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Segeln:Isabelle Joschke sucht Land

Vendee Globe Joschke

Wohin trägt sie der Wind? Isabelle Joschke sucht nach einen sicheren Hafen.

(Foto: Ronan Gladu/Voile MACSF)

Die Deutsch-Französin war die beste Frau bei der Weltumseglung Vendée Globe, dann hielt ihr Boot den Wellen nicht mehr stand. Aber selbst Aufgeben ist mitten auf dem Ozean schwierig.

Von Thomas Gröbner

Die Nachricht der Seglerin Isabelle Joschke liest sich jetzt wie eine unglückselige Prophezeiung: "Manchmal frage ich mich, ob ich imstande sein werde, das ganze Boot zurückzubringen. In Wellen wie diesen weiß ich nicht, wie ich es schützen kann. Es ist brutal", schrieb sie. Wenige Stunden später am Samstagabend war klar: Sie konnte es nicht.

5000 Seemeilen vor dem Ziel musste die Deutsch-Französin ihre Weltumseglung aufgeben, nach einem schweren Schaden am Kiel. Lange Zeit hatte sich die 43-Jährige als schnellste Frau bei der Vendée Globe unter den besten Zehn gehalten, und sie schien sogar das Potential zu haben, mit der Spitze mitzuhalten - obwohl ihr Boot oft reparaturbedürftig war. Ständig war sie unterwegs, um zu tüfteln und zu flicken, sie habe sich zwischendurch schon wie MacGyver gefühlt, sagte sie.

Doch am Samstag wurden die Probleme zu groß. Erst brach der Hydraulikzylinder, mit dem sie den schwenkbaren Kiel gegen den Wind drücken konnte, dann fiel auch der Ersatz aus. "Die Vendée Globe war grausam zu mir", sagte die gebürtige Münchnerin in einer Videobotschaft.

Einfach aussteigen aus dem Rennen? Das geht nicht

Verflogen ist das Hochgefühl, das Joschke beflügelte, als sie das berüchtigte Kap Hoorn umschifft hatte. "Magisch" sei das gewesen, "es ging binnen Stunden aus der Hölle in den Himmel". Die brüllenden Winde, die Kälte und Schlafmangel hatten ihr zugesetzt, "die Tage danach waren wie eine Erlösung", sagte sie. Bis sich eine neue Hölle auftat.

Denn die Strapazen und Gefahren sind mit der Aufgabe des Rennens noch nicht vorbei, in den Weiten des Ozeans können die Segler nicht einfach aussteigen. Meist beginnen dann erst die Schwierigkeiten, auch für Joschke. Seitenwinde sind gefährlich für ihr Boot, sie muss nun, von Rückenwinden getragen, irgendwie Land erreichen. Zusammen mit ihrem Team in der Heimat versucht sie, einen sicheren Weg zu finden. Doch ihr Kurs führt sie dabei erst einmal hinaus in den Südatlantik - weg von den Landmassen Südamerikas.

Derweil scheint sich die Regatta um die Welt zu einem harten Positionskampf zu entwickeln. Der Franzose Yannick Bestaven hat seinen Vorsprung von 400 Seemeilen in einer Flaute vor der Küste Brasiliens verloren, auf Höhe von Rio de Janeiro trennten die ersten sechs Boote nur noch wenige Seemeilen, eine Winzigkeit nach mehr als 66 Tagen auf See.

Nun belauern sich die Segler auf dem Weg zurück an die französische Atlantikküste. "Wir segeln wie im Rudel", sagte Boris Herrmann. Der Deutsche hat keine schlechten Karten für die verbleibende Strecke von rund 8000 Kilometern: Seine neuen Foils, die sein Boot bei günstigen Bedingungen übers Wasser tragen können, sind noch intakt, während seine Konkurrenten lädierte oder abgesägte Tragflächen mit sich schleppen - oder gar nicht über diese modernen Flügel verfügen. Wer bei der Vendée Globe ankommt, ist ein Sieger, heißt es. Einige wittern nun auch die Chance, zu gewinnen.

© SZ/schm/mok
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