Vertragsverlängerung von Joachim Löw:"Alle erwarten, dass er als Weltmeister zurücktritt"

Löw hat selbst gesagt, dass er im Falle groben Misserfolgs bei der WM 2014 nicht mehr als Bundestrainer weiterarbeiten werde ("dann muss es Veränderungen geben"). Als anschauliches Beispiel nannte er das Abschneiden der Niederländer bei der EM 2012, die nach der Vorrunde sieglos das Land verlassen mussten. Die Ansprüche an Löw und sein Team sind noch höher. Mit dem Überstehen der Vorrunde würde man sich hierzulande nicht zufriedengeben, selbst dann nicht, wenn der von der Fifa bestellte Lotterie-Pate Lothar Matthäus seinen Landsleuten bei der Auslosung am 6. Dezember die härtesten Gegner zuteilen würde: zum Beispiel die mögliche Konstellation Italien, Elfenbeinküste und USA.

Der Bundestrainer dürfte selbst wissen, dass es nicht viele Konstellationen gibt, die es ihm ermöglichen, die Arbeit nach dem Turnier in Brasilien so fortzusetzen, wie er es kennt und wie er es sich wünscht. Nicht mal als Titelgewinner hätte er diese Gewähr. "Alle erwarten, dass er als Weltmeister zurücktritt - und als Nicht-Weltmeister auch", sagt einer.

Der mögliche Druck von außen ist aber nicht unbedingt der wichtigste Aspekt. Es geht auch um die Motivation der Beteiligten. Als Oliver Bierhoff am Rande der USA-Reise Ende Mai davon sprach, er könne sich auch mal einen anderen Job vorstellen als den des Nationalmannschafts-Managers, hat er nicht unbedacht dahergeredet. Nach zehn Jahren im Dienst des DFB drängt es ihn mitunter nach Abwechslung, das wissen viele in der Szene. Bierhoff könnte sich eine Aufgabe im Fußball-Business vorstellen. Für Hansi Flick gilt unter anderen Vorzeichen das gleiche. Acht Jahre als Assistenztrainer reichen ihm. Dieses Kapitel will er im Sommer auf immer und ewig abschließen. Er möchte in eigener Verantwortung arbeiten. Als Sportdirektor.

Für die WM in Brasilien wird die Motivation aber bei allen Beteiligten mehr als ausreichen. Brasilien wird als Paradies des Fußballs angesehen, das Turnier als emotionaler, faszinierender Höhepunkt. Die Beschaffung des Basisquartiers, die Planung der Reisen durchs riesige Land, die Gestaltung der Vorbereitung - Brasilien mit all seinen Widersprüchen und Unwägbarkeiten ist selbst für die versierten Organisatoren des DFB eine neue Herausforderung.

Bierhoff war bereits viermal im Land, um an Ort und Stelle einen Stützpunkt zu sondieren, bisher haben die Deutschen aber nur Reservierungen hinterlassen, sie wollen sich erst nach der Auslosung auf einen Quartier-Standort festlegen. Unter anderem dort wird sich entscheiden, was das Papier wert ist, das Niersbach und Löw nun unterzeichnet haben.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB