VfB Stuttgart Mario Gomez wacht über Stuttgart

Trifft bald gegen alte Bekannte: Mario Gomez.

(Foto: Marijan Murat/dpa)
  • Mario Gomez wird beim VfB Stuttgart von allen geschätzt - vor allem, weil er sich um die Harmonie im Kader verdient macht.
  • In seiner Kerndisziplin, dem Toreschießen, hat er wenig eingebüßt - das soll am Samstagabend der FC Bayern zu spüren bekommen.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.
Von Benedikt Warmbrunn

Der spektakulärste Satz, den je ein Trainer über Mario Gomez gesagt hat, ist immer noch der von Louis van Gaal. Wobei man wissen muss, dass Gomez auch nie einen ähnlich spektakulären Trainer wie Louis van Gaal hatte. "Ich habe einen Körper wie ein Gott", sagte van Gaal, "aber nicht wie Mario Gomez." Seitdem hatte Gomez einige Trainer, und zumindest in ihren Aussagen entfernten sie sich immer weiter von van Gaal. In Florenz legte ihm ein Trainer, Vincenzo Montella, zumindest noch den Rücktritt nahe, durch einen umständlichen Vergleich mit seinen letzten Jahren als Spieler ("hatte begriffen, dass mein Abenteuer mit dem Fußball zu Ende war"). In den Jahren, die danach kamen, wurden die Aussagen der Trainer positiver und geschliffener, sie enden vorerst mit Tayfun Korkut. Der Trainer des VfB Stuttgart sagt über Gomez: "Er ruht in sich."

Es sagt viel über die Charaktere der Trainer van Gaal und Montella, dass ihre Sprüche leicht übertrieben waren (wobei van Gaal nur zustimmen würde unter der Anmerkung, dass doch eher Gomez einen Körper habe wie er, van Gaal). Über den Charakter von Tayfun Korkut sagt es auch viel, dass er mit seinem Satz der Realität ziemlich nahekommt. Noch mehr sagt es aber über Mario Gomez in seinen letzten Jahren im Abenteuer mit dem Fußball.

Stuttgarts Vorteil? Sie haben jetzt Mario Gomez

An diesem Samstag (18.30 Uhr) empfängt der VfB Stuttgart den FC Bayern, und dass sie sich beim VfB trotz des verpatzten Saisonstarts mit den Niederlagen im Pokal in Rostock sowie zum Ligaauftakt in Mainz Chancen ausrechnen gegen den Titelverteidiger, das liegt an drei Dingen. Erstens haben sie am letzten Spieltag der vergangenen Saison den FC Bayern 4:1 besiegt. Zweitens finden sie, dass ihr Kader jetzt noch besser ist als bei diesem 4:1. Und drittens haben sie Mario Gomez.

Der Angreifer ist inzwischen 33 Jahre alt, in seiner Kerndisziplin, dem Toreschießen, hat er wenig eingebüßt; nach seiner Rückkehr im Winter traf er für den VfB achtmal, dazu erzwang er gegen Berlin ein Eigentor mit so viel Willen, dass es ihm als ein weiteres halbes Tor angerechnet werden muss. Er hat nach wie vor einen Körper wie ein Gott oder zumindest wie ein van Gaal. Vor allem aber hat er ein seltenes Gespür für Strömungen im Kader - was in diesem Stuttgarter Kader der verschiedenen Altersklassen besonders wertvoll ist.

Aus dem Umfeld der Nationalelf berichten viele, dass Gomez bei der WM in Russland, nach der er aus der DFB-Auswahl zurücktrat, einer derjenigen war, die wichtige Mittlertätigkeiten übernommen haben, zwischen den Interessen, zwischen den Grüppchen, auch zwischen den Lagern in der Erdogan-Affäre. Und auch in Stuttgart arbeitet Gomez nebenbei als Wächter der Kaderharmonie. Mit Kapitän Christian Gentner, einem seiner besten Freunde, und Torwart Ron-Robert Zieler zählt er zu den Führungsfiguren; Gomez schätzen sie ganz besonders dafür, dass er auch in der Kritik immer eine positive Botschaft sendet. Er kümmert sich um die jungen Spieler, mit seinem Sturmpartner, dem Argentinier Nicolás González, spricht er auf Spanisch und gibt ihm so ein Gefühl der Geborgenheit. "Er ist einfach ein gestandener guter Typ", sagt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke, "so eine Persönlichkeit gibt es nicht oft: ein Weltmensch, der die Bodenständigkeit nicht verliert."

In der Offensive sollen alle um Gomez kreisen

Dass sie Gomez in Stuttgart so respektieren, liegt auch daran, dass sie wissen, dass er nicht immer den leichten und glanzvollen Weg gewählt hat. Aus München, wo er nie geliebt wurde, trotz einer Quote von 75 Toren in 115 Spielen, wechselte er nach Florenz, obwohl er Angebote von Real Madrid und Atlético Madrid hatte. Er wollte lieber Fußball spielen, als neben der größten Bühne auf der Bank zu sitzen. Nach schweren Monaten in Florenz ging er dann in die türkische Liga, wo sonst Spieler ihr Abenteuer mit dem Fußball beenden. Gomez wurde mit Besiktas Istanbul Meister, er wurde Torschützenkönig, er wurde wieder begehrt. Und ging nach Wolfsburg. Dort wollte er in Europa mitspielen, doch als das Team abstürzte, zerriss sich Gomez im Abstiegskampf, wurde Kapitän der Mannschaft. "Sein Weg hat auch dazu geführt, dass er nie abgehoben ist", sagt Reschke, "er ist einer geblieben, den man greifen kann."

In Stuttgart hat nun der ausgesprochen bodenständige Korkut sein System in der Offensive ganz auf ihn zugeschnitten, um Gomez herum sollen die anderen kreisen, González oder Daniel Didavi, der ebenfalls aus Wolfsburg nach Stuttgart zurückgekehrt ist. "Wir brauchen ihn vor allem als Keilstürmer", sagt Reschke, "er hat im Strafraum seine Stärken, mit seinen schnellen Abschlüssen, mit seinen klaren Schüssen, mit seinem Gespür."

Jedes zweite Ligaspiel habe Gomez in der Rückrunde im Schnitt getroffen, rechnet Sportvorstand Reschke vor. Statistisch wäre also an diesem Samstag der nächste Treffer dran.

"Hektisch und sehr wild"

Borussia Dortmund legt beim 0:0 gegen Hannover 96 einige Defizite offen. Trainer Favre sehnt sich nach Ruhe im Spiel - und wirft im Umgang mit Mario Götze Fragen auf. Von Carsten Scheele mehr...