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Verletzte Nationalspieler:Bayern versus Niederlande

Die Verletzungen von Arjen Robben und Mark van Bommel zeigen: Mit ihren Ansprüchen an die Verbände stehen die Klubs auf verlorenem Posten.

Bald sehen sie sich also vor Gericht, der FC Bayern und der niederländischer Fußballverband KNVB. Es geht um Millionen, wenn die Münchner ihren Schaden aus der Verletzung Arjen Robbens und womöglich Mark van Bommels einklagen, überdies sollen im Nebeneffekt gewisse Vorrechte der Verbände gegenüber den Klubs beschnitten werden. Letztere sind Zahlmeister des Betriebs als Arbeitgeber der Nationalspieler, die Verbände indes Schmarotzer, die ihre Welt- oder Europaturniere mit dem geliehenen Personal zu den profitabelsten TV-Ereignissen aufblasen.

WM 2010 - Niederlande - Spanien

Das WM-Finale, das er wohl hätte nie bestreiten dürfen: Der angeschlagene Arjen Robben wird von den beiden Spaniern Joan Capdevila und Xabi Alonso (rechts) attackiert.

(Foto: dpa)

Im Fall Robben werfen die Bayern dem KNVB Ungeheuerliches vor: Trotz gerissener Muskulatur soll der Stürmer vier WM-Spiele bestritten haben; was da an Arznei reingepumpt worden sein dürfte, will man nicht wissen. Doch was aus moralischer (und Bayern-) Sicht so eindeutig erscheint, dürfte vor Gericht zur ungewissen Expedition werden: Wie lässt sich die Einsatzmöglichkeit eines gesunden Robben nachweisen, wie dessen Ausfall beziffern?

Die Fifa-Kopfpauschale

Die Beweissicherung fiel schwer, dafür trägt der am Eigennutz orientierte Weltverband Fifa Sorge. Dessen Statuten beinhalten eine generelle Abstellungspflicht für die Klubs, geregelt ist darin fast nichts, wenn es zu Verletzungen kommt. Es gibt offenbar nicht mal ein Einsichtsrecht für den Arbeitgeber in die Krankenakte eines im Turnier befindlichen Angestellten; die Bayern durften in Südafrika weder Robben noch dessen Befunde begutachten. Und statt einer profunden Versicherungslösung schüttet die Fifa pauschal rund 110 Millionen Euro an die Klubs aus, die ihre Kicker fürs Endturnier abstellen.

Ein schräger Ablasshandel? Als "großzügige Regelung" hatte dies Karl-Heinz Rummenigge noch Anfang 2008 gelobt. Am Freitag klang der Bayern-Vorstandschef anders, er beklagte via Bild: "Als Verein ist man wirklich machtlos." Rummenigge und Klubchef Uli Hoeneß kündigen massiven Widerstand insbesondere gegen die Abstellregeln der Dachverbände Fifa und Uefa an, sie fordern sogar ein Veto-Recht.

Kündigt sich da der Aufstand der Entrechteten an? Keineswegs. Nur ein alter Streit, der jetzt neu losgeht. Klubs und Verbände liegen ja stets im Clinch, mal weniger, mal mehr, stets haben letztere das bessere Ende für sich. Warum? Weil sie strategisch denken und zur Problemlösung den menschlichen Makel einkalkulieren, der just unter Sportfunktionären verbreitet ist: Geld. Seinerzeit, als Rummenigge die Abstellprämien der Verbände lobte, sprach er von einem "denkwürdigen Tag". Da hatte sich just die G14 aufgelöst, jene einflussreiche Allianz der 18 Topklubs in Europa. Das Bündnis war acht Jahre zuvor entstanden und hatte, ohne formale Legitimierung, Fifa und Europa-Verband Uefa viel Ärger bereitet. Mitreden wollte die G14 bei allem: Spielkalender, Transferrecht, Abstellungs- und Versicherungsfragen.