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VfL Wolfsburg:Gomez widerspricht Völler

Konfrontiert mit Völlers Ansicht zum Schiedsrichter, machte Gomez erneut von der freien Meinungsäußerung Gebrauch. Erstens unterstellte er Völler "Wahrnehmungsstörungen", zweitens tadelte er, das sei nicht das Verhalten "eines Sportsmanns". Auch Gomez hatte im Spiel Kontakt mit Aytekin gehabt, besonders in der 68. Minute, nachdem ihn Bayer-04-Verteidiger Dragovic mit lautem Rums niedergerammt hatte - im Stile von "Rambo", wie das Opfer den Schiedsrichter wissen ließ. "Glasklarer Elfmeter!", rief Gomez. Aytekin erwiderte: "Ich sehe es nicht so." Woraufhin das Wundersame geschah: Mario Gomez verlor keine Zeit mit Klagen und Beschweren und spielte weiter, bis er endlich und hochverdient sein erstes Tor erzielt hatte, dem er gleich das zweite und dritte folgen ließ - Krönung eines von Anfang an hochklassigen Stürmer-Auftritts.

Mario Gomez ist ein Fußballer, dem man immer gleich anmerkt, wenn er sich wohlfühlt. Beim VfL ist er jetzt der prominenteste Zeuge für den inspirierenden Einfluss, den der neue Trainer Andries Jonker binnen fünf Wochen beim VfL Wolfsburg verwirklicht hat. Seit der Ankunft des Niederländers hat Gomez in jedem der vier Spiele getroffen, doch er besteht darauf, dass diese Quote mehr über Jonkers Arbeit verrät als über seine Torjägerkunst: "Mein Job ist für jedermann einfach zu sehen. Ich bin derjenige, der die Tore macht. Aber dass wir wieder einen klaren Plan haben, das sieht man nicht nur mir, sondern der kompletten Mannschaft an. Jeder Spieler fühlt sich wohl damit und hält sich daran."

Glanz auf und neben dem Platz

Die VfL-Profis scheinen neuerdings ein Gefühl von Freiheit zu atmen, das war in Leverkusen zu sehen und bei Gomez sogar zu hören, als er ohne branchenübliche Zurückhaltung seine Meinungen äußerte. Warum auch nicht? Rudi Völler kann Widerspruch verkraften, und das Ansehen der Liga erleidet durch Gomez sowieso keinen Schaden. Glanz verbreitet er auf und neben dem Platz, während der monatelang in traurigem Grau versteckte VfL plötzlich als gutes Beispiel leuchtet: Mitten im Abstiegskampf haben die Wolfsburger die Freude am Fußball wiederentdeckt. Jonker habe der Mannschaft den Sinn der Sache wieder ins Bewusstsein gebracht, erzählte Gomez: "Warum spielen wir Fußball?, hat er uns gefragt: Weil wir Spaß daran haben."

So hat's ausgesehen am Sonntagabend. Nach Fußball, nicht nach Gemurkse.

© SZ vom 04.04.2017/ska
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