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UV-Behandlung von Eigenblut:"Ultraviolett-Behandlung" schon zu DDR-Zeiten bekannt

Die "Methode der Ultraviolett-Behandlung des Blutes" tauchte schon in den Stasi-Akten zum Berliner Dopingprozess gegen Manfred Höppner ("IM Technik") auf; sie liegen der SZ vor. Der einstige Vize des Sportmedizinischen Dienstes in der DDR wurde für seine Rolle im Staatsdopingsystem verurteilt.

Pikanterweise ist der Erfurter Mediziner Franke, der nun jeden Dopingverdacht zurückweist, mit einem anderen Strippenzieher des DDR-Staatsdopings gut vertraut: Mit Horst Tausch unterhielt er nach SZ-Informationen jahrelang eine Praxisgemeinschaft in Erfurt. Tausch, ehedem Sektionsarzt des SC Turbine Erfurt, war als leitender Verbandsarzt am Doping der DDR-Schwimmer beteiligt und wurde im Jahr 2000 zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Frankes Praxispartner trat 2008 in den Ruhestand.

Nada geht von Verstoß aus

In Erfurt wird bisher nur gegen Andreas Franke ermittelt. Seit vielen Jahren begleitet er Spitzensportler; nach eigenen Angaben betreute er etwa im September 2001 "ein Hochgebirgstraingslager der Deutschen Eisschnellläufer in Vorbereitung der Olympischen Winterspiele". Von einer zweistelligen Zahl an Zeugen hatte die Justiz zuletzt gesprochen - diese Sportlerliste birgt Sprengkraft: Die Nada, die Akteneinsicht hat, könnte demnächst ein weiteres Dutzend Verfahren eröffnen.

"Um den Verstoß-Straftatbestand kommt man nicht umhin", findet Vorstand Mortsiefer. "Die Frage im Schiedsgerichtsverfahren ist, ob bei den Sportlern ein bewusstes Verschulden vorliegt." So habe sich die Eisschnellläuferin 2011 nach der Razzia bei Franke und im Stützpunkt Erfurt selbst angezeigt

Die Nada ist grundsätzlich der Ansicht, Blutmanipulation sei nicht erst mit der jüngsten Neufassung des Wada-Codes ab 2011 unzulässig - sondern schon durch die nationalen Code-Fassungen 2006 und 2009. Dass bisher nicht eine Vielzahl weiterer Verfahren eröffnet wurden, erklärt Jurist Mortsiefer mit den laufenden Verfahren.

"Die Frage ist für uns: Was kann man derzeit schiedsgerichtlich verwenden, ohne die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu gefährden?" Zudem ist davon auszugehen, dass die Nada angesichts ihres engen Finanzrahmens - der Bund will ihn 2013 sogar noch verkleinern - zunächst die Urteile zu den ersten beiden Verdachtsfällen vor dem Sport-Schiedsgericht abwartet.

© SZ vom 18.01.2012/mkoh

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