Bundesliga:Leipzig robbt sich nach oben

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Bundesliga: Drei Gründe zu feiern und zwei zu Zittern: Die Spieler von RB Leipzig jubeln beim 3:2 gegen Hertha BSC.

Drei Gründe zu feiern und zwei zu Zittern: Die Spieler von RB Leipzig jubeln beim 3:2 gegen Hertha BSC.

(Foto: Matthias Koch/Imago)

Gegen Hertha BSC zittern sich die Leipziger zu einem 3:2. Xabi Alonso verliert deutlich mit Leverkusen in Frankfurt. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Gerald Kleffmann und Jonas Wengert

RB Leipzig - Hertha BSC 3:2 (3:0), Tore: 1:0 Emil Forsberg (25.), 2:0 Diallo (30.), 3:0 Orban (45.), 3:1 Lukebakio (62., Handelfmeter), 3:2 Jovetic (64.)

Eine wechselhafte Partie erlebten 45 000 Zuschauer in Leipzig. Die Gastgeber beherrschten Hertha BSC von Beginn an, die Partie lief meist in nur eine Richtung, aufs Tor des Gegners aus der Bundeshauptstadt. Der zurückgeholte Stürmer Timo Werner fehlte zwar aufgrund eines Infektes, aber er wurde bestens vom RB-Kollegen Emil Forsberg vertreten. Das Führungstor des Schweden stand exemplarisch für die Art, wie Leipzig sein Spiel im Idealfall aufziehen will: Ballgewinn im Mittelfeld, Kehrtwende aller Offensivkräfte, auf die Flügel wie ein Bienenschwarm schwirren, Pass in die Mitte, zuschlagen. Auch unmittelbar vor den Treffern von David Raum und Willi Orban in der ersten Halbzeit demonstrierte RB Kombinationsschnelligkeit und Effizienz.

Nach der Pause jedoch bestraften die Berliner rasch erste Nachlässigkeiten Leipzigs. Durch einen verwandelten Hand-Elfmeter von Dodi Lukebakio (Abdou Diallo bekam eine Flanke an den ausgefahrenen Arm) sowie eine gute Aktion von Stevan Jovetic kam Berlin auf 2:3 heran. Es wurde hektisch. Christopher Nkunku hätte zum 4:2 frei aus drei Metern treffen können. Chidera Ejuke hätte im Gegenzug den Ausgleich erzielen können (und spät auch zweimal Wilfried Kanga). Nkunku traf zum 4:2, doch der VAR sagte: abseits zuvor. Es blieb beim engen 3:2. Leipzig, mäßig in die Saison gestartet, fängt an, sich in der Tabelle nach oben zu robben. Hertha dagegen erlebte nach fünf Partien ohne Niederlage einen Dämpfer.

VfB Stuttgart - VfL Bochum 4:1 (2:1), Tore: 1:0 Silas (3., Foulelfmeter), 2:0 Ahamada (22.), 2:1 Zoller (29.), 3:1 Silas (64.), 4:1 Endo (71.)

Es geht ja bekanntlich immer um die Reaktion - die Reaktion einer Mannschaft auf einen Trainerwechsel. Nach dem 0:1 gegen Union Berlin (dem neunten Saisonspiel ohne Sieg) musste VfB-Coach Pellegrino Matarazzo gehen. Eine feste Nachfolge gibt es noch nicht, interimsweise führt Michael Wimmer Regie bei den Schwaben. Und viel schneller als gegen Bochum kann eine Mannschaft kaum reagieren. Nach zwei Minuten tanzte Stuttgarts Silas durch den VfL-Strafraum, wurde gefoult und verwandelte den fälligen Elfmeter souverän. Mitte der ersten Halbzeit legte der VfB nach. Nachdem die Irrfahrt von Bochums Torwart Manuel Riemann außerhalb des Strafraums nicht direkt bestraft wurde, hielt es die Abwehr nicht für nötig, Silas Ballvortrag in irgendeiner Art zu stören. Der Kongolese spielte zu Ahamada - 2:0.

Doch ganz so einfach wollten die Bochumer ihren Nachbarn im Tabellenkeller dann nicht beschenken. Nach einer scharfen Hereingabe von links antizipierte Zoller den Klärungsversuch von VfB-Torwart Müller, ließ sich mehr oder minder anschießen und verkürzte. Es entwickelte sich ein Duell zweier Mannschaften mit offensiven Ambitionen und defensiver Naivität - nichts für Liebhaber von taktischer Disziplin aber durchaus unterhaltsam. Nach einem Blackout von VfB-Verteidiger Anton vergab Bochum die beste Chance zum Ausgleich und wurde prompt bestraft. Silas traf nach einer Stunde trocken zum 3:1, Endo erzielt in der Folge von viel Unordnung im Strafraum den vierten Stuttgarter Treffer.

Nach dem ersten Dreier am vergangenen Spieltag muss Bochum und Trainer Thomas Letsch einen Rückschlag hinnehmen, die Schwaben holen ihrerseits den ersten Sieg und können ein wenig durchatmen.

Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen 5:1 (1:0), Tore: 1:0 Kamada (45.+5, Foulelfmeter), 1:1 Hincapie (56.), 2:1 Kolo Muani (58.), 3:1 Lindström (65.), 4:1 Kamada (72., Foulelfmeter), 5:1 Alario (86.)

Bundesliga: Temporeicher Angreifer mit feinem Füßchen: Jesper Lindström (Zweiter von rechts) traf per Lupfer zum zwischenzeitlichen 3:1 für Frankfurt.

Temporeicher Angreifer mit feinem Füßchen: Jesper Lindström (Zweiter von rechts) traf per Lupfer zum zwischenzeitlichen 3:1 für Frankfurt.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Für Leverkusen stand gegen Frankfurt die Euphorie nach der Amtsübernahme von Trainer Xabi Alonso auf dem Spiel. Beim Debüt des Spaniers gab es ein souveränes 4:0 gegen Schalke, unter der Woche in der Champions League ein in der Höhe zwar unverdientes, aber dennoch ernüchterndes 0:3 gegen Porto. Es wurde ein wildes Spiel in Frankfurt. Als alle schon mit einer torlosen ersten Halbzeit rechneten, verlor Bayer-Verteidiger Tapsoba das Eins-gegen-Eins gegen Lindström und foulte den Dänen an der Torauslinie - Elfmeter. Hradecky parierte zwar den schwach getretenen Strafstoß von Kolo Muani, allerdings meldete sich wenig später der VAR zu Wort: Der finnische Torwart stand im entscheidenden Moment nicht mehr mit einem Fuß auf der Linie. Kamada versenkte die angeordnete Wiederholung.

Nach der Pause gelang Hincapie der Ausgleich per Flugkopfball, doch die Leverkusener Hoffnung auf ein Comeback hielt nur kurz. Zwei Minuten später brachte Kolo Muani Frankfurt erneut in Führung. In der Folge ging des dahin für Bayer, die Verteidigung fiel teils auseinander. Lindström erzielt mit einem zirkusverdächtigen Lupfer das 3:1 - nicht das erste sehenswerte Tor des Frankfurters in dieser Spielzeit. Kurz darauf entschied der VAR erneut zu Ungunsten von Leverkusen: Hincapie hatte im Strafraum gefoult und musste mit Geld-Rot runter. Wie schon gegen Porto musste Bayer einen zweiten Elfmeter hinnehmen, den Kamada erneut souverän verwandelte. Fünf Minuten vor Schluss gelang dem eingewechselten Alario sogar noch das 5:1. Durch den Stuttgarter Sieg rutscht Leverkusen auf Tabellenplatz 16.

VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 2:2 (1:1), Tore: 0:1 Thuram (13.), 1:1 Gerhardt (43.), 1:2 Thuram (47.), 2:2 Marmoush (69.)

Bundesliga: Da darf man ruhig hinschauen: Wolfsburgs Omar Marmoush (rechts) erzielte das sehenswerte Tor zum Endstand gegen Gladbach.

Da darf man ruhig hinschauen: Wolfsburgs Omar Marmoush (rechts) erzielte das sehenswerte Tor zum Endstand gegen Gladbach.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Beim letzten Auswärtsspiel bei Werder Bremen lag Mönchengladbach in der 13. Minute schon mit 0:3 zurück. Ein Horrorstart. Diesmal machte es die Mannschaft besser - und führte durch Marcus Thuram in der 13. Minute mit 1:0. Der Franzose zeigte sich gleich beim ersten guten Eindringen in den Strafraum effektiv. Wolfsburg blieb dafür stabil, Jakub Kaminski gelang fast der Ausgleich aus wenigen Metern (37.), nur der Pfosten stand im Weg. Kurz vor dem Halbzeitpfiff traf dann sein Kollege Yannick Gerhardt nach scharfer Vorlage von Paulo Otavio in die Mitte zum 1:1.

Gladbach nahm das offensichtlich sehr persönlich, die erste Ecke nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit führte zum 2:1 - Thuram zirkelte den Ball per Kopf ins Netz. Ein schöner Treffer, den Wolfsburgs Omar Marmoush an Grazie noch überbot. Mit links angenommen, gedreht, mit rechts abgezogen, der Ausgleich zum 2:2 war ein technisches Kabinettstückchen. Der Rest der Partie war Arbeit auf beiden Seiten ohne Ertrag. Gladbach wartet damit weiter auf den ersten Auswärtssieg.

Werder Bremen - Mainz 05 0:2 (0:1), Tore: 0:1 Ingvartsen (36.), 0:2 Jae-sung Lee (66.)

Bundesliga: Nadelstich-Fußball auf Mainzer Art: Jae-Sung Lee (Mitte) schoss das 2:0 gegen Werder Bremen.

Nadelstich-Fußball auf Mainzer Art: Jae-Sung Lee (Mitte) schoss das 2:0 gegen Werder Bremen.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Die Bremer drängten, hatten den Ball länger in ihren Reihen, sie waren lange überlegen - aber die Mainzer bewiesen mal wieder, dass sie eine Spezialität beherrschen: Nadelstich-Fußball. Einen einzigen lehrbuchhaften Angriff über die rechte Seite schloss gleich Marcus Ingvartsen mit einem gekonnten Kopfballnicker ins lange linke Eck zur Führung ab. Werder, das steht fest, ist die Wundertütentruppe der Liga. Die Norddeutschen siegen mal dramatisch (in Dortmund), verlieren überraschend (gegen Augsburg), der Unterhaltungswert dieser Mannschaft ist zweifelsfrei jedes Mal hoch.

Würden die Bremer auch in der zweiten Halbzeit ihrem Ruf der Unberechenbarkeit gerecht werden? Ja, absolut. Nur anders, als sie das selbst erhofften. Sie fanden keinen Weg, um ein Tor zu erzielen, müde wirkten sie, unkreativ. Dabei traf in der Bundesliga nur der FC Bayern öfter als die Hanseaten. Und Mainz stach abermals zu, Jae-Sung Lee tauchte wie ein Illusionszauberer auf und verwandelte - nach Vorlage von Anton Stach - mit links aus spitzem linken Winkel. Werders Höhenflug ist nach zuletzt zwei Siegen am Stück erstmal gebremst.

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