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VfB Stuttgart:"Ich freue mich wahnsinnig für ihn, diesen tollen Typen"

Bundesliga: Holger Badstuber vom VfB Stuttgart jubelt nach einem Tor gegen den 1. FSV Mainz 05.

Pure Freude: Holger Badstuber nach seinem Tor gegen Mainz.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Holger Badstuber ist beim 1:0 des VfB Stuttgart gegen Mainz 05 der Mann des Spiels.
  • Er trifft zum 1:0, verliert keinen Zweikampf, dirigiert das Spiel aus der Abwehr und nimmt seine Rolle als Führungsspieler an.
  • Trainer Wolf sagt, er sei nach seinen zahlreichen Verletzungen gesund und fit.

Von Tobias Schächter, Stuttgart

Michael Reschkes Urteil über einen Spieler zählt viel in der Bundesliga. Fast 25 Jahre war der 59-Jährige in verschiedenen Funktionen bei Bayer Leverkusen tätig, zuletzt war er drei Jahre Kaderplaner beim Branchenprimus Bayern München, bevor er Anfang August als Nachfolger des überraschend beurlaubten Jan Schindelmeiser als Sportvorstand beim Aufsteiger VfB Stuttgart anheuerte. Nach dem verdienten 1:0-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 am Samstag urteilte Reschke über den neuen Innenverteidiger des VfB: "Ein fitter Holger Badstuber ist ein Bundesligaspitzenspieler."

Der VfB feierte einen wichtigen ersten Heimsieg nach der Niederlage zum Auftakt bei Hertha BSC Berlin. Und das Siegtor war eine Co-Produktion der beiden erfahrenen Zugänge Dennis Aogo und Holger Badstuber: Nach einer Ecke Aogos wuchtete Badstuber den Ball per Kopf ins Tor. Danach sprintete er vor die Cannstatter Kurve, wo die besonders leidenschaftlichen VfB-Fans stehen, ging in die Knie, und jubelte mit voller Inbrunst. Diese Freude musste einfach raus bei dem 28 Jahre alten, ehemaligen Nationalspieler, der in den letzten Jahren durch so viele Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde. "Ich freue mich wahnsinnig für ihn, diesen tollen Typen", erklärte Michael Reschke: "Ich habe seinen Leidensweg ja in den letzten drei Jahren verfolgen müssen."

"Wir haben die Verantwortung, die Jungen zu führen und zu entlasten"

Beim FC Bayern hatte Badstuber nach einer Leihe zum FC Schalke in der vergangenen Rückrunde keinen neuen Vertrag mehr bekommen, auch Schalke beendete die Zusammenarbeit. Nun ist der gebürtige Memminger also zurück in Stuttgart, wo er einst zwei Jahre in der Jugend gespielt hatte, bevor er 2002 zum FC Bayern wechselte. 15 Jahre ist das nun her, und am Samstag spielte Badstuber zum ersten Mal in der ersten Mannschaft des VfB. Man spürte bis auf den letzten Sitzplatz unter dem Stadiondach, wie viel Lust dieser Badstuber da unten auf dem Rasen hatte - Lust zu zeigen, was er draufhat. Er agierte im Zentrum der von Trainer Hannes Wolf erstmals aufgebotenen Dreierabwehrkette wie selbstverständlich als Leader: Badstuber dirigierte seine Mitspieler, zeigte Laufwege an, gewann laut Statistik alle seine Zweikämpfe, erzielte den Siegtreffer und überzeugte bis auf wenige Schnitzer mit klugem Spielaufbau.

"Wir haben die Verantwortung, die Jungen zu führen und zu entlasten, Dennis Aogo, Christian Gentner und ich", sagte Badstuber hinterher mit der ihm eigenen Ernsthaftigkeit, die er auch im Erfolg immer an den Tag legt. Badstuber freute sich über diesen schönen Tag für den Klub und für ihn: Er hatte ja auch zum ersten Mal seit 2009 wieder ein Bundesligator erzielt, erst sein zweites in all den vielen Jahren. Doch er spielte trotzdem auch die Rolle des Mahners und erklärte, dass sich die Abläufe noch verbessern müssten im VfB-Spiel, dass die vielen jungen Spieler noch ein bisschen naiv agierten und seine Mannschaft am Ende den Vorsprung ruhig ein wenig souveräner hätte verteidigen können. Doch die Mainzer waren zu harmlos, die Niederlage war nach dem 0:1 gegen Hannover schon die zweite gegen einen Aufsteiger.

Badstubers Versprechen: "Ich gehe in jeden Zweikampf, als wäre es mein letzter"

Eigentlich hatte Wolf geplant, Badstuber und Aogo erst nach der kommenden Länderspielpause und Testspieleinsätzen gegen Ingolstadt und Großaspach von Beginn an einzusetzen. Aber Aogo und Badstuber hätten gut trainiert in der vergangenen Woche, so Wolf, und so sei der Entschluss gereift, die zwei ehemaligen Nationalspieler schon gegen Mainz aufzubieten. Beide seien zudem "sehr gut vorbereitet" zum VfB gestoßen, weil sie "individuell sehr gut gearbeitet" hätten, erklärte Wolf: "Wenn sie das nicht gemacht hätten, wäre das heute nicht möglich gewesen."

Ob er ein bisschen zusammengezuckt sei, als Badstuber nach einem Pressschlag in der ersten Hälfte kurz auf dem Boden liegen geblieben sei, wurde Wolf gefragt. Nein, antwortete der Trainer bestimmt: "Holger ist seit einem Jahr gesund. Schalke hat sein Knie gecheckt, wir haben sein Knie gecheckt - der ist gesund und fit." Badstuber hielt am Samstag gegen Mainz das, was er bei seiner Vorstellung vor drei Wochen in Stuttgart versprochen hatte. "Ich gehe in jeden Zweikampf ,als wäre es mein letzter." Doch wer sah, wie Badstuber am Samstag in Stuttgart spielte, jubelte und sprach, wie er seinem Körper wieder vertraut und die Fans und Verantwortlichen in seine Stärke, der wollte an Badstubers letzten Zweikampf noch lange nicht denken. Es sieht so aus, als würden in Stuttgart noch sehr viele Zweikämpfe folgen.

© SZ vom 27.08.2017/schm
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