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VfB Stuttgart:"Dramatische Minuten" in Stuttgart

VfB Stuttgart v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Schwer gezeichnet: Mannschaftsarzt Best und Physiotherapeut Wörn (oben) helfen dem verletzten Christian Gentner.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Wäre nur diese unselige 84. Minute nicht gewesen. "Die überschattet heute alles", begann später Hannes Wolf, der Trainer des VfB Stuttgart seine Analyse nach dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft gegen den VfL Wolfsburg. Wolf wirkte auch eine Dreiviertelstunde nach Abpfiff betroffen von der Situation in der Schlussphase, die hinterher für so viel Gesprächsstoff sorgte: Wolfsburgs Torwart Koen Casteels kam weit aus seinem Tor herausgelaufen, um den Ball aus dem Strafraum zu fausten - und traf beim Hochspringen mit seinem Knie Stuttgarts Kapitän Christian Gentner voll im Gesicht. "Ich schaue nach dem Ball und fauste ihn weg und genau in dem Moment treffe ich auch Gentner", schilderte Casteels hinterher die Szene, er wirkte betroffen.

Wolf wollte dem Belgier keine Absicht unterstellen. Das aber tat der TV-Experte und ehemalige Schiedsrichter Markus Merk, der die Aktion als Foul einstufte und eine rote Karte für Casteels forderte. Warum Video-Schiedsrichter Deniz Aytekin nicht eingegriffen habe, sei ihm rätselhaft, sagte Merk. Casteels jedoch schaute nach dem Ball und zog beim Hochspringen sein Knie nach oben, wie es Torhüter automatisiert haben. Dass Casteels' Knie Gentner traf, war ein bedauerlicher Unfall. Schiedsrichter Guido Winkmann hatte die Szene als "unglücklichen Zusammenprall bewertet", erklärte DFB-Schiedsrichter Hellmut Krug. Deshalb habe Winkmann keinen Foulelfmeter gegeben.

Die schlimme Diagnose: Mehrere Brüche im Gesicht

Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke war diese Debatte egal, er war "in Gedanken bei Christian Gentner". Der Mittelfeldspieler, 32, hatte nach dieser Aktion das Bewusstsein verloren, und es erst nach "dramatischen Minuten" (Wolf) wieder erlangt. Reschke erzählte, VfB-Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best habe dem ausgeknockten Mittelfeldspieler schnell die Zunge herausgeholt, Genter sei später wieder ansprechbar gewesen. Wie der VfB Stuttgart später mitteilte, hat er sich den unteren und seitlichen Augenhöhlenboden, das Nasenbein sowie den Oberkiefer gebrochen hat. Gentner soll in den kommenden Tagen operiert werden, er wird dem VfB wohl einige Spiele fehlen. Und das wo er gerade in "einer hervorragenden Verfassung" gewesen sei, klagte Reschke.

Es war tatsächlich bitter für den VfB, der nach zwei Auswärtsniederlagen den zweiten 1:0-Heimsieg einfuhr, dass Gentners Verletzung den Tag prägte. Die Stimmung in der Kabine sei gedrückt gewesen, erzählte Andreas Beck, der ein gutes Heimdebüt auf der rechten Außenbahn nach seinem Wechsel von Besiktas Istanbul geliefert hatte. Der Erfolg und die Leistung des Aufsteigers boten genug Anlass zur Hoffnung, dass der VfB mit nun sechs Punkten in der Bundesliga konkurrenzfähig sein kann. Der Sieg war verdient, die Stuttgarter spielten leidenschaftlicher als lahme Wolfsburger. Besonders der argentinische Zugang Santiago Ascacibar, 20, dominierte neben Gentner im zentralen Mittelfeld mit dynamischen Antritten, klugen Pässen und aggressiven Balleroberungen.

Der U 20-Nationalspieler spielte wie ein Versprechen auf eine große Zukunft. Der VfB hatte das beidfüßige Großtalent erst jüngst für ein Paket über insgesamt rund acht Millionen Euro Ablösesumme von Estudiantes de la Plata über den Atlantik nach Europa gelockt. Wenn die Eindrücke vom Samstag nicht täuschen, ist das Potenzial der Wertsteigerung, das in diesem Spieler schlummert, ziemlich groß. "Es hat richtig Spaß gemacht, ihm zuzuschauen, der ist ja wie eine Nähmaschine über den Platz gerannt", freute sich Sportvorstand Reschke.

Beim VfB Stuttgart stimmt die Defensiv-Achse

Beim VfB stimmte die Defensiv-Achse von Torwart Ron-Robert Zieler über den starken französischen U 21-Nationalspieler Benjamin Pavard im Zentrum der Dreierabwehrkette und Ascacibar im Mittelfeld. Auch Wolfsburgs Trainer Andries Jonker konnte sich nur an einen Schuss des eingewechselten N'tep erinnern, der Zieler in Bedrängnis gebracht habe (80.). Die Wolfsburger konnten nach der vermaledeiten letzten Saison, die nur durch den Erfolg im Relegationsduell gegen Braunschweig den Klassenerhalt brachte, nicht andeuten, warum die aktuelle viel besser laufen sollte. Im Angriff konnte der junge Belgier Landry Dimata den verletzten Mario Gomez nicht ersetzen. Insgesamt fehlten der Mannschaft jener Schwung und jene Aggressivität, die den VfB auszeichneten. Wolfsburgs Sportdirektor Olaf Rebbe ätzte: "Wir haben nicht nur ganz schlechtes Wetter erlebt, sondern auch einen ganz schlechten VfL."

Aber auch Rebbe erklärte: "Wir sind natürlich in Gedanken auch bei unserem ehemaligen Spieler Christian Gentner."

© SZ vom 17.09.2017/schma
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