Tayfun Korkut beim VfB Stuttgart Stuttgart steht wieder blöd da

Natürlich wissen die Stuttgarter, dass sie jetzt wieder ein bisschen blöd dastehen in der Öffentlichkeit, die ihnen zweierlei anlasten wird: erstens, dass sie einen Trainer entlassen, der den VfB kürzlich noch zur zweitbesten Mannschaft der Rückrunde gemacht hatte. Und zweitens, dass sie ihren schönen, neuen Vorsätzen schon wieder untreu geworden sind. Denn das wollten sie in Stuttgart unter Federführung von Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich eigentlich nicht mehr sein: ein Trainerfresserverein, der beim ersten Gegenwind nervös wird.

Reschke ist entschlossen, solche Vorwürfe auszuhalten. "Ich halte Tayfun für einen sehr guten Trainer, der einen herausragenden Anteil an unserer Rückrunde hatte", sagt Reschke, aber im Klub haben sie immer mehr gemerkt, dass Korkuts eher biederes Coaching nicht zu jenem Upgrade passt, das sie dem Team im Sommer für gut 30 Millionen Euro verpasst haben. Korkuts Plan war offenkundig, jenen Lauf, den das Team in der Rückrunde hatte, einfach detailgetreu nachzustellen: Er wollte kompakt stehen, ein Tor schießen und das Tor ins Ziel verteidigen. Während die Bosse die erfolgreiche Rückrunde als Grundlage für mutigeren Fußball begriffen, sah Korkut den Fußball der Rückrunde offenbar schon als Endzweck. Die Schwaben wollten, dass ihr Trainer auf diesem Fundament ein schönes Häusle baut und haben jetzt gemerkt, dass für Korkut das Fundament offenbar völlig ausreichend war. "Es geht sicher darum, künftig ein bisschen erfrischender, aggressiver und torgefährlicher zu spielen", sagt Reschke.

Noch ist offen, welchem Trainer sie ihr Häusle anvertrauen, erst mal wird der alte Klub-Held Andreas Hinkel, derzeit Co-Trainer der U 23, das Training übernehmen. Am besten noch in der Länderspiel-Pause will Reschke "eine vernünftige, professionelle Lösung" präsentieren, das klingt nach der Markus-Weinzierl-Kategorie. Ein umworbener Trainer wie Ralph Hasenhüttl spekuliere leider auf Jobs in anderen Dimensionen, heißt es in Stuttgart, so einer werde nicht zum VfB kommen. Zu einem Klub, der nun das ist, was vorher Hannover 96 war: verunsicherter Tabellenletzter.

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