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VfB Stuttgart:Ein Abstieg, so rätselhaft wie unnötig

  • Der VfB Stuttgart war mit großen Hoffnungen in die Saison gestartet.
  • Nun steht ein Abstieg fest, der so rätselhaft wie verdient ist.
  • Die neue sportliche Führung soll das Märchen von 2016 wiederholen und direkt wieder aufsteigen.

Am 5. August des vergangenen Jahres hat Daniel Didavi das erste Mal gespürt, dass dem VfB Stuttgart eine besondere Saison bevorstehen könnte. Der schwäbische Traditionsverein wirkte an seinem 125. Geburtstag so fidel wie lange nicht mehr, blendend gelaunte Menschen saßen an einem lobenswerten Sommertag im Stadion und sahen ein munteres Jubiläumsspiel gegen Atlético Madrid, das 1:1 endete (Tor: Didavi). Auch beim abendlichen Festakt in den Stadionlogen war der Verein sehr begeistert von sich, Sportchef Michael Reschke konnte kaum drei Meter gehen, ohne von einem Sponsor, einem VIP-Fan oder einem Guido Buchwald zur Komposition des Kaders beglückwünscht zu werden. Ja, auch Buchwald - der sich im Lauf der Saison zum grimmigen Reschke-Feind entwickeln sollte - hat Reschke damals zwischen Bier und Bar herzlich auf die Schulter gehauen: Gut gemacht, Michael, wird 'ne Supersaison! Und auch Didavi hat seinem Sportchef vorgeschwärmt: Was für eine tolle Stimmung in der Stadt doch herrsche, was für ein toller Trainer das sei und was für eine coole Mannschaft. Und der Mario Gomez, der habe das auch gesagt.

Ja, es ist eine besondere Saison geworden in Stuttgart, schon ein paar Wochen später war der tolle Trainer (Tayfun Korkut) nicht mehr da. Und neun Monate und zwei weitere Trainer später ist der VfB abgestiegen - und dass dieser Kader eine Vollkatastrophe ist, das haben jetzt sowieso alle schon immer gewusst.

Bundesliga "Das ist eine Horrorsaison und der Tiefpunkt"
Stimmen zur Relegation

"Das ist eine Horrorsaison und der Tiefpunkt"

Beim VfB Stuttgart ist die Trauer über den Abstieg groß. Der Präsident von Union Berlin findet den Aufstieg seines Teams "irreal". Die Stimmen zur Relegation.

Dieser Abstieg des VfB - der zweite in drei Jahren - ist tatsächlich alles auf einmal. Er ist rätselhaft, weil immer noch keiner verstanden hat, wie dieser Kader so irreparabel aus der Spur geraten konnte. Der Abstieg ist auch unnötig, weil der Aufwärtstrend unter Interimstrainer Nico Willig zumindest zu einem Relegations-Erfolg gegen das spielerisch unterlegene Union Berlin hätte reichen müssen. Gleichzeitig gehört dieser Abstieg aber, übers Jahr gerechnet, zu den verdienteren in der Bundesliga-Geschichte: Wer versucht, sich an ein richtig gutes Spiel des VfB in der abgelaufenen Saison zu erinnern, der wird die ganze Sommerpause lang nachdenken können, und er wird keines finden.

Reschke will den Trainer entlassen, und geht am Ende selbst

"Sehr, sehr heftig" sei das alles, sagte der immer noch recht neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nach dem 0:0 in Berlin, "wir haben zu viele Fehler gemacht, deswegen sind wir in der zweiten Liga."

Hitzlsperger hat gewusst, auf welchen Klub er sich einlässt, er geht inzwischen ja trotz seiner urkundlich beglaubigten oberbayerischen Herkunft als Ehrenschwabe durch, aber auch er hat jetzt den Unterschied zwischen Wissen und Erleben kennenlernen müssen. Die Wucht eines Traditionsklubs in der Krise lässt einem manchmal nur die Wahl zwischen einer falschen und einer noch falscheren Entscheidung.

Vielleicht war der 11. Februar der Tag, an dem sich der Abstieg entschied: Nach dem 0:3 in Düsseldorf votierte Reschke intern für eine Entlassung des Trainers Weinzierl, den er selbst geholt hatte. Reschke hat das bald bereut, weil er merkte, dass es nicht passt zwischen Team und Trainer; Reschke hatte sich im Februar bereits mit einem Nachfolger verabredet, der Österreicher Oliver Glasner hätte für den VfB den Linzer ASK verlassen, dank einer fürs Ausland gültigen Klausel. Bei den VfB-Gremien kam Reschke aber nicht durch mit seinem Plan, sie fürchteten einen weiteren Imageverlust des Trainerfresserklubs aus Stuttgart - am Ende ging dann Reschke.