Ann-Katrin Berger strahlte ganz verlegen. Inmitten des Freudentaumels warfen ihr die Mitspielerinnen goldene Luftschlangen um den Hals, doch der Moment im Rampenlicht schien Deutschlands Fußballerin des Jahres fast unangenehm zu sein. Immer wieder zeigten die Teamkolleginnen von Gotham FC auf die deutsche Nummer eins, die maßgeblich am Triumph des US-Klubs beteiligt war. Berger schrieb mit Gotham ein Stück Geschichte, sie sicherte sich den Titel in der US-amerikanischen National Women’s Soccer League (NWSL) – und gab sich später gewohnt bescheiden.
Statt ausgelassener Ansagen verteilte die Torhüterin nach dem 1:0 (0:0) im Finale der Playoffs gegen Washington Spirit ein Sonderlob an ihre Mitspielerin Emily Sonnett: „Danke“, schrieb Berger zu einem Clip, der eine Megagrätsche von Sonnett im Endspiel zeigt, „dass du mir heute die Arbeit erleichtert hast.“ Dabei war es zuvor Berger gewesen, die Gotham im Halbfinale gegen Orlando Pride mit einer spektakulären Rettungstat in der zehnten Minute der Nachspielzeit (im Bild) erst in dieses Endspiel geführt hatte. Erinnerungen an die „Monsterparade“ aus dem EM-Viertelfinale gegen Frankreich wurden wach – und dürften im DFB-Lager Vorfreude auslösen.
Denn Berger, die den Triumph später noch mit qualmender Zigarre im Mund und Skibrille auf dem Kopf genoss, wird Bundestrainer Christian Wück in der Neuauflage des verlorenen EM-Halbfinales gegen Spanien am Freitag (20.30Uhr/ZDF) in Kaiserslautern und am 2. Dezember (18.30 Uhr/ARD) in Madrid wieder zur Verfügung stehen. Für Gotham war es bereits der zweite NWSL-Meistertitel nach 2023. Damals hatte das Team aus dem Großraum New York als Sechster der Hauptrunde die K.-o.-Spiele erreicht, dieses Mal hatte es sich sogar erst als achtes und letztes Team qualifiziert. Aus dieser Position heraus hatte noch niemand den Titel gewonnen.

