VfB Stuttgart Vom Leihspieler geärgert

Ein ewiger und ein ausgeliehener Stuttgarter: Maskottchen Fritzle beglückwünscht den Torschützen Steven Zuber.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Steven Zubers 1:1 lässt den VfB im Abstiegskampf hoffen und trübt die Laune in Hoffenheim.

Von Tobias Schächter, Stuttgart

Erst dieses geschmeidige Tänzchen. Und dann noch die Umarmung mit "Fritzle", dem Menschen im Maskottchen-Kostüm des VfB Stuttgart: Der Jubel von Steven Zuber nach seinem 1:1-Ausgleichstor gegen die TSG Hoffenheim brachte die Gäste-Fans in Rage. Üble Pöbeleien waren aus der Hoffenheimer Kurve gegen den Schweizer Nationalspieler zu hören. Dass sich ein Spieler über ein Tor freut, zumal über ein so wichtiges wie das von Zuber, das dem VfB einen Punkt im Abstiegskampf sicherte, ist ja eigentlich keine Erwähnung wert. Aber Zubers Tor war halt auch eines gegen jenen Klub, den er erst in der Winterpause verließ - ausgeliehen bis Saisonende ist Zuber nur, die Stuttgarter bezahlten eine Leihgebühr von 600 000 Euro und besitzen keine Kaufoption.

Zuber hatte schon vor dem Spiel angekündigt, bei einem möglichen Tor trotzdem feiern zu wollen. Nachdem er das dann auch ausgiebig getan hatte, hörte er natürlich auch die Schmähungen der TSG-Fans. Auch Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann fand "den Jubel vor unseren Fans nicht ganz glücklich". Deshalb beeilte sich Zuber auch, sofort nach Abpfiff die Wogen zu glätten: "Das war einfach mein Torjubel und überhaupt nicht gegen die Fans von Hoffenheim gemeint", sagte Zuber und erklärte: "Ich wollte es mir selbst beweisen. Wenn du jemand anderem etwas beweisen willst, bist du fehl am Platz."

Nagelsmann ahnte, dass es ihm sein Ex-Spieler beweisen wollte

Wie auch immer: Die pikante Note war natürlich, dass ein Tor eines eigenen Leihspielers den Europapokal-Hoffnungen der Hoffenheimer einen weiteren großen Dämpfer versetzte. Wieder einmal nutzte diese TSG ihre Überlegenheit nach dem Führungstor von Andrej Kramaric (42.) nicht zu einem zweiten Treffer und verpasste somit eine frühe Entscheidung - auch, weil man stattdessen erneut ein Gegentor kassierte. Elf Unentschieden sind das Resultat dieser fehlenden Kaltschnäuzigkeit - ein Ligarekord, auf den Hoffenheim gerne verzichten würde. Die Stimmung in der Kabine sei nicht gut, erzählte Verteidiger Stefan Posch mit einer Laune wie nach einer Niederlage; dabei war der 21-Jährige gerade erstmals für die österreichische Nationalelf nominiert worden.

Die Mannschaft der TSG aber läuft ihren Ambitionen hinterher und droht den Kontakt zu den Europapokal-Rängen zu verlieren. "Wir müssen uns nicht in die Tasche lügen: Wir sind kein Spitzenteam im Moment", konstatierte Mittelfeldspieler Kerem Demirbay. Nach Rang vier und Rang drei in den vergangenen beiden Spielzeiten sind die Ansprüche gestiegen, das aktuelle Mittelmaß nervt die Spieler - und den Trainer, der im Sommer zu RB Leipzig wechselt. Die Stuttgarter hingegen haben neue Zuversicht im Abstiegskampf gewonnen - wobei die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim VfB in dieser Saison noch viel größer ist als in Hoffenheim. Statt wie anvisiert den Blick nach oben zu richten, steckt der VfB weiter auf Relegationsrang 16 fest. Auch deshalb werden nun kleine Schritte gefeiert. Der neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der vor ein paar Wochen Michael Reschke abgelöst hatte, findet, dass es "in vielen Bereichen in die richtige Richtung geht: jede Woche ein bisschen besser, besser, besser."

Diesmal sah Hitzlsperger den VfB "mit Ball verbessert", derweil sieht Trainer Markus Weinzierl seit einigen Spielen eine "klare Entwicklung". Er glaubt: "Wenn wir so spielen wie heute, bin ich überzeugt, dass wir noch viele Punkte holen und es noch reicht, direkt in der Liga zu bleiben." Schalke 04 auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz ist derzeit nur drei Punkte entfernt, Augsburg auf Rang 14 fünf Punkte. Beide Konkurrenten sind Weinzierls Ex-Klubs.

Hoffnungsträger in Stuttgart ist Winterzugang Steven Zuber, der seitdem schon fünf Tore erzielt hat. Nagelsmann hatte den Offensivspieler, der über Grasshopper Zürich und ZSKA Moskau in Hoffenheim gelandet war, zum offensiven Linksverteidiger umfunktioniert. Aber nach dem Aufstieg von Nico Schulz links hinten zum Nationalspieler verlor Zuber seinen Stammplatz. In Stuttgart reüssiert er nun wieder in der Offensive, wo er auch in der Schweizer Nationalelf zum Einsatz kommt.

In Baden wie in Schwaben loben sie Zubers Professionalität und Fleiß. Hitzlsperger erzählte, Zuber verlasse immer als Letzter den Trainingsplatz. Und Nagelsmann schwante bereits vor dem Anpfiff, dass Zuber ihm persönlich zeigen wolle, dass es eine falsche Entscheidung gewesen sei, ihn nicht immer spielen zu lassen. Eine gewisse Genugtuung schimmerte bei Zuber auch durch, als er sagte: "In mir schlummert viel Tatendrang, der jetzt endlich mal raus darf."