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VfL Wolfsburg:Dreist durch die Mitte

1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg

Drei Tore, zwei davon verwandelte Elfer: Wout Weghorst.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Nach einer ungewöhnlich langen Torflaute beschert Wout Weghorst defensiven Wolfsburgern einen 3:2-Sieg. Der Niederländer verwandelt zwei Elfmeter und bereitet sich das dritte Tor selbst vor.

"Wurde ja mal Zeit", brummte Jörg Schmadtke, als er auf die drei Tore seines Stürmers Wout Weghorst angesprochen wurde - und lächelte leicht verschmitzt. Viel mehr wollte Schmadtke dann auch gar nicht sagen zu dem Niederländer, der dem VfL Wolfsburg soeben einen 3:2-Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim beschert hatte. Naja, eins noch: "Den einen Kopfball in der ersten Halbzeit hätte man ruhig auch direkt machen können."

Der Wolfsburger Vorstand hielt sich mit Lob auch nach mehrmaliger Nachfrage zurück ("Jeder hat seine Aufgabe zu erfüllen, Wout soll eben Tore schießen, das hat er gemacht") und folgte damit einem der obersten Regeln im Fachlexikon Fußballmanager-Deutsch/Deutsch-Fußballmanager, die da lautet: Loben, wenn es nicht läuft - bremsen, wenn es läuft. Und da es sowohl bei Weghorst, der zum ersten Mal seit dem 1. Dezember wieder getroffen hatte, als auch beim VfL Wolfsburg, der nach zwei Niederlagen zum Rückrundenauftakt ein wenig unter Druck geraten war, wieder etwas besser läuft, trat Schmadtke auf die Bremse. Die guten Ansätze, die Wolfsburg in Hoffenheim erneut unter Beweis stellte, dürften jedoch auch Schmadtke nicht verborgen geblieben sein.

Trainer Oliver Glasner hatte eine bewusst defensivere Ausrichtung gewählt, um das Hoffenheimer Tempo in der Offensive nicht zur Geltung kommen zu lassen. In der ersten Halbzeit ging diese Taktik voll auf, was zu einem chancenarmen und eher flauen Bundesligaspiel führte. Hoffenheim hatte mehr Ballbesitz und eine bessere Passquote, fand allerdings ohne Tempo keinen Weg durch das Wolfsburger Mittelfeld. In der 17. Spielminute wehrte Sebastian Rudy einen Schuss von Xaver Schlager mit der Hand ab, Weghorst nahm sich umgehend den Ball und verwandelte sicher zum 1:0 für die Gäste. In der 40. Minute hätte der Niederländer dann, an dieser Stelle ist Jörg Schmadtke uneingeschränkt recht zu geben, tatsächlich zum 2:0 einköpfen können, Hoffenheims Torwart Oliver Baumann parierte jedoch stark, und Admir Mehmedis Abstaubertor zählte wegen Abseitsstellung nicht. Statt einer Zwei-Tore-Führung ging der VfL mit einem 1:1 in die Halbzeit, weil Christoph Baumgartner nach Flanke von Andrej Kramaric zum Ausgleich traf (45.).

In der Defensive verschuldet Weghorst das zwischenzeitliche 2:2

Während Hoffenheim nach der Pause zweimal wechselte und die Taktik umstellte (von Dreier- auf Viererkette), blieben die Wolfsburger bei ihrer abwartenden Haltung - die vor allem Weghorst entgegenkam. "Ich habe mich sehr wohlgefühlt mit der kompakten Taktik heute", sagte der Dreifachtorschütze nach dem Spiel: "Ich konnte mich darauf fokussieren, im Strafraum auf die Chancen zu warten, das liegt mir." Nach einem Videobeweis gab es in der 51. Minute erneut Elfmeter für Wolfsburg, diesmal verwandelte Weghorst dreist durch die Mitte. Dass Weghorst sich in der zweiten Halbzeit allein auf sein Dasein im gegnerischen Strafraum beschränkt hätte, stimmt allerdings nicht, er verschuldete sogar ein Gegentor: Denn als er wenige Minuten nach dem zweiten Führungstor per Hand einen Freistoß blockte, nutzte Kramaric den fälligen Elfmeter zum 2:2 (60.).

Das Spiel wurde nun wesentlich offensiver, Hoffenheim hätte durch Baumgartner gleich zweimal in Führung gehen können - den Siegtreffer organisierte sich Weghorst jedoch in sehr untypischer Manier als Konterstürmer selbst: Eine Hoffenheimer Ecke klärte er aus dem eigenen Strafraum heraus, sprintete dann über das gesamte Feld, um das starke Zuspiel des eingewechselten Josip Brekalo formvollendet per Lupfer über Baumann zu verwandeln (71.). "Es waren lange Wochen ohne Tore, das hat genervt", sagte Weghorst nach dem Spiel. Die finale Bilanz bei der Abfahrt aus Sinsheim lautete aus seiner Sicht: Drei Tore, drei Punkte - und ein Ball: "Nach einem Hattrick nehme ich den immer mit, mein Sohn spielt dann mit dem im Garten."

© SZ vom 16.02.2020
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