VfL Wolfsburg:Jürgen Klopp stichelt gegen Draxler

-=

Julian Draxler (rechts) hat ein Imageproblem.

(Foto: AFP)

"Nur von Geld motiviert": Die Äußerungen des Trainers legen nahe, dass Julian Draxler nach seinem Wechsel zu Paris Saint-Germain ein Imageproblem hat.

Von Carsten Scheele

Nun hat Julian Draxler bekommen, was er wollte. Er hat den VfL Wolfsburg verlassen, zwar ein halbes Jahr später als geplant; schließlich wäre er gerne bereits im Sommer zu Paris Saint-Germain gewechselt. Doch egal: Draxler kickt ab Januar an der Seine, an der Seite von Kevin Trapp, Edison Cavani und Thiago Motta. Sein Gehalt beim von einer katarischen Investorengruppe subventionierten Klub dürfte fürstlich sein.

Doch Draxler, 23, deutscher Nationalspieler, hat auch viel verloren. Er hat im Sommer eine teilweise furiose Fußball-EM in Frankreich hingelegt, danach aber einiges dafür getan, seinen guten Ruf zu verspielen. Dass er in der Hinrunde beim VfL Wolfsburg kaum ein gutes Spiel zeigte, zurückhaltend und ideenlos wirkte, ist die eine Seite. Die andere ist, dass die Art und Weise, wie er den Wechsel nach Paris forcieren wollte, vielen in der Branche negativ aufgestoßen ist.

Draxler verspielte seinen guten Ruf

Mit einem sehr offensiv ausgerichteten "Ich-will-weg"-Interview hatte Draxler im Sommer auf seinen Abschied gedrängt. Wolfsburg versagte ihm diesen Wunsch, da Draxler ja einen Vertrag bis 2021 besaß, und pochte auf die Dienste des Nationalspielers. Anschließend spielte er so mäßig, dass sich in Wolfsburg die Erkenntnis durchsetzte, dass es wohl doch besser sei, sich von Draxler zu trennen.

Der sportlich gute Ruf, den Draxler nach der EM genoss, ist dahin. Da muss man nur Jürgen Klopp zuhören, dem deutschen Trainer des FC Liverpool, der sich in der französischen Sportzeitung L'Équipe zum Wechsel geäußert hat. Dem Vernehmen nach wurde Draxler auch von Liverpool umworben, Klopp sagte jedoch: "Wir glauben, wenn jemand nur von Geld motiviert ist und an einem gewissen Punkt Charakter zeigen soll, dann wird er es nicht tun."

Eine klare Spitze gegen Draxler, den Klopp rein sportlich sicher gerne in seinem Team gesehen hätte. Leidenschaftlich stichelte er weiter: "Die Spieler wissen, dass sie auch hier eine Menge Geld verdienen können, aber wir werden in Liverpool keine Dummheiten begehen. Wir wollen die Spieler mit dem besonderen Charakter unseres Klubs überzeugen und nicht nur mit Geld." Zur Erinnerung: Auch bei Schalke hatte Draxler 2013 einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, der Klub ließ damals Plakatwände bedrucken, auf denen stand: "Julian Draxler: Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018." Trotzdem wechselte er 2015 nach Wolfsburg.

"Schlimmste Hinrunde meines Lebens"

Äußerungen wie von Jürgen Klopp muss Draxler nun über sich ergehen lassen. Er hat ja trotzdem genügend Anlass, sich zu freuen. Vor allem, dass er Wolfsburg so schnell nicht mehr betreten muss: jene Stadt mit jenem Klub, bei dem er in anderthalb Jahren nie warm geworden ist. "Die schlimmste Hinrunde meines Lebens", nannte Draxler das vergangene halbe Jahr sogar. Für ihn ist der Transfer eine Erlösung, sportlich und persönlich.

Aber auch der VfL Wolfsburg darf zufrieden sein. Obwohl Draxlers Marktwert im vergangenen halben Jahr gefallen sein dürfte, erhält der Klub nun 47 Millionen Euro (inklusive Bonuszahlungen) für den Transfer. Das ist sogar mehr, als der VfL 2015 für Draxler zahlte, als er für 36 Millionen Euro aus Schalke kam. Damit ist der Nationalspieler zwar der Mann mit dem Imageproblem, aber ganz nebenbei auch der drittteuerste deutsche Fußballprofi.

© Süddeutsche.de/gba
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB