VfL Wolfsburg Entwarnung  und Alarmglocken

Mann des Tages: Wout Weghorst war mit drei Toren und zwei Vorlagen maßgeblich am Wolfsburger Sieg über Düsseldorf beteiligt.

(Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Ein Dreierpack von Wout Weghorst beendet eine wilde Wolfsburger Woche. Gegner Düsseldorf hadert mit der eigenen Überheblichkeit.

Von Jörg Marwedel, Wolfsburg

Ein glücklicher Geburtstag beinhaltet für einen Fußballprofi "erstens Gesundheit, zweitens einen Sieg und drittens ein eigenes Tor". So hat das der Wolfsburger Admir Mehmedi ausgedrückt, der am Samstag 28 Jahre alt wurde. Alle Wünsche wurden ihm erfüllt. In der 80. Minute ging Mehmedi gesund vom Platz, was für den Schweizer keineswegs normal ist. Sein Tor hatte er bereits in der 34. Minute erzielt, mit einem Lupfer zum 1:1. Und für den 5:2-Sieg des VfL gegen Fortuna Düsseldorf sorgte vor allem sein Angriffspartner, den Mehmedi einen "positiv Verrückten" nennt: Wout Weghorst. Der niederländische Torjäger schoss erstmals drei Tore und bereitete die beiden anderen auch noch vor. Mit nun zwölf Treffern stieg Weghorst in die Spitzengruppe der gefährlichsten Bundesliga-Stürmer auf.

Weghorst hat damit noch einen anderen Geburtstag gerettet, den 55. von Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke - nachdem die abgelaufene Woche die turbulenteste der vergangenen Monate beim VfL Wolfsburg war. Erst passierte das peinliche 0:6 beim FC Bayern, dann verkündete Trainer Bruno Labbadia seinen Abschied zum Saisonende nach nicht einmal 15 Monaten im Amt. Labbadia flachste am Samstag, er habe den ihm nicht in herzlicher Freundschaft verbundenen Schmadtke sogar umarmt. Auf jeden Fall ist nach diesem 5:2 die Befürchtung, dass Labbadia als "lame duck", also als einflussloser Coach die Serie zu Ende spielen muss, erst mal vom Tisch. Das macht auch für Schmadtke, der am Ende vorsichtig Beifall klatschte, die Arbeit leichter. Bei seiner Suche nach einem Labbadia-Nachfolger stehen wohl Marco Rose (Salzburg) und Oliver Glaser (Linzer ASK) oben auf der Liste.

Drei Gegentore in fünf Minuten: Düsseldorfs Abwehr stand Spalier

Das versöhnliche Ende dieser aufregenden Woche in Wolfsburg hat dagegen der Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel missgelaunt erlebt. Seine Empörung darüber, dass Weghorst vor dem 1:1 durch Mehmedi den Ball mit der Hand berührt hatte, was Schiedsrichter Bastian Dankert auch nach dem Video-Studium als nicht ahndungswürdig ansah, war fast nachrangig. Vielmehr regte sich Funkel über sein eigenes Team auf, das bis zur Pause ein ordentliches Spiel abgeliefert hatte. Danach habe man "desaströs und körperlos verteidigt", klagte der Coach. Funkel machte nach sieben Siegen in elf Spielen sogar "Überheblichkeit" bei seinen Profis aus. Und wer glaube, dass die Fortuna als Tabellenzwölfter den Klassenerhalt bereits geschafft habe, dem hielt der Trainer entgegen: "Die Alarmglocken müssen schrillen."

Neben der Spur waren diesmal vor allem die Innenverteidiger Marcin Kaminski und Kaan Ayhan. Letzterer hatte mit einem kunstvollen Freistoß zwar das 1:0 erzielt, dann aber in wichtigen Situationen die Orientierung verloren. Den Wolfsburgern Weghorst und Jerôme Roussillon stellte sich die Fortuna-Abwehr so ungeschickt in den Weg, dass aus einem 1:1 zwischen der 54. und 59. Minute ein 4:1 wurde.

Besonders beim 4:1 standen die Düsseldorfer quasi Spalier: Maximilian Arnold spielte trotz eines Fouls vor dem eigenen Strafraum noch einen Pass auf Roussillon; der wiederum lief mit dem Ball über das halbe Feld. Seinen Schuss wehrte Keeper Michael Rensing noch ab, Weghorst stand danach aber mal wieder richtig.

Der Niederländer, bis 2018 beim AZ Alkmaar, beweist, dass neben dem meist erfolgreichen Einkäufer Schmadtke auch Labbadia ein Gefühl hat für Spieler, die den VfL weiterbringen. Weghorst vereint Torjäger-Gen und Teamgeist. Und er widerlegt die alte Fußballweisheit, dass die Verrücktesten in einer Mannschaft meist die Keeper sind: "Bei uns ist der Torhüter Koen Casteels normal, unser Stürmer aber ist es nicht", sagt dazu der Kollege Mehmedi. Ihm imponiert, dass Weghorst "immer in seinem Film" sei, was heißt: Weghorst lässt sich durch nichts ablenken.

Gegen Düsseldorf hat er auch sein Arbeitspensum in der Defensive erledigt, und er hat auch mit viel Wut gespielt. Wut darüber, dass er für die beiden Länderspiele der Niederlande gegen Weißrussland und Deutschland (Sonntag) nicht nominiert wurde. Das habe ihn so "gepusht", dass er nach seinem ersten Tor gegen die Fortuna "noch viel heißer" wurde. Auch der zufriedene Labbadia fand es "schade", dass Weghorst (drei Länderspiele) nicht eingeladen wurde.