hatte Equipechefin Annette Wyrwoll gesagt, nachdem bei der Eröffnungsfeier für die Europameisterschaft die Nationalhymne der Gastgeber erklungen war, mit Pauken und Trompeten. Ihre Reiter nahmen es als Anweisung. Selten konnte ein Team so entspannt in die letzte Runde, das Parcoursspringen. Am Ende erklang die britische Hymne dann doch noch für Laura Collett, die nach großen Erfolgen jetzt endlich ihren ersten Einzeltitel gewonnen hat.

Michael Jung ließ sich die Enttäuschung über den verpassten Sieg nicht anmerken. „Wir hatten heute auch viel Glück“, sagte er nach seinem Geländeritt, mit Blick auf das Team. Chipmunk galoppierte frisch und munter durch den Park, stutzte nur kurz an einem Wasserhindernis. Im Mittelteil der Strecke verlor er etwas Zeit, die Jung die Führung kostete. „Aber man muss so einem älteren Pferd auch mal Gelegenheit geben, wieder zu Atem zu kommen“, sagte er. „Man kann nicht immer auf die Tube drücken.“ Und anders als Collett, deren Team schon gesprengt war, musste er auch noch das Mannschaftsergebnis im Kopf behalten.

Parcourschef Mark Phillips konnte sich am Ende feiern lassen. Sein Plan „Kind to the horses, unkind to the riders“ – freundlich zu den Pferden, unfreundlich zu den Reitern – war aufgegangen. Mehr als die Hälfte der 55 Reiter bewältigte das Gelände ohne Hindernisfehler, aber kein einziger blieb in der erlaubten Zeit von 10:01 Minuten. Auch die schwächeren Reiter hatten die Chance, heil nach Hause zu kommen, wenn sie einige der zahlreichen Alternativen nutzten, die zwar zeitintensiver, aber auch deutlich leichter waren.

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