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Wolfsburg in der Champions League:Ob diese Chance so schnell wiederkommt?

Women's Champions League - Final - VfL Wolfsburg v Olympique Lyonnais

Nah dran, aber den Pokal bekamen die anderen: Alexandra Popp trauert nach dem Finale gegen Lyon

(Foto: Pool via REUTERS)

Der VfL Wolfsburg hadert mit dem verlorenen Finale gegen Lyon - zumal eine der besten Spielerinnen weltweit vor dem Absprung steht. Zur Verarbeitung der Enttäuschung bleibt nur wenig Zeit.

Von Anna Dreher

Wendie Renard gab die Richtung vor, gemeinsam mit Eugénie Le Sommer und Amandine Henry. Die Spielerinnen von Olympique Lyon hüpften vergnügt auf der Stelle vom linken Bein aufs rechte, sie riefen "eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eeeeeh!", machten danach ein paar Schritte zur Seite und begannen wieder von vorne. Eine bestens einstudierte und schon oft in den verschiedensten Kabinen Europas gezeigte Darbietung, festgehalten in einem Video. Die Zählweise bei dem traditionellen Siegestanz der Französinnen allerdings passte nicht so ganz zu diesem Abend, an dem doch alles auf die Zahl sieben ausgerichtet war.

Auf einem Holztisch in der Mitte des Raumes waren Sektflaschen versammelt - und Lyons Fixpunkt dieser Saison. Den mit geschwungenen Henkeln verzierten silbernen Pott hatte Renard bei der Siegerehrung ein paar Minuten vor der Umkleidenparty als Erste in die Hände bekommen. Auch da tanzte sie, dann stemmte sie die Trophäe im blau-weißen Lamettaregen in den Nachthimmel. Wenige Meter entfernt standen die schwer enttäuschten Spielerinnen des VfL Wolfsburg auf dem Rasen, in einer Reihe, manch eine mit Tränen in den Augen oder gar abgewandt von der ausgelassenen Feier der anderen. So sehr waren sie davon überzeugt gewesen, dass sie es dieses Jahr sein würden, die im Konfettiregen tanzen. Aber in dieser Nacht war Lyon wieder einmal unbezwingbar gewesen.

Das Finale der Champions League entschied Olympique im Estadio Anoeta von San Sebastián 3:1 (2:0) für sich und hat damit Historisches geschafft. Zum siebten Mal hat die Auswahl den wichtigsten europäischen Klubtitel bei den Frauen gewonnen, fünfmal gar in Serie. Diese Bestmarke hatte bis zuletzt allein Real Madrid gehört, dessen Fußballer von 1956 bis 1960 an der kontinentalen Spitze thronten - wie nun die Fußballerinnen von Lyon, die seit 2016 branchenführend sind und am Sonntag weitere Rekorde aufstellten.

54 Jahre lang war Reals herausragender Außenstürmer Francisco Gento die einzige Person, die in diesem Wettbewerb sechs Mal als Sieger die Trophäe überreicht bekam. Lyons Renard, Le Sommer und Torhüterin Sarah Bouhaddi haben dies nun als erste in der Geschichte dieses Sports je sieben Mal geschafft. Für die deutsche Nationalspielerin Dzsenifer Marozsán war es der fünfte Erfolg. "Meine Spielerinnen", sagte ihr Trainer Jean-Luc Vasseur, "wollten Geschichte schreiben. Sie haben vor ein paar Jahren damit angefangen und ich glaube nicht, dass wir bald aufhören."

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