Videoassistent in der Champions League Raus aus dem Keller

Den Videoentscheid gibt es nun auch in der Champions League.

(Foto: dpa)

Der Videoassistent kommt nun auch in der Champions League zum Einsatz. Er ist unabdingbar - doch in Sachen Transparenz sollten alle von einem Beispiel aus den Niederlanden lernen.

Kommentar von Johannes Aumüller

Wenn von dieser Woche an auch in der Champions League der Videoassistent zum Einsatz kommt, wird zumindest den deutschen Beteiligten ein gewohntes Element des Videoassistentenwesens fehlen: der Keller. In der Bundesliga sitzt der Assistent bekanntlich in einem Gemäuer in Köln-Deutz, wo er die Spiele am Monitor verfolgen und dem Schiedsrichter Hinweise zufunken kann - und mit der Zeit ist dieser Keller zum Spottsynonym für allen Ärger ums Video-Thema geworden. Aber in der Champions League ist weder in Köln noch etwa in der Uefa-Zentrale von Nyon eine Leitstelle geplant. Stattdessen sind die Video-Helfer direkt im Stadion untergebracht. Es ist durchaus die Frage, ob dies der einzige Unterschied bleibt.

Es war ja schon seltsam, dass Vertretern von Bayern, Dortmund oder Schalke ein Auftritt in der Champions League zuletzt wie ein Trip in die Vergangenheit erscheinen musste. Da traten sie in Amsterdam, Madrid oder Istanbul an, aber statt eines Videoassistenten mühten sich neben Haupt- und Linienrichtern zwei sogenannte Torrichter um korrekte Pfiffe. Mit Beginn der deutsch-englischen Achtelfinal-Wochen wird das anders, das ist durchaus eine Zäsur. Zwar werden im Fußball weiter videoassistentenfreie Zonen existieren (etwa die ersten Runden im DFB-Pokal). Aber wenn nach Bundesliga, La Liga und einigen anderen nun die Champions League und im Sommer die Premier League als letzte große Liga das Instrument einführen, wird der Videoassistent endgültig Teil des Spitzenfußballs. Das ist schon bemerkenswert, weil es noch nicht lange her ist, dass eben genau dieser Spitzenfußball vehement dagegen kämpfte.

Niemand weiß, wie die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Videoassistent abläuft

In den Spielen mit Videoassistent wurde klar, wie unabdingbar er ist: Viele Fehlentscheidungen wurden vermieden. Es wird auch gern übersehen, dass die bloße Existenz manches Fehlverhalten wie Tätlichkeiten von vornherein reduziert. Umso unverständlicher ist aber, dass es bei der Anwendung bis heute klemmt.

Wiederholt führt der Ablauf zu kuriosen Szenen und vor allem bei den Stadionzuschauern zu mancher Konfusion. Streng reglementiert ist zwar, dass der Assistent nur in vier Spielsituationen zum Einsatz kommen darf (Tor, Elfmeter, rote Karte, Spielerverwechslung bei persönlichen Strafen). Aber noch immer schwammig ist, wann ein "klarer Fehler" des Schiedsrichters vorliegt und damit die Schwelle erreicht ist, ab welcher der Assistent ihn informieren kann. Zu den größten Ärgernissen gehört, dass niemand weiß, wie die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Videoassistent abläuft.

Vor ein paar Tagen gab es dazu in den Niederlanden, bei Arnheim gegen Heerenveen, eine bemerkenswerte Szene. Der Schiedsrichter pfiff nach Beratung mit dem Videoassistenten Arnheims Tor zum 3:1 zurück und stattdessen Elfmeter für Heerenveen, weil es kurz vor dem Tor ein Foul gegeben habe. Die Entscheidung war hart, aber es war vorbildlich, wie nachher in Bild und Ton dokumentiert wurde, was und wie der Videoassistent und der Schiedsrichter sprachen, als sie die Entscheidung revidierten - und so alle die Gründe nachvollziehen konnten. Diese Form der Transparenz sollte zum Standard werden, ob im Kölner Keller oder bei Unterbringung im Stadion.

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