USA bei der Fußball-WM Made in Germany als Übergangslösung

Einer der Bundesliga-Legionäre im US-Team: Jermaine Jones.

(Foto: dpa)

Nur der Titel zählt: Viele Amerikaner fordern von ihrem Team in Brasilien den Gewinn des WM-Pokals, darunter Präsident Obama. Achtelfinal-Gegner Belgien gilt schon als Außenseiter. Der ehemalige Nationalspieler Tom Dooley fürchtet in dieser Euphorie um die jüngsten Fortschritte im US-Fußball.

Von Boris Herrmann, Salvador da Bahia

Die Vereinigten Staaten von Amerika spielen gegen Belgien. Im Land der aufgehenden Soccer-Sonne ist den Fußballexperten natürlich auch nicht entgangen, dass diese Belgier gar nicht so schlecht sind. Aber es ist eben immer noch Belgien, ein Land, das 20 Mal in Texas rein passt. Das Spiel, von dem hier die Rede ist, endete 1:0 - für Belgien. Im September 2011 war das. Für Jürgen Klinsmann war es das dritte Spiel als US-Coach, das dritte ohne Sieg.

Und Thomas Dooley, 52, damals Klinsmanns Co-Trainer, erinnert sich gut daran, wie die Fußballexperten bereits fleißig an den Klinsmann-Nachrufen feilten. Wie kann so ein großes Land wie die USA gegen so ein kleines Land wie Belgien verlieren? Das war der Tenor. Dooley sagt: "Da sieht man mal, dass viele Amis immer noch keine Ahnung von Fußball haben."

Tom Dooley, ein Name wie ein Folksong, darf so etwas sagen. Der in Bechhofen in der Pfalz geborene Sohn eines US-Soldaten steht nicht im Verdacht antiamerikanistischer Umtriebe. Er hat 81 Länderspiele für die USA in seiner Vita stehen, zwei Weltmeisterschaften. Das Team von 1998 führte er als Kapitän an. Dooley argumentiert so: "Ein Jugendlicher in Belgien trainiert acht Mal die Woche. Bei uns trainieren die meisten 18-Jährigen zwei Mal die Woche im College auf einer halbierten Platzhälfte." Für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit ist es aus seiner Sicht relativ unerheblich, wie groß Texas ist.

Hype und übertriebene Erwartungshaltung

Solche Zwischentöne gehen gerade ein wenig im allgemeinen Soccer-Fieber unter. Am Dienstag spielen die Vereinigten Staaten von Klinsmann mal wieder gegen Belgien, diesmal im WM-Achtelfinale von Salvador. US-Präsident Barack Obama, ein Basketball-Experte, hat sich bereits öffentlich den Titel gewünscht. Und die Mehrheit seiner Bürger hat es Klinsmann nicht verziehen, dass er leichte Zweifel anmeldete, was die Titeltauglichkeit seiner Truppe betrifft. Belgien sieht aus Sicht vieler Amerikaner gerade wieder ziemlich klein aus.

Tom Dooley ist seit Februar nicht mehr beim US-Verband beschäftigt. Er hat die Nationalmannschaft der Philippinen als Chefcoach übernommen und pendelt jetzt zwischen Los Angeles und Manila hin und her. Aber auch von dort macht er sich ein bisschen Sorgen um seinen alten Kumpel Klinsmann.

Er fürchtet, dass die jüngsten strukturellen Fortschritte im US-Soccer erschlagen werden könnten von dem Hype und der übertriebenen Erwartungshaltung an die Klinsmannschaft. Vor allem dann, wenn die Masseneuphorie mit einem Mal in eine Massenenttäuschung umschlagen sollte, falls das kleine Belgien sich mal wieder als das größere Fußballland erweisen sollte. "Man kann doch nicht erwarten, dass wir da einfach so durchmarschieren", sagt Dooley.