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VfL Wolfsburg:Viele Konstruktionsfehler im Wolfsburger Spiel

Auch Hecking wird gewusst haben, dass die Frage, wie man mehr aus dem edel bezahlten Kader herausholt, überaus berechtigt ist. Seine Elf spielt schon lange ohne Überzeugung und Freude. Und ebenso lange machen Gerüchte über ein mindestens angespanntes Verhältnis zwischen Team und Trainer die Runde. Derlei ist keine gute Grundlage für schönes Spiel, wie auch gegen Leipzig zu bezeugen war. Beim Tor durch Forsberg (70.) war wenig Abwehrverhalten zu erkennen, der Schwede konnte aus 18 Metern ungestört zu m Schlenzer ansetzen. Doch die Probleme liegen tiefer.

In der ersten Spielhälfte hatte derselbe Forsberg dramatisch schlecht einen Elfmeter verschossen, dessen Entstehung einen von vielen Konstruktionsfehlern bloßlegte, die den Wolfsburger Kader prägen und das Spiel der Mannschaft lähmen: Robin Knoche ist ein reiner Rechtsfuß, muss aber in der linken Innenverteidigung aushelfen. Weil Knoche bei der Spieleröffnung aus Mangel an Technik zu wenig Optionen bereitstehen, muss er sich oft für Rück- oder Querpässe entscheiden; vor dem Elfer spielte er Torwart Koen Casteels an, der sich den Ball zu weit vorlegte und dann den Strafstoß verursachte. Das strukturelle Problem ist, dass durch Aktionen wie von Knoche der Spielaufbau verlangsamt wird - und dass den meisten Wolfsburger Mittelfeldspielern die Fantasie fehlt, eine statische Abwehr aufzubrechen.

Allofs ist selbst maßgeblich verantwortlich

Die Offensivabteilung ist, mit Ausnahme von Draxler, hauptsächlich mit Turbo-Arbeitern gespickt, Zugang Didavi, der eine kreative Rolle spielen könnte, ist verletzt. Und zum glücklosen Stürmer Gomez (der im Sommer noch sagte, er würde wieder gehen wollen, wenn Wolfsburg das internationale Geschäft verpasst) scheint es keine Alternative zu geben. Hinzu kommt, dass einige Spieler nach Verletzungspausen nicht 100 Prozent liefern können: "Wir müssen mehr tun als der Gegner, wir müssen sie niederringen, weil wir sie nicht niederspielen können", weiß Allofs.

Ab sofort dürften sich viele Augen auch auf ihn selbst richten. Allofs ist maßgeblich verantwortlich für den bislang gescheiterten Umbau des Teams, der nach den Abgängen von Naldo, Dante, Schürrle und Kruse nötig wurde. In Hecking ist Allofs' letzter Schutzschild weg. Nur: In der Führungsetage des VfL sitzt quasi niemand mit Fachkompetenz. Bei VW gilt, dass die Investition in den Fußball nur Sinn ergibt, wenn der Klub international von sich Reden macht. Aber davon ist der VfL so weit entfernt wie der Mond, der Sonntag über dem Stadion in voller Pracht schien.

© SZ vom 18.10.2016/ebc
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