Bundesliga Stuttgart singt mal wieder

Torschützen unter sich: Ozan Kabak und Mario Gomez (rechts) bescherten dem VfB Stuttgart drei Glücksmomente im ersten Abschnitt.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)
  • Der VfB Stuttgart kann doch noch gewinnen: Beim 5:1 gegen Hannover glänzen die Schwaben mit erfrischender Offensive.
  • 96 spielt wie ein Absteiger, der Klassenerhalt rückt in die Ferne.
Von Matthias Schmid, Stuttgart

In der Schlussphase stimmten die Zuschauer in der Cannstatter Kurve Lieder an, die man lange nicht gehört hatte in der Stuttgarter Arena. Es hätte niemand verwundert, wenn sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen hätte. Aber die Zuschauer waren textsicher, obwohl sie das Liedgut nur noch vom Hörensagen kannten. "Oh, wie ist das schön!", sangen sie, solche Dinge eben, wenn man bedeutende Fußballspiele gewinnt. Und das kam in dieser Spielzeit nicht oft vor. Aber am Sonntag besiegte der VfB Stuttgart mit 5:1 (3:0) Hannover 96 und vergrößerte den Vorsprung gegenüber dem Konkurrenten um den Klassenverbleib auf fünf Punkte.

96-Trainer Thomas Doll kritisierte seine Mannschaft massiv. "Ich bin schon lange im Geschäft. Aber so einen Auftritt habe ich auch noch nicht gesehen. Es ist schwer, Worte zu finden", sagte der 52-Jährige. "Das, was wir da abgeliefert haben, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun."

Um die sportliche Misere der beiden Traditionsklubs besser verstehen zu können, muss man mal zurückblicken auf die Saison 2015/16. Nach dem 24. Spieltag hatte der VfB schon 28 Punkte gesammelt - und ist trotzdem (mit Hannover) abgestiegen, mit 33 Zählern. Im aktuellen Klassement kommen die Stuttgarter - inklusive dem Sieg gegen Hannover - nun auf 19 Punkte.

"Verteidigen allein reicht nicht", hatte VfB-Cheftrainer Markus Weinzierl deshalb vor der Partie als Handlungsauftrag an seine Spieler ausgegeben. Und das Weinzierl diesen Satz nicht einfach so dahingesagt hatte, konnte man schon nach 44 Sekunden erkennen, als Mario Gomez den Außenpfosten traf. Es dauerte nur drei Minuten, bis der frühere Nationalstürmer die Glückwünsche seiner Mitspieler entgegennehmen konnte. Nach einem Steilpass von Steven Zuber hatte er plötzlich im Strafraum so viel Platz wie ein einsamer Wanderer auf einer Almwiese. Mit links konnte Gomez den Ball zur Führung abschließen.

Es war kein Spiel für Fußball-Ästheten, es tat den Augen vielmehr weh, wie häufig der Ball hoch und wild durch die Luft flog, aber es stand auch viel auf dem Spiel - und ein gepflegtes Kurzpassspiel verspricht per se keine Punkte. In so einem Abstiegsduell kommt es vor allem darauf an, wer weniger Fehler fabriziert. Die Stuttgarter machten viel weniger als die Gäste aus Hannover, die grotesk verunsichert auftraten und dem VfB beim Toreschießen assistierten. VfB-Verteidiger Ozan Kabak erzielte in der 16. Minute nach einem Eckball per Kopfball-Aufsetzer das 2:0. Der VfB dominierte das Spiel, ohne sich sonderlich verausgaben zu müssen. Aber Hannover war weit weg von so etwas wie Bundesligaformat. Gomez allein hätte noch vor der Pause zwei weitere Tore schießen können gegen seinen Lieblingsgegner, gegen den er nun schon neunmal in zehn Spielen traf.

Dafür erhöhte Kabak auf 3:0 (45.), weil er wieder per Kopf einen Eckball verwandelte. Der 18-Jährige war in der Winterpause von Galatasaray Istanbul zum VfB gewechselt und spielt so abgeklärt in der Innenverteidigung neben Weltmeister Benjamin Pavard, als würde er seit zehn Jahren nichts anderes tun.

Nach der Pause erlebten die Zuschauer Raritäten: den ersten Torschuss von Hannover durch Genki Haraguchi (51.); und ein Tor des eingewechselten Jonathas (68.). Stuttgart wackelte aber nicht. Sondern erhöhte durch zwei Tore von Zuber (78./81.) auf 5:1. "Das war ein superwichtiger Sieg für uns", sagte Weinzierl, dessen VfB in den nächsten Wochen in Dortmund, gegen Hoffenheim und in Frankfurt antreten muss. Sein Gegenüber hatte aber größere Sorgen: "Die Tabelle sieht ja nicht so gut aus", sagte Doll. "Aber das Schlimmste war der Auftritt."

Bundesliga Wie lange noch mit Tedesco?

Krise bei Schalke 04

Wie lange noch mit Tedesco?

Der Klub stürzt ab, Spieler weinen und Ultras entziehen dem Kapitän die Binde: Schalke ist ein Sanierungsfall und der neue Sportvorstand muss schnell entscheiden: Kann man dem Trainer noch vertrauen? Wenn nein: Wem dann?   Von Philipp Selldorf