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Achter Tag der US Open:Leere Worte in Sarkasmus-Hülle

Nicht der Publikumsliebling: Daniil Medvedev.

(Foto: AP)

Daniil Medwedew legt sich mit den New Yorkern an - doch was hat er wirklich gesagt? Dazu: Die Niederlagen der Deutschen - und Nick Kyrgios, der offensichtlich nicht nach Hause möchte. Das US-Open-Telegramm.

Der Ton macht die Musik, heißt es ja immer, und nirgends wird das so deutlich wie bei diesen US Open. Die siegreichen Spieler müssen nach ihren Partien noch auf dem Platz Interviews geben, und sie verwenden dabei meistens derart viele Worthülsen, dass man bisweilen verzweifelt nach Inhalt sucht. Daniil Medwedew wird nun, je nach Sichtweise, für seine vermeintlichen Schmähungen des New Yorker Publikums entweder gefeiert oder geschimpft.

Nur: Hat mal jemand nachgesehen, was er wirklich gesagt hat? Deshalb ein kleines Experiment zum

Zitat des Turniers:

Man möge Medwedews Worte von nach seiner Partie gegen Feliciano Lopez (hier in der Übersetzung) lesen und sich vorstellen, Roger Federer würde sie sagen oder Coco Gauff:

"Zuallererst möchte ich mich bei Euch allen bedanken, weil mich eure Energie heute zum Sieg geführt hat. Wenn ihr nicht hier gewesen wärt, Leute, dann hätte ich wahrscheinlich verloren, weil ich so müde war. Ich hatte Krämpfe gestern, es war deshalb so schwer für mich, überhaupt zu spielen. Ich will deshalb, dass ihr, wenn ihr heute ins Bett geht, daran denkt, dass ich nur wegen euch gewonnen habe.

Das einzige, was ich sagen kann: Die Energie, die ihr mir gerade gebt, die reicht für die nächsten fünf Partien. Je öfter ihr das macht, desto öfter werde ich gewinnen - für Euch, Leute."

Und nach der Partie gegen Köpfer:

"Ich war heute 3:6 und 0:2 hinten. Vor der Partie haben meine Oberschenkel derart weh getan, dass ich dachte, ich würde nicht spielen können. Meine Schulter hat weh getan, ich habe so viel Schmerzmittel genommen, wie ich konnte. Und ihr habt mir wieder so viel Energie geschenkt, dass ich gewonnen habe. Ihr seid die Besten."

Skandal des Tages:

Achtung, alle festhalten jetzt, es geht um Rafael Nadal. Der hat doch tatsächlich ein Aufschlagspiel verloren. Also: ein ganzes Aufschlagspiel! Und sogar einen Satz! Klar, er hat Marin Cilic doch recht deutlich mit 6:3, 3:6, 6:1, 6:2 besiegt. Aber das mit dem Aufschlagspiel sorgt doch für Aufregung.

Ach ja: Nadal hat während der Partie auch das gemacht:

Die Deutschen:

Julia Görges verliert gegen Donna Vekic (Kroatien), Alexander Zverev gegen Diego Schwartzman (Argentinien) - zum Spielbericht geht es hier.

Schwartzman übrigens ist dann doch ein bisschen verblüfft, wer sein nächster Gegner ist:

Mitarbeiter des Tages:

Nick Kyrgios. Scheidet im Einzel am Samstag aus, sagt danach: "Ich will einfach nur heim." Sagt sein Doppel am Sonntag wegen einer Ellenbogenverletzung ab, guckt das Doppel von Daria Kasatkina. Kauft sich im Pressecafé ein paar Bier - und ist am Montag immer noch da.

Hingucker:

Dieser Fan:

Ballwechsel für die Ewigkeit:

Auch wenn es fast schon zur Gewohnheit wird: Gael Montfils. Diesmal braucht er gerade mal sieben Minuten, bis er das hier präsentiert:

Montfils gewinnt seine Partie gegen Pablo Andujar 6:1, 6:2, 6:2.

Überraschung:

Titelverteidigerin Noami Osaka verliert 5:7, 4:6 gegen Belinda Bencic.

Das bringt der Dienstag:

Das Duell zwischen Stan Wawrinka (Schweiz) und Daniil Medwedew (Russland). Der genießt seine Rolle als Bösewicht der US Open, zum Porträt geht es hier.

Am Abend dann: Roger Federer gegen Grigor Dimitrov, und als Rausschmeißer einen kleinen Scherz, der auf Twitter zu lesen ist - ein fiktives Interview mit dem Bulgaren:

"Reporter: 'Herr Dimitrov, Gratulation zum überraschenden Einzug ins Viertelfinale.'

Dimitrov: 'Danke sehr. Glauben Sie mir: Niemand ist darüber mehr überrascht als ich.'"

© SZ.de/bix/mkoh
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