Verletzter Bayern-Profi Franck Ribéry:So wertvoll wie vier Abwehrspieler

Augsburg's Moravek challenges Bayern Munich's Ribery  during their German first division Bundesliga soccer match in Munich

Fehlt in Dortmund: der Franzose Franck Ribéry.

(Foto: REUTERS)

Nicht nur der BVB, auch der FC Bayern muss beim Bundesliga-Gipfeltreffen auf zahlreiche Stammkräfte verzichten. Am schwersten wiegt der kurzfristige Ausfall von Franck Ribéry - doch die Münchner sind sich sicher, dass sie die eigenen Ausfälle besser kompensieren können.

Von Philipp Schneider

Arjen Robben neigte sich leicht nach vorne, ehe er anhob zu seiner Antwort, das Thema war ja wichtig, es ging um die ganzen schlimmen medizinischen Diagnosen: knöcherner Bandausriss am Fersenbein, Hüftoperation, Kreuzbandriss, Muskelfaserriss. Ach, sagte Robben schließlich: "Es macht keinen Unterschied. Bei Dortmund fehlen die Spieler hinten, bei uns vorne der Franck."

Nun musste man Robben bei seiner Analyse zugute halten, dass er sich während seiner 498 Spiele als Profi selbst an allem Möglichen verletzt hatte, weswegen er, Robben, schon als Experte gelten durfte: Knöchel, Knie, Kapsel, Schambein, Leiste, Oberschenkel, noch mal Kapsel, dann wieder Leiste. Allerdings: Gegenüber den geplagten Dortmundern, denen in Subotic, Hummels, Schmelzer und Piszczek am Samstag beim Spiel gegen den FC Bayern die gesamte Viererkette ausfallen wird, wirkten seine Worte gleichwohl ein wenig zynisch - auch wenn er das natürlich nicht so meinte.

Robben fand sicher einfach nur, dass der Ausfall von Franck Ribery zumindest als ebenso gewichtig zu werten sei wie der Ausfall von vier Abwehrspielern. Ribery ist schließlich neulich zum besten Spieler Europas gewählt worden, im Gegensatz zu den vier Dortmundern. Und nun hat dieser Ribery also: einen Anbruch der zehnten Rippe, links. So etwas hat selbst Robben noch nicht erlebt.

Geschehen ist das Unglück am Dienstag im Länderspiel der französischen Nationalelf gegen die Ukraine, bei dem sich Ribery mit seinen Kameraden gerade noch so für die WM 2014 qualifiziert hatte. Sonderlich gravierend scheint seine Fraktur allerdings nicht zu sein. Gesichert fehlen wird Ribery nur gegen Dortmund - und vielleicht beim Champions-League-Spiel am kommenden Mittwoch in Moskau. "Kurzfristig hat es die Dortmunder sicher noch härter erwischt", gab dann auch Robbens erfrischend ehrlicher Kollege Thomas Müller zu.

Ehe auch er ein großes "Aber" anfügte: "Bei uns fehlen auch schon länger viele Spieler, das fällt bloß nicht so auf. Denn wenn es Verletzte gibt, haben wir trotzdem Spieler, die die anderen adäquat ersetzen können." Die Spitze saß natürlich. Aber sie entsprach ja doch irgendwie der Wahrheit.

Die Bayern warten schließlich sehnsüchtig auf die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger, und auch ein bisschen auf die von Xherdan Shaqiri und Holger Badstuber. Überhaupt, befand Müller, bei den von Trainer Jürgen Klopp angeleiteten Dortmundern sei der Ausfall der Viererkette nicht so folgenschwer, "weil sie in der Abwehr nicht so abhängig sind von Einzelspielern. Da muss das ganze System funktionieren". Bei den Bayern muss das System sicher auch funktionieren, aber sie haben zur Sicherheit eben noch wertvolle Einzelspieler, so war das wohl zu verstehen.

In der Flut der Verletztenmeldungen ist eine übrigens fast untergegangen: "Bin am Samstag kurz umgeknickt im Sprunggelenk", sagte Robben. Es geschah beim Länderspiel gegen Japan, gegen Kolumbien am Dienstag wurde er geschont. Bayerns Dank gebührt Hollands Trainer. Er heißt: Louis van Gaal.

© SZ vom 22.11.2013/ebc
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