Bundesliga:Vogt ohne Gegenkandidat

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VfB-Präsident Claus Vogt

Plötzlich der einzige Anwärter auf das Präsidenten-Amt beim VfB Stuttgart: Amtsinhaber Claus Vogt.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Neue Pointe im Machtkampf beim VfB Stuttgart: Weil die Suche nach Herausforderern erfolglos bleibt, tritt im März nun doch nur der umstrittene Amtsinhaber zur Präsidentenwahl an.

Von Christoph Ruf, Stuttgart

In Stuttgart-Bad Cannstatt überschlagen sich die Ereignisse - wie seit Wochen. Während die Sympathisanten des VfB am Sonntag noch darüber debattierten, dass am Vorabend zwei Vorstände der Profi-AG, Jochen Röttgermann und Stefan Heim, ihren Job verloren hatten, folgte abends bereits der nächste Aufreger. Um 20.21 Uhr gab der Vereinsbeirat bekannt, dass es bei der Präsidentenwahl Ende März nun doch nur einen Kandidaten geben wird: den Amtsinhaber Claus Vogt.

Dabei hatte alles darauf hingedeutet, dass der Beirat Vogts Wiederwahl verhindern würde. Drei von acht Mitgliedern galten als Vogt-Gegner, seit Wochen wurde mit einer Headhunting-Agentur verzweifelt nach Gegenkandidaten gesucht. Dem Vernehmen nach suchten zumindest einzelne Gremien-Mitglieder auch nach Wegen, Vogt nicht zur Wiederwahl vorzuschlagen. Nachdem aber neben 130 Fanclubs und der Ultraszene auch Prominente wie der Grünen-Politiker Cem Özdemir und sogar Vogts Gegenkandidaten von 2019 diesen Plan als undemokratisch kritisiert hatten, setzte sich wohl die Einsicht durch, dass ein gewählter Präsident den Mitgliedern zumindest zur möglichen Wiederwahl präsentiert werden müsse.

Auch drei von acht VfB-Beiratsmitgliedern haben ihren Rücktritt erklärt

Dass dies nun völlig ohne Gegenkandidaten passiert, ist hingegen eine Überraschung. Doch offenbar wollte sich kein aussichtsreicher Bewerber einer Kampfabstimmung mit Vogt stellen. Auch die Perspektive, beim VfB in ein Funktionärs-Umfeld zu geraten, in dem sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber stehen, dürfte wenig attraktiv gewirkt haben. Der schwäbische Unternehmer Volker Zeh, Präsident des österreichischen Eishockeyklubs EC Kitzbühel, galt lange als präsidiabel, wurde nun aber nicht nominiert. Laut Kicker sagte auch Marion Mayer-Vorfelder für eine Kandidatur ab, die Tochter des ehemaligen VfB- und DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder ist beim Weltverband Fifa beschäftigt.

Am ereignisreichen Wochenende haben auch drei von acht VfB-Beiratsmitgliedern ihren Rücktritt erklärt. Darunter der Vorsitzende Wolf-Dietrich Erhard, der seinem Verein wegen der Schlammschlacht und der anstößigen Begleitumstände bei der 2017 erfolgten Profi-Ausgliederung nun mahnende Worte ins Stammbuch schrieb: Es sei "unerträglich, in welcher Situation sich unser VfB befindet, und wie wir uns derzeit öffentlich präsentieren." Begonnen hatte der offene Streit mit der Ankündigung von Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, gegen Vogt als Präsident zu kandidieren. Dieses umstrittene Vorhaben gab er allerdings auf.

Die diversen VfB-Affären dürften indes weitere personelle Konsequenzen nach sich ziehen, die Hitzlsperger verkünden dürfte. Dabei dürfte es auf die Freistellung des ehemaligen Kommunikationschefs Oliver Schraft und des Marketingleiters Uwe Fischer hinauslaufen. Der frühere Projektleiter für die Ausgliederung, Reiner Mutschler, trat am Montag als Vizepräsident zurück und attestierte Vogt "mangelnden Teamgeist und Fairplay". Mutschler ist noch als Führungskraft im VfB-Nachwuchsleistungszentrum angestellt. Doch unabhängig davon, wie viele Funktionäre noch über die Affären stolpern, werden die beiden Streithähne Vogt und Hitzlsperger künftig wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen. Beide haben angedeutet, dazu im Sinne des Vereinswohls bereit zu sein.

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13.02.21 VfB Stuttgart - Hertha BSC Berlin Deutschland, Stuttgart, 13.02.2021, Fussball, Bundesliga, Saison 2020/2021,

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