Formel 1 in AserbaidschanMax Verstappen hat die Gegner genau da, wo er sie haben will

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Max Verstappen ist wieder da, und die WM könnte damit noch spannender werden.
Max Verstappen ist wieder da, und die WM könnte damit noch spannender werden. (Foto: Mark Thompson/Getty Images)
  • Max Verstappen gewinnt den Großen Preis von Aserbaidschan mit fast 20 Sekunden Vorsprung und macht aus dem McLaren-Duell wieder einen Dreikampf um die WM.
  • McLaren-Pilot Oscar Piastri scheidet nach einem Frühstart und Fahrfehler bereits in der ersten Runde aus, während Lando Norris nur Siebter wird.
  • Verstappen liegt trotz seiner starken Form noch 44 Punkte hinter Norris und 69 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Piastri zurück.
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Und plötzlich ist die WM wieder ein Dreikampf: Verstappens überlegener Sieg in Baku führt bei den Konkurrenten zu Verunsicherung – die Form des Niederländers erinnert gar an das Jahr 2023.

Von Elmar Brümmer

Irgendwann, kurz vor Schluss der TV-Übertragung des Großen Preises von Aserbaidschan, konnte der Regisseur nicht anders, er musste dem Publikum Max Verstappen zeigen. Der Formel-1-Weltmeister war früh aus dem Bild gerast und allen anderen davon, mit fast 20 Sekunden Vorsprung. Und wurde dann nicht mehr gesehen. Das macht der Niederländer neuerdings öfter, gerade zum zweiten Mal in Serie. Seit er verkündet hat, nicht mehr um den Titel zu fahren, tut er genau das. Völlig befreit vom Druck, und vom geschassten Red-Bull-Teamchef Christian Horner natürlich. Da tankt einer reichlich von der lange verloren geglaubten Leichtigkeit nach. „Es ging im Rennen nur darum, die Position zu halten und aufzupassen, dass nichts passiert. Max hat alles umgesetzt, was wir von ihm verlangt haben“, lobte Rennstallberater Helmut Marko. Verstappen motiviert seine Techniker, das Team motiviert ihn. Ein Adrenalin-geschwängertes Perpetuum mobile.

Nach den 51 einsamen Runden stand der Sieger wie eine Eins auf dem Rennwagen mit selbiger Nummer, streckte beide Arme ausgebreitet dem Himmel entgegen, den behelmten Kopf neigte er nach unten. Das lässt sich als Genugtuung deuten oder als Kampfansage, vermutlich ist es beides. Max Verstappen hat sieben Rennen vor Saisonende die Gegner genau da, wo er sie haben will: am Rande der größtmöglichen Verunsicherung. Aus dem prognostizierten Duell um den Titel zwischen den McLaren-Piloten Oscar Piastri und Lando Norris ist wieder ein Dreikampf geworden.

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Zumindest in den Köpfen der Favoriten, trotz eines immer noch ansehnlichen Rückstands von 69 respektive 44 Zählern. Noch sind es sieben Rennen und drei Sprints, und der herausragende Fahrer der vergangenen Jahre meldet sich mit einer Form zurück, die an seine überlegene Saison 2023 erinnert. „Das Feuer brennt wieder“, meldete er aus dem Cockpit. Damit ist er wieder eine echte Gefahr, zumindest für die Psyche des McLaren-Duos. Die beiden Aspiranten wissen, dass sie dem erstarkten Gegner nicht noch weitere Geschenke machen dürfen. Sie müssen sich allein den Gedanken daran verbieten, was den Druck noch erhöht. Ein Verstappen in dieser Spätform macht die WM noch mal spannend.

Die Altstadt-Rundfahrt von Baku wird so zum Spiegelbild einer Saison, in der bei aller Überlegenheit der McLaren-Rennwagen Vorhersagen nicht mehr allzu viel wert zu sein scheinen. Selbst unter Abzug der schwierigen Umstände in der Qualifikation, als Piastri seinen Rennwagen das erste Mal in die Barrieren setzte und sein Rivale Norris auf seiner besten Runde die Mauern berührte, hätte es für die Papaya-Fraktion kaum zum Sieg gereicht. Lando Norris, der bekanntermaßen gern öffentlich an seiner Leistung zweifelt, nahm seinen McLaren-Mercedes in die Pflicht: „Unser Auto kann einen auch richtig beißen, genau das hat es diesmal getan.“ Kein Vertrauen in den eigenen Dienstwagen zu haben, das ist das Schlimmste, was einem Rennfahrer passieren kann.

Entscheidend ist, wie schnell sich Piastri und Norris wieder fangen

Da ist sie wieder, die Große-Preis-Frage nach den Nerven. Norris hat an einem Wochenende, an dem Piastri nach einem Frühstart und einem Fahrfehler schon nach der ersten Runde aus dem Rennen war, daraus kein Kapital für die eigenen Ambitionen schlagen können. Als Siebter gestartet, als Siebter im Ziel. Magere sechs Pünktchen aufgeholt. Dazu noch sein herangerückter Kumpel Verstappen, an dessen Härte und Nervenstärke er in einem zeitweise überharten Duell Ende der letzten Saison gescheitert war. WM-Spitzenreiter Piastri, bisher ein Vorbild an Kaltblütigkeit, will den erhöhten Druck für seine ungewöhnliche Fehlerquote nicht gelten lassen, obwohl der Australier erstmals um den Titel kämpft: „Das wäre zwar eine einfache Begründung. Vor allem ein noch größeres Problem, eine derartige mentale Verfassung zu beheben. Aber es ist nicht so.“

Entscheidend ist, wie schnell sich Piastri und Norris wieder fangen. Der Rennkalender könnte ihnen in die Hände spielen, denn der Nacht-Grand-Prix am übernächsten Wochenende in Singapur ist jene Strecke, auf der sich Red Bull Racing schon immer besonders schwergetan hat, wo Verstappen noch nie gewonnen hat. Was an der Marina Bay passiert, könnte nach Ansicht von McLaren-Teamchef Andrea Stella richtungsweisend sein: „Das ist eine Piste, die unserem Auto besser liegt. Kämpfen wir dort wieder um Siege, werden wir sehen, wie sich der Rest der WM entwickelt. Aber Max ist definitiv ein Anwärter auf den Fahrertitel. Das wussten wir, und in Baku haben wir die Bestätigung dafür bekommen.“ Was der Italiener damit vor allem sagen will: Nur zu fahren, um anzukommen, das reicht nicht mehr. McLaren muss sich wehren, und auch jenseits der Pistenbegrenzung die Fehlerquote wieder senken.

Der neue Unterboden am Red-Bull-Honda hingegen wirkt offenbar Wunder, vor allem verstärkt er das Selbstvertrauen, die alten Champions-Gene werden wieder geweckt. Ferrari-Pilot Charles Leclerc als neutraler Beobachter weiß derweil: „Max lässt nichts unversucht, das ist ganz sicher.“ Trotzdem glaubt der Monegasse noch nicht ganz an ein ultimatives Comeback von Verstappen: „Sie haben mit dem Auto einen großen Schritt nach vorn gemacht, aber die letzten beiden Rennen verliefen für McLaren nicht besonders reibungslos, daher glaube ich nicht, dass Red Bull schon wieder dominiert. Die beiden Teams liegen sehr nah beieinander – aber Max macht gegenwärtig den besseren Job.“

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