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Fifa: Korruption und WM 2018:Wie viel kostet eine Fußball-WM?

Die nächste Affäre für Sepp Blatter und die Fifa: Zwei Vorstandsmitglieder des Fußball-Weltverbands sollen korrupt sein - und ihre Stimme für die Vergabe der WM 2018 gegen Geld angeboten haben.

Der übliche schmutzige Vorgang, die übliche heilige Erregung: Wieder mal werden Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbandes Fifa bei offenkundig korrupten Handlungen erwischt, wieder kümmert sich um die, nun ja: "Aufklärung" der Affäre das schärfste und unabhängigste Organ, das man sich vorstellen kann: die Fifa selbst. Laut Bild- und Tonmaterial sowie einem Bericht der britischen Sunday Times haben zwei Vorstandsmitglieder der Fifa eingewilligt, gegen Geld für die WM-Vergabe in einem Bewerberland zu stimmen.

FIFA President Sepp Blatter speaks during a news conference at Spain's Sports Ministry in Madrid

Neue Anschuldigung, altes Leid: Sepp Blatter und sein Weltverband Fifa stehen mal wieder unter Druck.

(Foto: REUTERS)

Ein Funktionär soll bei Treffen mit Reportern, die sich als Unterhändler des WM-Kandidaten USA ausgegeben hatten, 570.000 Euro für sein Votum gefordert haben, der andere gar 1,6 Millionen. Die Forderungen seien als fromme Spenden für die Sportentwicklung deklariert worden, so hätten die Stimmanbieter vorgetragen, mitzuhören ist es auf Audioclips. Am 2. Dezember vergibt die 24-köpfige Fifa-Exekutive, in der auch Franz Beckenbauer sitzt, die WM-Turniere 2018 und 2022.

Ein wenig ärgerlich dürfte dies bodenlos naive Vorgehen der zwei Funktionäre aus Afrika und Ozeanien schon sein für Verbandsboss Sepp Blatter und seine Fifa-Granden. Just vor dieser WM-Doppelkür sind die Geldtöpfe ja besonders gut gefüllt. Es balgen sich nicht nur zahlreiche Bewerber, sondern darunter mancher, den man als äußerst freizügig kennt. Etwa Putins Russen, die als Favorit in die Entscheidung für 2018 gehen und schon beim letzten sportpolitischen Triumph im Jahr 2007, als Sotschi die Winterspiele 2014 ergatterte, mit allerlei anrüchigen Maßnahmen hantiert hatten.

Oder Katar, ein glutheißer Sandstreifen am Golf mit knapp den Ausmaßen von Ost-Timor oder den Bahamas; dort dürften die WM-Stadien gegebenenfalls in Sichtweite stehen. Doch Katars Fußballchef Mohamed Bin-Hammam ist mächtig. Er war Blatters stiller Wahlhelfer, galt als Mann mit dem Koffer. Heute steht er massiv gegen den Präsidenten. Blatter habe ihn hintergangen, als er sich 2009 an der Spitze des Asien-Verbands bestätigen lassen wollte; Bin-Hammam schaffte es nur mit Mühe zurück ins Amt.

Der Katarer und sein mächtiger Verbündeter Chung Mong-Joon, Verbandsboss in Südkorea und Spross der Autobauerdynastie Hyundai, buhlen beide um die WM 2022; ihren im Frühjahr gemeinsam angedrohten Großangriff auf Blatters Fifa-Thron, der ja im Juni 2011 vakant wird, haben sie zurückgestellt. Offenbar um abzuwarten, ob Blatter die WM-Vergabe im Dezember so gestaltet, dass ihm die Aufrührer nach passender Entscheidung wieder gewogen sind.

Dann ist da Milliardär Frank Lowy, der hinter Australiens Bewerbung 2022 steht. Dort gab es schon Ärger um Perlengeschenke an Fifa-Funktionärsgattinnen, auch sorgt für Unmut, dass Lowys obskure Lobbyisten-Riege mit Steuergeld bezahlt werden soll; im Erfolgsfall geht es um Millionen. Mit dabei einer, der den Blick auf Deutschland lenkt: Fedor Radmann. Der Intimus von Fifa-Vorständler Beckenbauer ist häufiger Gast im Zentrum von Filz und Sport. Man hat ihn auch noch aus der Bewerbung und Organisation der WM 2006 hierzulande in Erinnerung.

Um so peinlicher wirkt im konkreten Fall, dass Radmanns diskretes Wirken in Lowys Reich auf einem Deal des DFB mit Australiens Verband FFA gründet. Er soll über die Agentur seines Münchner Geschäftspartners Andreas Abold angebunden sein, beide stellten die Tätigkeit an sich vor Monaten nicht in Abrede. Umso delikater, falls Millionen fließen, wenn Australien siegt - und in der Fifa Beckenbauer mit abstimmt.

WM-Comic

Wie Blatter entscheidet