Verpflichtung von Allofs, Hecking, Perisic:"Ein falsches Spiel gespielt"

Überaus herzlich fiel Perisics Begrüßung in Belek aus. Er unterschrieb an Ort und Stelle einen Vertrag bis 2017. Außerdem wurde er umgehend mit einem grün-weißen Trikot beschenkt, auf dem die Rückennummer neun prangte. Und das ist nur einer der Gründe, weshalb Perisic wohl keine Angst haben muss, erneut zum Bankangestellten degradiert zu werden. VfL-Sportchef Klaus Allofs verkündete schon mal feierlich: "Das war die nächste wichtige Entscheidung, nach der Verpflichtung von Dieter Hecking."

Die erste wichtige Entscheidung, das hat Allofs unterschlagen, war natürlich die Verpflichtung von Allofs. Mit ihr hängen alle weiteren wichtigen Entscheidungen zusammen. Und wenn man sie mal auflistet, die Allofs-Entscheidung, die Hecking-Entscheidung und die Perisic-Entscheidung, dann riecht es doch streng nach einem Paradigmen-Wechsel beim VfL. So viel Staub sie im Einzelfall auch aufgewirbelt haben mögen, so viel Geld sie insgesamt kosteten, Fakt ist: Alle drei Männer genießen in der Liga ein hohes Ansehen.

Wenn man sich zurzeit in Management-Kreisen der Konkurrenten umhört, dann ist sogar ein gewisses Unbehagen festzustellen. Der Standort Wolfsburg wurde ja zuletzt eher belächelt. Jetzt, so der allgemeine Eindruck, wird er wieder gefährlich. Das Gespann Allofs/Hecking hat diesem schlummernden Riesen jedenfalls in kürzester Zeit einen seriösen Anstrich verliehen. Und plötzlich scheint er auch wieder für Spieler mit gehobenen fußballerischen Ansprüchen interessant zu sein, die vor einigen Monaten nicht mal unter Androhung von Folter nach Wolfsburg gewechselt wären. Der Transfer des ehrgeizigen Klopp-Spielers Perisic gleich zu Beginn des Jahres bestätigt die schlimmsten Befürchtungen der Liga-Rivalen. Das erste Testspiel unter Heckings Leitung gewann der VfL gegen Besiktas Istanbul am Sonntag durch Tore von Olic und Fagner mit 2:0.

Allofs' Annahme, Wolfsburg sei in den vergangenen Wochen schon ein wenig sympathischer geworden, beruht jedenfalls auf klaren Indizien. Bernd Schuster ist da trotzdem anderer Meinung. Er war kurz vor Weihnachten - wie so viele - der festen Überzeugung, der nächste VfL-Trainer heiße Bernd Schuster. Dem Vernehmen nach hatte er bereits seine Bordkarte nach Niedersachsen in der Hand, als ihn am Flughafen doch noch eine Absage ereilte.

In einem Interview mit der Welt am Sonntag schüttete er nun sein Herz aus - was für den VfL nicht besonders herzlich ausfiel. "Allofs sagte mir, ich sei die Idealbesetzung für Wolfsburg", behauptet Schuster. Das Gleiche hatte indes auch Hecking bei seiner Inthronisierung kurz nach Weihnachten behauptet. Woraus Schuster wiederum schließt, man habe "ein falsches Spiel gespielt". Zumal er nicht einmal auf dringende Bitte eine Erklärung für den Sinneswandel bei Allofs erhalten habe.

Klaus Allofs erklärte das am Sonntag sinngemäß damit, dass sich seine Sinne nie gewandelt hätten. In aller Herzlichkeit ließ er Bernd Schuster öffentlich ausrichten: "Es war blauäugig von ihm anzunehmen, dass er der einzige Kandidat war."

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