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VfB Stuttgart - FC Bayern:Rasenschach ohne Ziel

Während sich der FC Bayern in Ballkontrolle und Quergeschiebe verheddert, erlebt sein Stürmer Mario Gomez beim 0:0 in Stuttgart eine völlig missratene Rückkehr.

Louis van Gaal kauerte fast auf dem Tisch. Der sonst so hoch getragene Kopf schien ungemein schwer zu sein, der Niederländer sprach langsam, leise. Und wenig.

Mario Gomez, Serdar Tasci, AP

Mario Gomez (links) wird nach seiner Leistung gegen seinen Ex-Club aus Stuttgart beim nächsten Bayern-Spiel auf der Bank sitzen. VfB-Innenverteidiger Serdar Tasci lieferte dagegen seine wohl beste Saisonleistung ab.

(Foto: Foto: AP)

Als der Trainer des FC Bayern München sich schließlich bis zum einzigen Tor des Spiels nach 85 Minuten vorgekämpft hatte, wirkte er fast apathisch. Fünf Zentimeter sei Luca Toni da im Abseits gestanden, "deshalb kann ich nicht sagen, dass es eine Fehlentscheidung war". Er senkte den Blick, der Kopf drückte nach unten. Es vergingen einige Sekunden, im gefüllten Pressesaal rührte sich niemand mehr. Dann wiederholte van Gaal: "Fünf Zentimeter." Hob den Kopf und schickte einen leeren Blick an die Decke.

Zwei Meter daneben sprach dann Markus Babbel laut und klar seiner Mannschaft ein Kompliment aus, weil sie "alles gegeben habe". Der "Fight" sei im Vordergrund gestanden, auch wenn sein VfB Stuttgart bald wieder ein bisschen Fußball spielen sollte - mit Betonung auf spielen. Es ging ein wenig hin und her zwischen Lob und Tadel, doch Babbel blieb aufrecht und kraftvoll.

Auf verblüffende Art und Weise wiederholten die Trainer während der Pressekonferenz die Auftritte ihrer Mannschaften. Hier das kontrollierte Vorgehen, das zunehmend in Schläfrigkeit mündete. Dort Elan und Kraft, aber wenig Strategie und Plan.

Das 0:0 zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München war deshalb ein gerechtes Ergebnis, weil beide Mannschaften es auf ihre Art übertrieben.

Schulterschluss zwischen Mannschaft und Publikum

Die Gastgeber stellten schon vor dem Anpfiff alles auf Offensive und Einsatz. Nach dem Aufwärmen trotteten die Spieler nicht wie gewohnt in die Kabine, sondern liefen geschlossen zur Fankurve, um sich für die geleistete Anfeuerungsarbeit schon vorab zu bedanken.

Nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Folge wollten die VfB-Profis "ein Zeichen setzen, weil die Fans keine guten Leistungen gesehen haben, wir sie aber weiter brauchen", wie Kapitän Thomas Hitzlsperger erklärte. Das Geste wirkte, es kam trotz der sportlichen Misere zum Schulterschluss zwischen Mannschaft und Publikum.

Überlegenes Balltreten

Und so erlebten die 42.000 im Stuttgarter Stadion eine furiose Anfangsphase mit Chancen für den VfB im Minutentakt. Bayern-Torwart Jörg Butt musste gleich viermal eingreifen, bevor seine Vorderleute den Zugang zu diesem Spiel fanden.

Als die Münchner es dann geschafft hatten, begannen sie mit dem van Gaalschen Kontrollfußball. Mit Mark van Bommel als Drehscheibe im Mittelkreis schoben und passten sie sich bisweilen gekonnt den Ball zu. Das sah nach System aus, nach Überlegenheit. Doch zu Chancen kamen die Bayern nicht.

Genau hier schieden sich die Geister in der Bewertung des Münchner Spiels. Ist der Ligakrösus auf einem gedeihlichen Weg zu einem dominanten Stil, der irgendwann sichere Siege garantiert? Oder verheddert er sich im Quergeschiebe, das in Stuttgart phasenweise an das ehrwürdige Rasenschach der achtziger Jahre erinnerte?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es der Ex-Stuttgarter Mario Gomez nicht nur auf dem Platz schwer hatte.

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