bedeckt München 17°
vgwortpixel

VfB Stuttgart:Drei wichtige Fragen zum Foul an Gentner

VfB Stuttgart v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Christian Gentner liegt benommen und schwer verletzt am Boden.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Das schwere Foul an Christian Gentner überschattet den Stuttgarter Sieg gegen Wolfsburg.
  • Danach stellen sich auch Fragen, ob regeltechnisch alles korrekt abgelaufen ist.

Am Morgen danach saß der neue Sportvorstand schon wieder im Auto, Michael Reschke war auf dem Weg nach Hoffenheim. Fußballspiele zu sehen, ist für Reschke so etwas Ähnliches wie atmen, okay, ein bisschen wichtiger vielleicht. Es hätte ein cooler Tag für Reschke werden können, einfach mal ohne Druck ein Spiel sehen, niemanden verpflichten und nichts entscheiden müssen, und nebenbei hätte man sich an der Erkenntnis wärmen können, dass die eigene Mannschaft, der VfB Stuttgart, am Tag zuvor sehr verdient 1:0 gegen Wolfsburg gewonnen hatte. Und sicher wäre es auch launefördernd gewesen, zwischendurch mal an Santiago Ascacibar zu denken, den 20 Jahre alten Argentinier, der am Vortag auf fast schon unheimlich souveräne Weise im defensiven Mittelfeld des VfB debütiert hatte. Ascacibar ist ein Spieler, der nicht in Stuttgart wäre, wenn Reschke nicht in Stuttgart wäre.

Aber Reschke war am Morgen danach ebenso wenig zum Feiern zumute wie am Abend zuvor dem Trainer Hannes Wolf oder dem Spieler Andreas Beck. Klar, es sei schön, drei Punkte geholt zu haben, meinte Beck, "aber in der Kabine haben sich alle Gespräche nur um Gente gedreht".

Bundesliga "Dramatische Minuten" in Stuttgart
VfB Stuttgart

"Dramatische Minuten" in Stuttgart

Der VfB überzeugt beim 1:0-Sieg, doch die furchtbare Verletzung von Kapitän Gentner überschattet die Partie: Er verliert nach einem Zusammenprall das Bewusstsein und zieht sich mehrere Brüche zu.   Von Tobias Schächter

Schlimmer als die Diagnose waren nur die Bilder

Brüche des unteren und seitlichen Augenhöhlenbodens, Bruch des Nasenbeins und Bruch des Oberkiefers: Schlimmer als die Diagnose waren nur die Bilder, die der Diagnose vorausgingen. Blutüberströmt und regungslos lag Christian Gentner kurz vor Schluss auf dem Rasen, nachdem ihm im Luftraum das Knie des VfL-Torwarts Koen Casteels entgegengekommen war. "Das waren dramatische Momente, wir hatten Riesenangst, dass was passiert ist, was bleibende Schäden hinterlassen könnte", berichtete später Trainer Hannes Wolf, der nach der Kollision auf den Rasen geeilt war und miterleben musste, wie Klubarzt Ray Best dem offenbar ohnmächtigen Kapitän die Zunge aus dem Hals holte.

Es fühlte sich an, als würde die Zeit still stehen im Stadion, die Zuschauer wussten nichts und sahen nicht viel. Blutete Gentner? Bewegte er sich? War er ansprechbar? Und war das etwa eine Halskrause, die sie ihm da anlegten? Viele der Zuschauer überbrückten die bange Zeit des Nichtswissens und Nichtvielsehens, indem sie "Christian Gentner" skandierten, andere, indem sie den Torwart Casteels niederpfiffen. Dann betrat der Notarzt den Rasen, alarmiert vom Klubdoktor Best, und nach mehr als fünfminütiger Spiel-Unterbrechung wurde Gentner auf der Trage abtransportiert.

Die wichtigste Nachricht sei, dass "Christian wieder vollständig gesund wird", sagte Trainer Wolf später, es war die Antwort auf die große und entscheidende Frage: Wie geht es Christian Gentner? Es gab aber noch zwei weitere Fragen, die am Wochenende rauf und runter diskutiert wurden - ohne eindeutige Antwort übrigens.

Die eine Frage lautete: Hätte der Videoschiedsrichter sich nicht melden und ein heftiges Foul anzeigen müssen, worauf der bereits verwarnte Casteels zwingend vom Platz geflogen wäre? Und damit verbunden die zweite Frage: Durfte Casteels das?