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VfB Stuttgart: Einzelkritik:Die Unrotierbaren

Eine Überraschung im Tor, eine Wanderbaustelle in der Abwehr und ein Angreifer, der eine besondere Rechnung begleicht. Die Spieler des VfB in der Einzelkritik.

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Jens Lehmann

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Jens Lehmann: Stand völlig überraschend in der Startformation. Immerhin hatte er schon alle acht Pflichtspiele des VfB in der laufenden Saison bestritten, und in Markus Babbels Rotationsweltbild schien es kaum vorstellbar, dass ein Spieler tatsächlich in jedem Spiel zum Einsatz kommt. Aber Babbels Rotationsweltbild rotiert an Lehmann irgendwie vorbei. Zeigte nach 70 Minuten, dass sein Einsatz berechtigt war: Als Sasa Papacs Fuß im Gesicht von Christian Träsch landete, stürmte Lehmann so wütend in Richtung Papac, wie sein Vertreter Sven Ulreich niemald hätte stürmen können. Rettete kurz vor Schluss das Remis. Der Tipp für die Rotationswetter: Im DFB-Pokal-Spiel in Lübeck in der nächsten Woche trifft es den bisher unrotierbaren Lehmann, da braucht es wohl keinen wütend stürmenden Torhüter.

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Christian Träsch

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Christian Träsch: Sorgte mit seiner Spielweise dafür, dass es im Stuttgarter Stadion an diesem Abend zwei Baustellen gab. Die große Baustelle in der Untertürkheimer Kurve, die derzeit komplett abgerissen ist, weil sie von Grund auf neu errichtet wird. Und die nicht ganz so große Baustelle auf der rechten Abwehrflanke, wo Träsch oft die Seite öffnete und sich viele Abspiel- und Stellungsfehler erlaubte.

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Serdar Tasci

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Serdar Tasci: War eigentlich nicht sonderlich gefordert, ließ sich aber bisweilen von seinem rechten Nebenmann anstecken. Leistete sich dann einen Fehlpass im Spielaufbau und eine ins Leere führende Grätsche in der gegnerischen Hälfte, einen wilden Querschläger in der Defensive und einen jener unsäglichen Momente, in denen der Abwehrspieler Händehebend auf Abseits reklamiert anstatt dem gegnerischen Angreifer nachzulaufen, weil der Schiedsrichter noch nicht gepfiffen hat.

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Matthieu Delpierre

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Matthieu Delpierre: Lieferte in der ersten Hälfte ein Bewerbungsspiel als Bauarbeiter, der die Baustellen-Löcher rechts neben sich schloss. Köpfte die Bälle aus der Gefahrenzone, stand immer richtig, gewann fast alle Zweikämpfe. Spielte defensiv so stabil wie eine Stadionkurve, hatte allerdings auch seinen Anteil daran, dass die Fans manchmal pfiffen, wenn der Ball nur hinten hin- und hergeschoben wurde anstatt nach vorne befördert zu werden. Ließ in der zweiten Hälfte zu, dass sich die Abwehr-Baustelle bis auf seine Position ausdehnte.

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Arthur Boka: Begann defensiv überzeugend und ließ den starken Glasgower Offensivspieler Jerome Rothen nicht zur Entfaltung kommen. Sorgte gegen Ende der ersten Hälfte aber dafür, dass sich der Begriff Wanderbaustelle für die Abwehr anbot. Die Probleme verlagerten sich für ein paar Minuten und zwei Rangers-Angriffe auf die linke Seite. Stabilisierte sich nach dem Seitenwechsel wieder.

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Roberto Hilbert: Jeder weiß, dass Roberto Hilbert an guten Tagen mit seinen Dribblings seine Gegner schwindelig spielen kann. Jeder weiß, dass Robert Hilbert aber auch Tage hat, an denen sich niemand vorstellen vermag, dass er irgendjemanden schwindelig spielen kann. Der Tag gegen Glasgow war eher ein Tag aus der zweiten Kategorie. Begann nicht schlecht, ließ aber mit zunehmender Spieldauer nach. Hätte eigentlich ausgetauscht werden müssen, blieb aber auf dem Feld, weil Babbel nur einen Außenbahnspieler fürs Mittelfeld auf der Bank hatte und der schon Hleb ersetzen musste.

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Sami Khedira: Stand ebenso überraschend in der Startformation wie Jens Lehmann. Auch er hatte schon alle acht Pflichtspiele des VfB in der laufenden Saison bestritten, wenn auch eines davon (die DFB-Pokal-Erstrundenpartie gegen Großaspach) nur als Ersatzspieler. Bewies mit viel Kampfgeist und Laufbereitschaft, dass Babbel die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dennoch aber der Tipp für die Rotationswetter: Im Bundesligaspiel gegen Köln am Samstag trifft es den bisher unrotierbaren Khedira. Zehn Spiele eines Feldspielers am Stück gibt es in Babbels Rotationsweltbild nun wirklich nicht.

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Thomas Hitzlsperger: Ein Fußballspiel des VfB Stuttgart ohne mindestens einen Schussversuch von Thomas Hitzlsperger hat es bekanntlich nicht verdient, als Fußballspiel bezeichnet zu werden. Also schoss der Kapitän der Schwaben nach 13 Minuten mal aus gut 30 Metern aufs Tor, um dem Spiel auch einen legitimen Status zu geben. Diktierte mit ruhigen und präzisen Pässen den Spielrhythmus, war wie immer wenn er bei den Stuttgartern die Kapitänsbinde trägt, überaus eifrig. Vielleicht sollte Joachim Löw ihn in der Nationalelf mal zum Spielführer machen, um den im DFB-Dress oft lethargischen Hitzlsperger ein bisschen anzustubsen.

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Aliaksandr Hleb

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Aliaksandr Hleb: Stand ebenso überraschend in der Startformation wie Sami Khedira und Jens Lehmann, wobei die Überraschung bei dem Weißrussen nur zum Teil mit Babbels Rotationsprinzip zusammenhing. Noch am Montag hatte es auf der Vereinshomepage geheißen, ein Einsatz der Barca-Ausleihe sei sehr unwahrscheinlich. Wegen seines schlechten Fitnesszustandes im Allgemeinen und wegen einer Gesäßmuskelzerrung im Speziellen. Nun entschied sich Babbel aber doch für einen Einsatz von Hleb. Der wirkte aber überhaupt nicht so, wie ein Aliaksandr Hleb wirken kann und deutete seine Klasse nur selten an. Hätte eigentlich ausgetauscht werden müssen - und wurde auch ausgetauscht. Der Tipp für die Rotationswetter: Auf einen Hleb wettet man nicht, der ist unberechenbar.

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Cacau

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Cacau: Wirkte so, wie sonst Hleb wirken kann. Aufgedreht, spritzig, mit feinen Dribblings. War ständig in Bewegung und erkämpfte sich mit seinem Laufeifer vor dem 1:0 den Ball. War in der ersten Hälfte Stuttgarts bester Spieler und wollte das unbedingt auch mit einem Tor krönen. Schoss deshalb in der Mitte der ersten Hälfte von rechts aufs Tor anstatt zum besser postierten Pogrebnjak in der Mitte zu passen. Baute später etwas ab.

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Pawel Pogrebnjak

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Pawel Pogrebnjak: Hatte mit Glasgow noch eine besondere Rechnung offen. Als 2008 sein damaliger Klub Zenit St. Petersburg im Finale mit 2:0 gegen die Schotten gewann, fehlte der Russe wegen einer Gelbsperre - obwohl er zuvor mit insgesamt zehn Treffern erheblichen Anteil am Endspieleinzug seines Teams hatte. Bereits nach 17 Minuten hatte er diese Rechnung beglichen: Auf Vorarbeit von Cacau traf er zum 1:0. Kurz vor Schluss hätte er es beinahe geschafft, alleine so viele Tore gegen Glasgow zu schießen wie seine ehemaligen Mannschaftskollgene von Zenit 2008 zusammen: Sein Freistoß blieb aber in der Mauer hängen.

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Timo Gebhart: Kam in der Mitte der zweiten Hälfte. Konnte dummerweise nur Hilbert oder Hleb ersetzen und nicht beide gleichzeitig; ersetzte jedenfalls Hleb. Überraschungsfaktor? Siehe Lehmann, siehe Khedira. Der junge Mittelfeldspieler ist der dritte und letzte Akteur des VfB-Kaders, der bisher in jedem Pflichtspiel zum Einsatz kam - wenn auch oft als Einwechselspieler. Sollte gegen Köln wieder von Beginn an spielen. Nicht unbedingt aus Leistungs-, auf jeden Fall aber aus Rotationsgründen.

Julian Schieber: Kam in der 88. Minute für Cacau. Durfte auf dem Platz nur noch zuschauen, wie Glasgow-Spieler Steven Davis mit einem Schuss den Pfosten traf und wie eine Hitzlsperger-Flanke an ihm vorbeisegelte.

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