VfB verliert 0:4 daheim "Aufwachen!"

"Das war ein ganz schlechter Tag": Stuttgarts Trainer Alexander Zorniger.

(Foto: dpa)

Das 0:4 gegen den bisherigen Bundesliga-Letzten FC Augsburg ist ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte eines sportlichen Absturzes. Noch steht der VfB Stuttgart zu Trainer Zorniger.

Von Christoph Ruf, Stuttgart

Dass der Sieg auch in dieser Höhe verdient war, wollte nach dem Abpfiff nicht einmal der Trainer des Tabellenletzten bestreiten. Beim 5:0 des VfB Stuttgart war der Ball einfach zu leicht und locker durch die Reihen der Mannen mit dem Brustring gelaufen, der engagierte, aber überforderte Gegner war letztlich auf verlorenem Posten. Anderthalb Stunden später war das Spiel der Stuttgarter U19 gegen den FC Heidenheim längst vorbei - und das Spiel der Profis gegen den FC Augsburg konnte hundert Meter weiter angepfiffen werden.

Es endete mit einer 0:4-Niederlage gegen den FC Augsburg, an deren Ende Sportdirektor Robin Dutt von einer "ganz, ganz schwachen Leistung" sprach. Es waren vergleichsweise milde Worte für einen hoffnungs- und hilflosen Auftritt, bei dem die Diagnose leicht zu stellen war: Mal wieder war es zu einfach, gegen den VfB Tore zu schießen. Schon zur Halbzeit lag das Team 0:3 in Rückstand - gegen eine Mannschaft, die in den zwölf Spielen zuvor nur 13 Mal getroffen hatte und nun bis auf einen Punkt an den VfB herangekommen ist.

Manager Dutt bekräftigt die Job-Garantie für Trainer Zorniger

Dessen Trainer Alexander Zorniger suchte dann auch nicht nach Alibis: "Wir haben zu keiner Phase die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen, die Körpersprache hat nicht gestimmt. Das war ein ganz schlechter Tag." So sah es auch Sportdirektor Dutt, der für kommenden Dienstag eine schonungslose Aufarbeitung ankündigte, die Job-Garantie für Zorniger aber bekräftigte. "Das war heute ein kollektives Versagen, für das jeder Einzelne auf dem Platz mitverantwortlich war."

Tatsächlich genügte schon ein zugegebenermaßen sehr guter Pass von Augsburgs Raúl Bobadilla, um die Stuttgarter Defensive nach wenigen Minuten erstmals zu entblößen. Sekunden später stand es 1:0 für die Gäste (Alexander Esswein/11.). Kurz darauf forderte die Stuttgarter Fankurve ("Aufwachen!") erneut eine andere Arbeitsauffassung ein: Gerade eben hatte VfB-Innenverteidiger Timo Baumgartl einen Schuss von Esswein zum 0:2 ins eigene Netz gelenkt, Odisseas Vlachodimos, der für Przemyslaw Tyton (Magen-Darm-Infekt) eingesprungen war, hatte erneut keine Chance (17.).

In der Winterpause will der VfB in der Defensive nachbessern

Doch auch jetzt deutete nichts darauf hin, dass der VfB das Flehen der Fans erhören wollte. Immer wieder kam der FCA in die gefährliche Zone, das Tempo-Defizit einiger Stuttgarter Verteidiger machte den Augsburgern das Leben zusätzlich leicht. Wer den Augsburger Treffer zum 3:0 sah, musste sich ernsthaft fragen wie der VfB mit dieser Defensive die Klasse halten will. Nach einem Eckball von Daniel Baier, der lange in der Luft war, köpelte Jan-Ingwer Callsen-Bracker das 3:0 - ähnlich frei kommen Erstligaspieler eigentlich nur in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Abschluss, wenn es gegen unterklassige Mannschaften geht. "Offenbar hat uns der frühe Rückstand das Rückgrat gebrochen", glaubt Zorniger, der gerne hören dürfte, dass Dutt im Winter im Defensivbereich nachbessern möchte.

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Und der zweite Durchgang? Den gab es auch. Doch wer gehofft hatte, dass der VfB ein wenig bissiger aus der Halbzeit kommen würde, konnte dieser Illusion immerhin neun Minuten anhängen; dann traf Ja-Cheol Koo zum 4:0. Nun war noch mehr als eine halbe Stunde zu spielen, doch kein Zuschauer hatte den Eindruck, dass sich an dem Resultat noch Gravierendes ändern würde - der VfB hatte längst resigniert. Kein Wunder, dass schon in der 70. Spielminute Zehntausende auf dem Nachhauseweg waren. Doch auch der traurige Rest der ursprünglich knapp 55.000 Zuschauer brachte ein Pfeifkonzert zustande, das es in sich hatte.