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Van Gaal neuer Bondscoach:Noch eine Liaison mit dem großen Zampano

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Louis van Gaal findet, dass Louis van Gaal es nochmal kann: Er ist wieder Nationaltrainer der Niederlande.

(Foto: LLUIS GENE/AFP)

Überraschende Rückkehr aus dem Ruhestand: Louis van Gaal übernimmt zum dritten Mal die Nationalelf der Niederlande - dabei hätte es durchaus angesagtere Kandidaten gegeben.

Von Jonas Beckenkamp

Größer als das Leben, das hat der Fußballtrainer Aloysius Paulus Maria van Gaal der Welt schon häufig mitgeteilt, ist außer dem lieben Gott eigentlich nur einer: er selbst. An Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt, und natürlich glaubt jetzt vor allem er, dass er wieder mal der Richtige für Oranje ist. Van Gaal, 69, weiß schließlich, wie man "fußballen" muss, um erfolgreich zu sein. "Fußballen" ist ein klassisches Van-Gaal-Wort - aus seiner Zeit in München (2009 bis 2011). Er hat es beim FC Bayern erfunden, so wie er damals auch den Mittelfeld-Chef Bastian Schweinsteiger und das Näschen von Thomas Müller erfunden hat. Und im Grunde den Spielstil des modernen FC Bayern gleich mit.

Louis van Gaal trainiert die Niederlande zum dritten Mal

Im Vergleich dazu ist der Erfindergeist des "Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond" (KNVB) eher mau, denn der Oranje-Verband hat nun van Gaal zum Nationaltrainer ernannt - schon zum dritten Mal, nach einer zweijährigen Etappe Anfang der Nullerjahre und einer weiteren von 2012 bis 2014. Vor sieben Jahren wurden die Niederländer mit zähem Zerstörerfußball, der eigentlich gar nicht zu van Gaals Ballbesitz-Mantra passte, in Brasilien WM-Dritter. Man darf jedenfalls sagen, dass die einstmals sprühenden Ideen des Trainers zuletzt ein wenig aus der Mode gekommen waren.

Trotzdem: Auf einen anderen, jüngeren Bondscoach konnten sich die Verbandsoberen nach dem jüngst so bitteren Achtelfinal-Aus bei der EM nicht einigen. Sie setzen, zumindest bis zur WM 2022, auf Bewährtes - und stellen dem neuen alten Bondscoach gleich noch seinen einstigen Nachfolger als Assistenten zur Seite: Danny Blind, 59, einst van Gaals Fahrensmann auf dem Platz in erfolgreichen Zeiten bei Ajax Amsterdam.

Das Trainerteam komplettiert Sparta-Rotterdam-Coach Henk Fraser, 55, früher ein grimmiger Verteidiger bei Feyenoord, den der Verband als Elftal-Chef der Zukunft aufbauen will. Natürlich hätte es nach dem Rücktritt von EM-Verlierer Frank de Boer auch andere Kandidaten gegeben, aber der frühere Barcelona-Profi Giovanni van Bronckhorst und der oft genannte Oldie Henk ten Cate konnten den Verbandsdirektor Nico-Jan Hoogma (früher HSV-Profi) letztlich nicht überzeugen.

Niederländische Fachkräfte mit Zukunft sind verhindert

Auch der Name Joachim Löw kursierte nach der EM - der zurückgetretene Bundestrainer sagte höflich ab: "Die Holländer haben sehr viele gute Trainer, die den Fußball sehr gut kennen." Die Elite der niederländischen Trainerschule ist aber gerade größtenteils verhindert. Während Fachkräfte mit Zukunft wie Mark van Bommel (neu in Wolfsburg), Peter Bosz (neu bei Olympique Lyon) oder Erik ten Haag (Ajax) bei Klubs gebunden sind, geht Oranje mit van Gaal einen Bund mit der Vergangenheit ein. Es ist die dritte, wohl letzte Liaison mit dem großen Zampano.

Van Gaals erneute Rückkehr sei "ein Risiko", warnte die Zeitung De Telegraaf, die am Mittwochabend den Vollzug der Personalie verkündete. Mit dem "Pensionado" van Gaal, lautet eine der Klagen, werde es vor allem taktisch keine Innovationen mehr geben. In seiner Münchner Zeit hatte er solche des Öfteren aus dem Ärmel geschüttelt. Seither ist ihm der schöne Fußball aber abhanden gekommen.

Bei der EM hatten die Niederländer in de Boers 3-5-2-System alle drei Gruppenspiele gewonnen. Im Achtelfinale brach das Team dann gegen Tschechien (0:2) auf mysteriöse Weise auseinander, als Abwehrspieler Matthijs de Ligt eine Rote Karte sah. Dabei hatte sich um europaweit gefragte Fußballer wie Denzel Dumfries (Eindhoven), Memphis Depay (Barcelona) und Georginio Wijnaldum (Paris SG) gerade eine sanfte Euphorie in der Heimat zu bilden begonnen.

Die soll nun van Gaal, das selbst erklärte "Feierbiest", mit seiner mächtigen Eigenwilligkeit wiederbeleben. Er unterbricht seinen Ruhestand, in den er sich nach seiner wenig erbaulichen Phase bei Manchester United (bis 2018) begab. Er lässt jetzt das Tulpenzüchten für eine Weile sein - und stürzt sich in sein vermutlich letztes Abenteuer als Trainer. Die Fußballwelt sollte sich geehrt fühlen.

© SZ/and/jkn
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