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Fifa-Ethikbericht:Was geheim ist, soll geheim bleiben

FIFA

Will die Fifa ihre Korruptionsfälle wirklich aufdecken?

(Foto: dpa)

Der Fifa-Report über die mutmaßlich korrupten WM-Vergaben 2018 und 2022 soll nur intern verhandelt, aber auf keinen Fall veröffentlicht werden. Dafür gibt es heftige Kritik - auch innerhalb des Verbands.

Bisher waren Michael Garcias Ermittlungsberichte weitgehend harmlos und des Auftraggebers Bedürfnissen angepasst. Trotzdem entspannt sich ein Riesengezerre um den jüngsten Report, in dem der Chefermittler der Fifa-Ethikkommission seine Ergebnisse zu den mutmaßlich korrupten WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) vorlegte. Entgegen der rituellen Transparenz-Gelöbnisse der Fifa soll dieser Report nur intern verhandelt, aber auf keinen Fall publiziert werden. Nun führt der Streit darüber sogar zu Rissen innerhalb des Ethikkomitees.

Nicht nur von außen, auch in Reihen des Fußball-Weltverbands wird die fortgesetzte Geheimniskrämerei scharf kritisiert. Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin Al Hussein von Jordanien fordert die "komplette Offenlegung des Berichts, das Publikum hat alle Rechte, ihn zu kennen". Auch Mark Pieth hat sich eingeschaltet, der mäßig erfolgreiche Reformchef der Fifa, der den Job 2013 beendet hat. Die Fifa müsse Transparenz in der Vergabefrage schaffen, forderte der Schweizer Kriminologe, das Thema sei "viel zu heikel und hat eine solche Dimension angenommen, dass in der Öffentlichkeit nicht das Gefühl aufkommen darf, Dinge würden unter den Teppich gekehrt".

Das Gefühl herrscht längst vor. Strafrechtler Pieth sagt sogar, um den Report zu publizieren, "müssten nicht einmal die Fifa-Regeln geändert werden". Das sieht Hans-Joachim Eckert ganz anders. Der Chef der Ethik-Spruchkammer hat Garcias Papier seit kurzem vorliegen, und der Münchner Richter hält sich sehr penibel an die Paragrafen. Er hat vor Tagen erklärt, nur die Eindrücke seiner Kammer zu dem Report sowie das Urteil dürften publiziert werden.

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Theo Zwanziger glaubt, dass dem Wüstenstaat die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 noch entzogen wird. Als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees will er Gesundheitsrisiken für Spieler und Zuschauer nicht verantworten.

Das stieß nun bei Kollege Garcia auf so große Verärgerung, dass der US-Anwalt direkt gegen den Kammerchef-Kollegen opponiert. Er forderte per Mitteilung am Mittwoch den Fifa-Vorstand auf, "angesichts der begrenzten Rolle, die Herr Eckert für sein Gremium sieht", die komplette Veröffentlichung des Berichts zu beschließen. Garcia beruft sich dabei auf weitere Vorstandsmitglieder; neben Prinz Ali fordern US-Verbandschef Sunil Gulati, Jim Boyce (Nordirland), Moya Dodd (Australien) und Jeffrey Webb (Cayman-Inseln) die Freigabe.

Alle fünf waren beim bizarren WM-Votum 2010 nicht im Fifa-Vorstand. Den Kritikern trat nun auch Wolfgang Niersbach bei. Der DFB-Präsident wird 2015 den Blatter-nahen deutschen Fifa-Vorstand Theo Zwanziger im Amt beerben. Am Donnerstag zog der von Garcia attackierte Eckert nach. Er hält es nun "für vertretbar, wenn die Öffentlichkeit über einen Anklagesatz informiert würde". Das werde ja auch in der staatlichen Strafjustiz so gepflegt.

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Ein britischer Abgeordneter hat das Betrugsdezernat eingeschaltet

Neben all dem Hickhack um die Geheimhaltung bahnt sich nun allerdings eine große Lösung an, die die Fifa kalt erwischen könnte. Der britische Abgeordnete Damian Collins hat das Betrugsdezernat Serious Fraud Office (SFO) eingeschaltet, die Ermittler sollen sich das 350-Seiten-Papier samt den 200 000 Seiten Anhängen mit Beweismitteln beschaffen, sofern all das nicht komplett veröffentlicht wird. "Die Fifa scheint sich für eine Selbstverwaltungsorgan zu halten, das nicht in die Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden fällt", sagt Collins zu seinem Vorstoß. "Ich glaube aber, wenn es Informationen über Straftaten gibt, müssen diese den Strafbehörden angezeigt werden."