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US Open:Görges und Zverev scheitern in New York

US Open

Im Achtelfinale der US Open ausgeschieden: Julia Görges

(Foto: dpa)
  • Julia Görges ist bei den US Open als letzte deutsche Tennisspielerin im Achtelfinale ausgeschieden.
  • Die 30-Jährige verliert trotz eines Matchballs im zweiten Satz gegen Donna Vekic 7:6 (7:5), 5:7, 3:6 und verpasst ihr erstes Viertelfinale bei einem Hartplatz-Major.
  • Alexander Zverev unterliegt dem Argentinier Diego Schwartzman 6:3, 2:6, 4:6, 3:6.

Wer wissen möchte, warum Julia Görges diese Partie gegen Donna Vekic (Kroatien) mit 7:6(5), 5:7, 3:6 verloren hat und im Achtelfinale der US Open ausgeschieden ist, dem sei zunächst das erste Aufschlagspiel der Gegnerin ans Herz gelegt: Görges stand bei den Eröffnungen von Vekic nah an der Grundlinie, sie nahm die Bälle außerordentlich früh und übte gleich bei den Returns enormen Druck aus. Sie ließ Vekic nicht in die Ballwechsel kommen, musste sich deshalb selbst nicht zu viel bewegen, und sie spielte die Punkte meist konsequent zu Ende. Vekic gelang kein einziger Punkt in diesem Spiel, das Break vervollständigte Görges mit einer wuchtigen und präzisen Rückhand die Linie lang.

Görges verfügt über die spielerischen Mittel, jeder Gegnerin im Frauentennis ernsthafte Probleme zu bereiten, wenn es ihr gelingt, diese spielerischen Mittel einzusetzen: wenn sie mutig serviert, wenn sie auch über ihre Rückhand druckvoll agiert, wenn sie auch mal ans Netz rückt. Wenn sie ihre Gegnerin also beschäftigt, Ballwechsel dominiert, Fehler erzwingt. Wenn sie sich nicht, wie in Wimbledon gegen Serena Williams (3:6, 4:6), kleiner macht als sie ist. Für diese Spielweise braucht es das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das freilich mit jedem gewonnenen Punkt ein klein wenig größer wird. Dann gewinnt sie nicht nur die Ballwechsel, die sie dominiert, sondern auch die schwierigeren.

Nur: Wenn sie ein paar Fehler macht, wenn sie zu wackeln, an sich zu zweifeln beginnt, dann wird es plötzlich schwierig. Deshalb sei aus dieser Partie zudem das Aufschlagspiel von Görges aus dem zweiten Satz empfohlen, bei dem sie einen Matchball mit einem leichtfertigen Rückhand-Fehler vergab und insgesamt drei Doppelfehler produzierte - und ihr Aufschlagspiel danach, bei dem sie Vekic mit leichten Fehlern drei Satzbälle ermöglichte und ihr den Durchgang durch eine viel zu lange Vorhand überließ. Das entscheidende Break im dritten Satz gelang Vekic durch einen Doppelfehler von Görges, beim Matchball schlug Görges einen Schmetterschlag ins Aus. Vekic trifft nun auf Belinda Bencic (Schweiz), die Titelverteidigerin Naomi Osaka besiegte.

Es ist alles größer in New York und auch auf der Tennisanlage in Flushing Meadows: die Tennisstadien, die Popcorneimer, das Loch im Geldbeutel nach dem Kauf eines Cocktails (18 Dollar). Hier gewinnt nur, wer sich selbst auch mal ein bisschen größer macht. Görges hat teilweise herausragend gespielt bei diesen US Open, auch gegen Vekic. Sie hat verloren, weil sie sich kleiner gemacht hat, als sie wirklich ist.

Zverev scheitert am giftigen Schwartzman

Auch Alexander Zverev ging in seinem Achtelfinal-Match leer aus und musste sich dem giftigen Argentinier Diego Schwartzman nach einer zu fehlerbehafteten Vorstellung 6:3, 2:6, 4:6, 3:6 geschlagen geben. Damit findet das Viertelfinale der US Open ohne deutsche Beteiligung statt.

Nach einem starken ersten Satz verfiel der Weltranglisten-Sechste in alte Muster: Zverev zeigte wie schon in den schwachen Spielen im Vorfeld des Turniers enorme Probleme beim zweiten Aufschlag und reihte Doppelfehler an Doppelfehler - 17 waren es insgesamt gegen Schwartzman. Dazu verschlug er zu viele einfache Bälle und leistete sich 65 "unforced errors".

Zverev wirkte nach dem verlorenen dritten Satz müde, gleich zweimal ließ er sich vom 1,70 m kleinen Schwartzman im vierten Durchgang den Aufschlag abnehmen. Das 0:4 servierte er dem Argentinier standesgemäß mit einem Doppelfehler - die Geschwindigkeit des zweiten Aufschlags von 106 km/h demonstrierte Zverevs Verunsicherung.

In seinen ersten drei Partien in Flushing Meadows hatte Zverev jeweils über drei Stunden auf dem Platz gestanden. Auch diesmal entwickelte sich aufgrund vieler langer Ballwechsel ein kräftezehrendes Spiel, das der Argentinier nach 3:08 Stunden mit dem zweiten Matchball trotz eines letzten Aufbäumens Zverevs für sich entschied. Zuvor hatte der Deutsche wegen eines Kraftausdrucks sogar einen Punktabzug bekommen.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

© SZ.de/fie
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