Süddeutsche Zeitung

US-Torhüterin Hope Solo:30 Tage ins Abseits

Promi-Nachrichten gibt es derzeit aus dem amerikanischen Sport genug: Kobe Bryant spricht vom Karriereende, Mike Tyson hält Mussolini für eine Inspirationsquelle - am skurrilsten erscheint jedoch eine Eskapade der Fußballerin Hope Solo.

Natürlich gab es während dieser Woche, das muss an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, in den Vereinigten Staaten auch Meldungen mit nachhaltiger sportlicher Relevanz: dass etwa die Saison von Kobe Bryant aufgrund einer Schulterverletzung wohl beendet ist und dass einer der besten Basketballspieler in der NBA-Geschichte nun über das Ende seiner Karriere nachdenkt.

Oder dass die Amerikaner in Deontay Wilder wieder einen Weltmeister im Schwergewichtsboxen stellen. Oder dass der Baseballspieler Max Scherzer von den Detroit Tigers nach Washington wechselt und dort in den kommenden sieben Spielzeiten 210 Millionen Dollar verdienen wird.

Es gab auch Geschichten, bei denen der Sport sich durchaus im Bereich des Skurrilen bewegte: Die New England Patriots etwa sollen beim Halbfinale der Footballliga NFL heimlich die Luft aus den Bällen gelassen haben, um sie griffiger für Spielmacher Tom Brady zu machen. Das wäre Betrug, die NFL hat nun forensische Ermittler beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen - eine wunderbare Nebengeschichte vor dem Spektakel der Super Bowl, wenn auch allerdings bei Deflategate nicht wirklich ernsthafte Konsequenzen zu erwarten sind.

Hinzu kamen in dieser Woche groteske Nachrichten: Der ehemalige Boxer Mike Tyson verkündete, dass ihn Benito Mussolini dazu inspiriert habe, eine kleine Rolle in Madonnas neuer Single "Iconic" zu übernehmen - und dass er den italienischen Diktator sowieso irgendwie klasse finden würde. Justin Bieber dagegen sorgte dafür, dass sein Kumpel Kyle Lowry beim All-Star-Spiel der NBA von Beginn an auflaufen wird - weil Bieber seine 60 Millionen Twitter-Fans erfolgreich dazu aufgefordert hat, für Lowry zu stimmen und der deshalb am letzten Tag noch Dwyane Wade überholte.

Schöne Welt in LA

Die witzigste Meldung indes stammt aus Manhattan Beach, jener Surferstadt im Süden von Los Angeles, die durchaus dafür bekannt ist, zahlreiche Sportpromis zu beherbergen. Der Tennisspieler Gregor Dimitrov fährt hier dauernd zu schnell mit seinem Mercedes zum Haus seiner Freundin Maria Scharapowa, der Basketballer Blake Griffin frönt seinem Hobby Beachtennis. Am Abend, da treffen sie sich dann in einer der schicken Bars und feiern gemeinsam, wie großartig sie sind.

Es ist deshalb durchaus rätselhaft, warum der amerikanische Fußballverband das Trainingslager der Frauen-Nationalelf nach Manhattan Beach verlegt hat. Das ist ungefähr so, als würde man einem vier Jahre alten Kind eine Tafel Schokolade vorsetzen und beim Verlassen des Zimmers kurz darauf hinzuweisen, dass es doch bitteschön nicht abbeißen möge - noch dazu, wenn sich im Kader eine Torhüterin befindet, die nicht nur für ihre wunderbaren Reflexe auf der Linie bekannt ist.

Hope Solo wurde im November 2012 von ihrem damaligen Verlobten, dem ehemaligen Footballspieler Jerramy Stevens, tätlich angegriffen und verletzt. Als Stevens am nächsten Tag wegen mangelnder Beweise aus dem Gefängnis entlassen wurde, ging er sogleich zu einer Kapelle - um Solo zu heiraten. Seitdem gab es immer wieder kleinere und größere Skandale um das Paar, erst in dieser Woche wurde eine Klage gegen Solo fallengelassen. Sie soll im Juni vergangenen Jahres ihre Halbschwester und ihren Neffen angegriffen haben, das Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil die beiden mutmaßlichen Opfer nicht gegen Solo aussagen wollten.

Vorwürfe des Verbandes

In dieser Woche dann stoppte die Polizei von Manhattan Beach den Teambus der amerikanischen Frauen um 1.30 Uhr vor dem Mannschaftshotel. Die Insassen befanden sich keineswegs auf dem Weg zu einem nächtlichen Training, sondern auf der Rückfahrt aus einer Bar. Stevens und Solo seien laut Angaben der Polizei heftig betrunken gewesen sein. Verhaftet wurde nur Stevens, weil der gefahren war - Beifahrerin Solo wurde von den Polizisten ins Bett geschickt.

Der amerikanische Verband wollte die Torhüterin irgendwie bestrafen. Doch wofür? Es hatte an diesem Abend keine Ausgangssperre gegeben, keinen Zapfenstreich und auch kein Alkoholverbot - was freilich wieder an das Kind und die Schokolade erinnert. Weil bei einem Unfall mit dem Teambus allerdings der Verband hätte haften müssen, suspendierten die Verantwortlichen Solo für 30 Tage. Die Begründung: schlechtes Urteilsvermögen. Sie hätte ihren betrunkenen Ehemann kein Team-Equipment benutzen lassen sollen.

Das war sie also, die Woche der skurrilen Meldungen im amerikanischen Sport mit einem Diktator als Inspiration, einem Popsänger als Wahlhelfer und einer betrunkenen Torhüterin. Nächste Woche geht es dann wieder um Sport. Versprochen, dann findet auch das Endspiel im Football statt.

Obwohl: Bislang gab es nicht nur die Meldung um Bälle ohne Luft, Seahawks-Verteidiger Richard Sherman präsentierte sich bereits mit einem Lama im Fernsehstudio, um den Gegner zu ärgern. Da gibt es noch Steigerungspotenzial.

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Quelle:
SZ vom 24.1.2015/jbe
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