Untersuchung wegen Mobbing:Miese Stimmung bei deutschen Schiedsrichtern

FC Augsburg - Hamburger SV

Schiedsrichter Manuel Gräfe äußerte die Kritik am DFB öffentlich.

(Foto: dpa)
  • Im Streit zwischen deutschen Fußball-Referees und dem DFB gibt es jetzt ein neues Gutachten.
  • Es kommt zu dem Ergebnis, dass von Verbandsseite kein Mobbing gegen Schiedsrichter stattgefunden hat.
  • Trotzdem steht der DFB weiter in der Kritik wegen schlechten Führungsstils.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Es war kurz vor dem Start der laufenden Saison, als der deutsche Spitzen-Schiedsrichter Manuel Gräfe dem Berliner Tagesspiegel ein ungewöhnliches Interview gab. Der Unmut im deutschen Schiedsrichterwesen ist ein Dauerthema, aber selten kam er öffentlich so klar zur Sprache wie im Sommer. Mit heftigen Worten attackierte Gräfe die langjährigen Schiedsrichter-Funktionäre Hellmut Krug und Herbert Fandel: Er monierte fehlende Transparenz, einen schlechten Führungsstil und Vetternwirtschaft - und sprach damit auch für diverse Kollegen, die das ähnlich sehen. Später standen auch Mobbing und Manipulation als Vorwürfe im Raum.

Seitdem kommt das Schiedsrichterwesen nicht zur Ruhe. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versuchte so andauernd wie vergeblich, das Thema zu befrieden. Nun liegt das neueste Ergebnis vor: ein Report des Bielefelder Anwalts Carsten Thiel von Herff, über dessen Inhalt der Verband am Dienstagabend informierte. Demnach seien die Vorwürfe des systematischen Mobbings nicht zutreffend. Allerdings habe es deutliche Defizite im Führungsstil und in der Personalführung gegeben.

Krug verlor seinen Posten als Video-Chef

Zudem entlastete der Report Krug von einem weiteren Vorwurf. Dieser soll, hieß es im Dezember, als Chef des Video-Projektes beim Spiel zwischen Schalke und Wolfsburg (1:1) unbefugt eingegriffen und den Video-Assistenten in zwei Szenen überstimmt haben. Krug bestritt das. Nun schreibt Thiel von Herff, es gebe keine Beweise für einen unbefugten Einfluss.

Mit dem Report dürfte die Unruhe aber noch nicht beendet sein. Das liegt nicht zuletzt daran, wie der DFB seit Sommer mit den Vorwürfen umging - und die Kernfrage ist nun, ob die Aufarbeitung wirklich tiefschürfend genug erfolgte. Zunächst war der Verband das Thema unter der Führung seines Vizepräsidenten Ronny Zimmermann intern angegangen. Doch ein Treffen mit den Beteiligten missriet völlig. In der Folge gab die DFB-Spitze die Causa an seine Ethikkommission, der Ex-Außenminister Klaus Kinkel vorsteht.

Die verstand sich eher als moderierendes denn als aufklärerisches Gremium und erklärte ihre Arbeit nach einigen Wochen und eher wenigen Gesprächen für beendet: Sie empfahl eine professionellere Struktur fürs Schiedsrichterwesen, Gräfe bekam einen Maulkorb und Fandel eine kleine Degradierung. Krug verlor aufgrund der kurz danach auftauchenden Vorwürfe zum Schalke-Spiel seinen Posten als Video-Chef.

Doch die Unruhe im deutschen Schiedsrichterwesen blieb, und die dritte Untersuchung startete - diesmal durch den Bielefelder Anwalt Thiel von Herff, der schon verschiedenen Verbänden als Ombudsmann diente. Der begann sein Tun kurz vor Weihnachten und führte nach DFB-Angaben mit 34 Personen Gespräche, vor allem aus dem Schiedsrichter-Bereich; dem Vernehmen nach aber nicht mit allen im Profibereich eingesetzten Referees. Zu lange beschäftigte er sich mit dem Thema aber auch nicht: Nach sechs Wochen war seine Arbeit beendet.

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