Sebastian Vettel in der Formel 1 Bei Ferrari verschiebt sich die Hierarchie

Charles Leclerc und Sebastian Vettel - wer ist diese Saison schneller?

(Foto: Getty Images)

Sebastian Vettel zählt noch immer zu den schnellsten Piloten. Aber der Saisonstart in der Formel 1 zeigt: Er ist nicht mehr unanfechtbar.

Kommentar von Philipp Schneider

Gut, das ging jetzt doch recht flott. Nicht nur das Rennen in Bahrain, vor allem die Verschiebung der Hierarchie bei der Scuderia. Schon in seinem zweiten Rennen für Ferrari hat Charles Leclerc deutlich gemacht, dass er keine weiteren Übungsrunden mehr benötigt, um von Lewis Hamilton und Mercedes ernst genommen zu werden. Der 21-Jährige will Weltmeister werden. Nicht erst in zwei Jahren, sondern jetzt. Dass er es will, wusste man seit dem Tag seiner Präsentation bei Ferrari. Dass er es kann, weiß man spätestens seit der vergangenen Woche. Er war schneller als Sebastian Vettel, nicht nur im Rennen, sondern in zwei der drei Trainingseinheiten und in allen Abschnitten der Qualifikation. Es ist noch nicht so, als wäre Leclerc die neue Nummer eins bei Ferrari. Ferrari hat nun keine Nummer eins mehr.

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Seit 2007 wartet das Team aus Maranello auf einen Weltmeister im roten Auto. Der Rennstall, das Auto, la macchina stehen über allem. Rennwagen, hat Enzo Ferrari mal gesagt, "werden dann schön, wenn sie gewinnen". Wer sie lenkt, ist nachrangig. Niemand weiß das besser als Vettel. Es war die strahlende Tradition, die ihn anlockte. Um zumindest einmal Weltmeister zu werden im Ferrari, verließ er den nach einer österreichischen Limonade benannten Rennstall, mit dem er vier Titel gewann. Er kann das noch immer schaffen. Aber es wird schwieriger. Anstelle seines treuen Helferchens Kimi Räikkönen, der in seinen letzten Monaten bei Ferrari Privates und Berufliches so getrennt hat, dass der Eindruck entstand, ihm sei Letzteres ziemlich egal, hat Vettel in Leclerc nun einen Rivalen in der Garage nebenan.

Die Situation kommt in der Formel 1 in schöner Regelmäßigkeit immer wieder vor. Zuletzt gab es sie 2007 bei McLaren mit den Fahrern Fernando Alonso und Lewis Hamilton. Und 2016 bei Mercedes mit Nico Rosberg und Hamilton. In beiden Fällen ist der Streit eskaliert. Manche glauben, Rivalität wirke sich förderlich aus auf die Geschwindigkeit beider Piloten. Sie dürften sich halt nur nicht von der Strecke räumen. Es ist nun an Teamchef Mattia Binotto, dafür zu sorgen, dass es friedlich bleibt. Auch Binotto wird bezahlt für die Mission, dass ein Ferrari schön werden möge. Dass es ihm egal ist, wer ihn aufhübscht, hat er zuletzt nicht mehr verhehlt.

Vettel zählt noch immer zu den schnellsten Piloten, er ist kein alter Mann mit alten Reflexen. Sein Ehrgeiz, der ihn zu Titeln führte, ist ungebrochen. Der Ferrari lief in Bahrain wieder schneller als der Mercedes. Vettel sollte diese Chance nutzen. Es könnte seine letzte sein.

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