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VfL Wolfsburg - FSV Mainz:Diego zaubert zu kurz

Ein irres Bundesliga-Comeback: Diego führt den VfL Wolfsburg gegen Mainz zu einem 3:0-Vorsprung, verleitet seinen Trainer zu einer kleinen Revolution - und muss doch verkraften, dass seine Elf am Ende noch verliert.

Johannes Aumüller

Mainz' Trainer Thomas Tuchel gab sich vor dem Spiel seines FSV gegen den VfL Wolfsburg als ein Mitglied der Fraktion, welche die Bundesliga-Rückkehr von Diego besonders begrüßt - und das sogar aus zweierlei Gründen. Das altruistische Argument lautete: "Der Wechsel wertet die Liga auf, es ist toll, solche Topstars hier zu haben." Das egoistische Argument hieß: "Vielleicht können wir bei dieser ganzen Konzentration auf Diego klammheimlich unser Spiel durchbringen."

Von klammheimlich konnte knappe zwei Stunden später zwar nicht die Rede sein, aber ja: Auf eine unglaublich irre und unglaublich spannenden Art und Weise hatte der FSV Mainz tatsächlich sein Spiel durchgebracht - und nach einem zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand noch mit 4:3 gewonnen. Und in der Tat hatte dieser Spieleverlauf jede Menge mit Wolfsburgs Neuerwerbung Diego zu tun.

15 Monate und fünf Tage nach seinem bisher letzten Bundesliga-Spiel - das er mit Werder Bremen übrigens ausgerechnet in Wolfsburg bestritten hatte - präsentierte sich der Brasilianer in der ersten halben Stunde wie in besten Zeiten. Nach drei Minuten vernaschte er das erste Mal zwei Gegenspieler gleichzeitig, nach fünf Minuten verzückte er die Fans mit einem Pass hinter dem Standbein, nach sechs Minuten bediente er das erste Mal gefährlich Wolfsburgs Sturmspitze Edin Dzeko, nach sieben Minuten führte er den ersten Freistoß aus, und nach einer guten Viertelstunde gelang ihm der erste Torschuss - ein schöner Schlenzer aus 16 Metern in Richtung rechtes Toreck, der nur knapp am Pfosten vorbeiflog.

In der 24. Minute hingegen stand Diego irgendwo herum, aber das hinderte seinen Mitspieler Edin Dzeko auch nicht daran, das 1:0 für den VfL Wolfsburg zu erzielen. Mainz' Christian Fuchs köpfte in einer missglückten Aktion zurück statt nach vorne und genau in den Lauf des Bosniers Dzeko, der Bo Svensson abschüttelte, FSV-Torwart Christian Wetklo umkurvte und zum 1:0 einschoss.

Nur drei Minuten später stand Diego wieder nur irgendwo herum, und wieder waren die Wolfsburger erfolgreich. Dzeko selbst passte den Ball auf die linke Seite zu Mandzukic, der dribbelte die Seite entlang und bediente mit einem überlegten Rückpass, ja wen wohl? Natürlich Edin Dzeko.

Doch es kann natürlich nicht angehen, dass ein Klub mit Diego in seinen Reihen so viele Tore schießt, ohne dass Diego an diesen Toren beteiligt ist. Aber noch ehe der Brasilianer deshalb erzürnen konnte, hatte der Mainzer Svensson die grandiose Idee, einen völlig missglückten Rückpass zu spielen, dank dem Diego alleine mit dem Ball auf Wetklo zusteuern konnte. Links neben ihm lief zwar noch Dzeko, und eigentlich hätten die heiligen Regeln des Überzahlspiels in dieser Situation einen Pass nach links gefordert, doch Diego dachte gar nicht an einen Pass nach links, zeigte stattdessen einen tollen Übersteiger, mit dem er den Mainzer Torwart vernaschte, und schoss eigenfüßig zum 3:0 ein (30.).

Kann es eine schönere Rückkehr in die Bundesliga geben?

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