Suspendierung von Max Kruse:Wolfsburg zahlt's ja

Lesezeit: 2 min

Max Kruse beim VfL Wolfsburg

Soll nicht mehr für den .

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Max Kruse wird beim VfL nur noch auf der Tribüne sitzen und weiter sein Top-Gehalt kassieren. Das zeigt, wie ungleich die finanziellen Mittel in der Liga verteilt sind.

Kommentar von Thomas Hürner, Wolfsburg

In Bremen herrschte große Aufregung, als im Sommer die Existenz einer sogenannten "Kohfeldt-Klausel" publik wurde. Die Aufregung war berechtigt, denn die Klausel hatte im weitesten Sinne auch mit dem Traditionsklub Werder Bremen zu tun, bei dem Florian Kohfeldt eine ganze Weile als Trainer beschäftigt war. In Internetforen, die den SV Werder zum Thema haben, wurde die Klausel ausgiebig diskutiert, und auch in der Bremer Geschäftsstelle hat man sich mit ihr auseinandergesetzt.

Bevor nun ein falscher Eindruck entsteht: Nein, in Bremen hat niemand geplant, Kohfeldt als Coach zurückzuholen, man ist weiterhin sehr zufrieden mit dem aktuellen Trainer Ole Werner. Für die Verantwortlichen des SV Werder war die Klausel aber interessanterweise ein Anlass, um sich zu fragen, ob eine Rückkehr des Angreifers Max Kruse sportlich Sinn ergeben würde - und wenn ja: wie sollte man das dann eigentlich bezahlen?

Die "Kohfeldt-Klausel" steht nämlich im Kleingedruckten des Arbeitsvertrags zwischen Max Kruse und dem VfL Wolfsburg geschrieben, und es lässt sich sagen, dass sie aus Spielersicht eine hervorragende Idee gewesen ist. Denn selbst wenn man Max Kruse heißt, muss man sich ja erst mal trauen, so eine Sondervereinbarung einzufordern. Und dann muss man bei den Verhandlungen sich das Grinsen verkneifen, wenn die Verantwortlichen des abnehmenden Klubs wirklich ihre Unterschrift unter eine Vertragsklausel setzen, die folgenden Inhalt hat: Kruse, der im vergangenen Januar von Union Berlin nach Wolfsburg wechselte, ließ sich zusichern, dass er den Verein für einen Obolus verlassen darf, falls der aus alten Bremer Tagen hoch geschätzte Kohfeldt in der neuen Saison nicht mehr VfL-Trainer sein sollte.

Kruse hätte den Klub verlassen dürfen - für einen Preis, den sich außer dem VfL Wolfsburg nur wenige leisten können

Ein Fall, der bekanntlich eingetreten ist: Kruse, 34, wurde am Samstag öffentlich vom neuen Wolfsburger Coach Niko Kovac aussortiert, obwohl sich dieser zuletzt wirklich Mühe gegeben hatte, den hochbegabten Solisten - trotz offenkundiger Bauchwölbung unter dem Trikot - in sein auf Kollektivgeist beruhendes Spielsystem einzubinden. Doch Kruse, der von sich selbst sagt, er sei "kein Trainingsweltmeister", prahlte in den Medien lieber mit seinem "Vier-Stunden-Arbeitstag" und startete einen Youtube-Kanal, auf dem er mit seiner Freundin ein bisschen Trash-TV-Content in die Welt sendet. Zum Klassenverbleib der Wolfsburger hat Kruse in der vergangenen Saison zwar durchaus etwas beigetragen - allerdings nur, weil da eben Kohfeldt im Amt war.

Was all diese Linien zu einem Muster verbindet: Niemand außer der von einem Autokonzern quersubventionierten Werkself konnte und wollte sich einen wie Kruse noch leisten, was nicht nur mit dessen Top-Gehalt in Höhe von 3,8 Millionen Euro zu tun hat, sondern mit den Kollateralschäden, die der Unterhalt des Angreifers mit sich bringt. Kruse steht damit exemplarisch für die Architektur der Liga, in der sich manche Klubs ein paar Luxusgüter anschaffen, die sie unbenutzt auf der Tribüne ablegen können, während der Rest darauf angewiesen ist, eine marktgerechte Lohnstruktur im Unternehmen zu etablieren.

"Wir haben es intern durchdiskutiert", räumte der Technische Direktor der Bremer, Clemens Fritz, im Sommer ein, als er auf die sogenannte "Kohfeldt-Klausel" angesprochen wurde: "Das war für uns finanziell aber einfach nicht zu stemmen." Mit der Suspendierung Kruses hat das Vertragswerk ohnehin neue Bedeutung erlangt: Kruse kann tun, was er will, und die Wolfsburger werden es ihm bezahlen, weil sie es können.

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