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Vertragsverlängerung bei Red Bull:Vettels Versprechen hat ein Fragezeichen

Dass Sebastian Vettel bis 2015 bei Red Bull bleibt, bedeutet vor allem eines: Ein baldiger Wechsel zu Ferrari ist vom Tisch, und der Titelkampf könnte in den kommenden Jahren auf ein Duell zwischen ihm und Alonso hinauslaufen. Doch wenn er von der Qualität seiner künftigen Autos überzeugt ist, wieso verlängert er nur um ein Jahr?

Von Sebastian Vettel sind etliche launige Sätze überliefert, die viel Wahrheit enthalten. Ein solcher Satz lautet: "Ich habe schon mit 13 den Partner fürs Leben gefunden." Gemeint hat der Rennfahrer aus Heppenheim den Energy-Drink-Hersteller Red Bull. Die Firma förderte seine Ambitionen früh, sie half ihm durch diverse Nachwuchsserien und holte ihn in die Formel 1. Dort zahlte Vettel die Investitionen zurück.

2008 bescherte er Toro Rosso, dem kleineren Team des Konzerns, beim Großen Preis von Italien in Monza den ersten Sieg. Im Jahr darauf wechselte Vettel zu Red Bull Racing und brachte auch die große Mannschaft auf Trab. Das Resultat bisher: von 2010 an drei WM-Titel in Serie. Diese Erfolgsgeschichte soll noch eine Weile fortgesetzt werden. Am Dienstagabend teilte die Rennabteilung der Getränkefirma mit, Vettels Kontrakt gelte nicht nur - wie bekannt - bis Ende der Saison 2014, sondern noch zwölf Monate länger. Ende 2015 wird Sebastian Vettel 28 Jahre alt sein. Eine Partnerschaft fürs Leben ist es damit noch nicht. Aber es kommt dem schon recht nahe.

Schumacher blieb elf Jahre bei Ferrari

Spitzenfahrer, die ihrem Arbeitgeber so lange treu geblieben sind, gibt es wenige. Michael Schumacher fuhr in elf Ferrari-Jahren zu fünf Titeln. Das galt bisher als Maßstab. Vettel könnte mit Red Bull noch mehr gewinnen. Nach sieben der 19 Rennen, die in diesem Jahr geplant sind, führt er die Fahrer-Wertung mit 36 Punkten Vorsprung auf Ferrari-Fahrer Fernando Alonso an und befindet sich damit auf einem guten Weg zu Titel Nummer vier.

Die Nachricht seiner Kontrakt-Expansion sendet ein Signal: So sehr sich die Rivalen auch mühen mögen - sie werden Vettel in den kommenden zwei Jahren nicht bekommen. Ein kleines Fragezeichen aber bleibt: Wenn Vettel jetzt schon so sicher ist, dass Red Bull auch künftig Siegerautos baut, warum verlängert er dann lediglich um ein Jahr? Ein derart kurzer Aufschlag gilt in der schnelllebigen Branche nicht wirklich als Vertrauensbeweis. Ungewöhnlich war auch das Gesumme, das der Nachricht vorausging. Am Dienstagnachmittag hatte Helmut Marko, der mächtige Motorsportberater von Firmenchef Dietrich Mateschitz, eine Verlängerung des Vettel-Vertrages über 2014 hinaus noch mit den Worten in Abrede gestellt: "Ich weiß nicht, wo das schon wieder herkommt. Es gibt nichts Neues." Eine strategisch eingesetzte PR sieht anders aus.

Möglicherweise hat Red Bull eine Vertragsklausel eingelöst

Vettel selbst äußert sich zu seinen Verträgen generell nicht. Er leistet sich auch keinen Manager, der dies für ihn tun könnte. In der vom Team verbreiteten Nachricht gibt es ebenfalls kein Zitat des Protagonisten. Die Spekulation der Bild-Zeitung, Red Bull habe möglicherweise lediglich eine vertraglich vereinbarte Klausel eingelöst, liegt deshalb nahe.

Die erfolgreichen Fahrer sind die Schlüsselfiguren in dem komplexen Sport. Wo es die Besten hinzieht oder hält, sagt viel. Dass Vettel bei Red Bull bleibt, bedeutet vor allem eines: Auch in den kommenden Jahren könnte der Titelkampf auf ein Duell zwischen ihm und Alonso hinauslaufen.

Ferrari-Teamchef: Man sollte niemals nie sagen

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen geben, Vettel könnte es zu Ferrari ziehen. Angeheizt worden waren diese einerseits von Vettels Schwärmereien für den Rennstall ("für jeden Rennfahrer etwas Besonderes") und andererseits von Komplimenten der Ferrari-Granden für ihn. "Wenn Fernando Alonso morgen mit seiner Freundin auf Hawaii bliebe, würde ich Vettel holen", hatte Firmenchef Luca di Montezemolo im Winter gesagt, und Teamchef Stefano Domenicali war kürzlich zu Vettel erst entfahren: "Man sollte niemals nie sagen."

Für die kommenden zwei Jahre ist dieses Szenario jetzt vom Tisch. In dieser Zeit besitzt Vettel, 25, bei den Blauen ähnliche Alleinstellungsmerkmale wie Alonso, 31, bei den Roten: einen langfristigen Vertrag und einen Teamkollegen mit einer schwachen Ausgangsposition. Der Kontrakt des 36 Jahre alten Australiers Mark Webber bei Red Bull läuft ebenso Ende des Renn- jahres aus wie der des 32 Jahre alten Brasilianers Felipe Massa bei Ferrari.

Vettel und Alonso sind die einzigen beiden Spitzenkräfte, die sich der ganzen Aufmerksamkeit eines Top-Teams sicher sein können. Bei Mercedes konkurrieren Lewis Hamilton, 28, und Nico Rosberg, 27, miteinander. Beide haben sich langfristig an das Werksteam gebunden. Doch ob dieses überhaupt in der Lage ist, ein titeltaugliches Auto zu bauen, muss es erst noch beweisen. McLaren und Jenson Button, 33, befinden sich in einem Abschwung. Das Lotus-Team, das in den vergangenen 18 Monaten einige Glanzlichter setzte, hatte bisher nicht die Ressourcen, um dauerhaft im Konzert der Großen zu bestehen. Ende der Saison könnte es zudem seinen Spitzenfahrer verlieren: Das Zweijahres-Versprechen von Kimi Räikkönen, 33, endet. Der Finne wird als möglicher Vettel-Kollege bei Red Bull gehandelt.

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SZ vom 13.06.2013/mane
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