Diese Woche gab es zur Abwechslung mal wieder eine finanziell gute Nachricht für die SpVgg Unterhaching: In der vergangenen Saison belegten die Vorstädter Tabellenplatz eins – und zwar bei der Auszahlung aus dem Nachwuchsfördertopf des DFB: Mit 302 000 Euro führen die Vorstädter ein bayerisches Trio an, denn auf Platz zwei landete 1860 München (255 000 Euro), auf drei steht der FC Ingolstadt (245 000 Euro). Die Ausschüttung berechnet sich vor allem an den Einsatzminuten deutscher U21-Spieler in der vergangenen Spielzeit. Die schlechte Nachricht für Haching: Nächste Saison wird dieser Topf erheblich aufgestockt, und Haching ist aus der dritten Liga abgestiegen. Für die größere Auszahlung eingesetzt hatte sich über Jahre hinweg vor allem: Hachings Präsident Manfred Schwabl. Die 302 000 Euro sind also eher als ein Abschiedsgeschenk zu sehen.
Diese dürften vor allem in die Kaderplanung fließen, zwei Wochen vor dem Start in die neue Regionalligasaison. Doch für die ganz großen Pläne, die sie am Sportpark trotz des Abrutschens in den Amateurbereich weiter hegen, dürfte der Betrag ein Tropfen auf den zurzeit recht heißen Stadionbeton sein. Der Verein will den Sportpark mitsamt umliegendem Gelände von der Gemeinde kaufen, aufgerufen sind 7,56 Millionen Euro. Weil die SpVgg das Geld aber bisher nicht auftreiben konnte, lief am 1. Juli das Erstzugriffsrecht aus.
Die Footballer der Munich Ravens nutzen die Spielstätte schon in der dritten Saison, die FC-Bayern-Frauen wollen hier künftig Champions-League- und Bundesligaspiele austragen
Laut den Aussagen bei der jüngsten Mitgliederversammlung vor gut zwei Wochen halten die Verantwortlichen einen direkten Wiederaufstieg für äußerst unrealistisch, Haching wird also auf absehbare Zeit Regionalligafußball in einem überdimensionierten Stadion anbieten. Warum Schwabl und der für den Stadionkauf zuständige Vizepräsident Peter Wagstyl aber auch trotz erheblicher Schulden an den Plänen festhalten, ist klar: Ein Stadion dieser Größe stellt im Raum München eine riesige Marktlücke dar und verspricht unterschiedlichste Zusatzeinnahmen, was nicht nur die ELF-Footballer der Munich Ravens belegen, die nun schon in der dritten Saison den Sportpark als ihr Heimspielnest nutzen. Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass die Frauen des FC Bayern hier künftig ihre Champions-League-Spiele austragen wollen. Bei der Versammlung sagte Schwabl unter dem Gelächter der anwesenden Mitglieder, er sei ja seit Neuestem auch Frauenfußballfan. Und fügte an: „Es kann sein, dass uns der FC Bayern beim Stadion deswegen hilft, weil die Frauenmannschaft sonst Schwierigkeiten hat, woanders zu spielen.“
Nach SZ-Informationen ist aktuell jedoch geplant, dass die Bayern-Frauen in der kommenden Saison erst einmal ins Grünwalder Stadion ausweichen, wo auch schon vor Monaten eine Begehung stattfand. Erstens hat sich dort die Terminlage verbessert, seitdem Türkgücü München in die Bayernliga abgestiegen ist – im Grünwalder dürfen nur maximal 50 Spiele pro Kalenderjahr ausgetragen werden. Bei den Bayern gibt es aktuell auch die Überlegung, schon die Vorrundenspiele der Champions League auf Giesings Höhen auszutragen.

Der zweite Grund: Nach einer Begehung in Unterhaching stellte sich heraus, dass der Sportpark aktuell gar nicht den Uefa-Anforderungen genügt. Eine mit dem Sachverhalt betraute Person schätzt, dass der erforderliche Umbau einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten wird. Schwer vorstellbar, dass diesen Umbau die Gemeinde übernimmt, bevor sie das Stadion verkauft. Insofern dürften sich ohnehin alle Renovierungen im als marode bekannten Stadion hinziehen, solange der Kauf nicht abgewickelt ist. Anders gesagt: Wer immer das Stadion kauft, muss mit weiteren Zusatzkosten rechnen. Und in der Gemeinde rechnet man nicht damit, dass dieser Kauf noch im Jahr 2025 über die Bühne geht.
Schwabl versichert, dass „wir nicht das Farmteam des FC Bayern werden“, man wolle sich da nicht abhängig machen. Nach SZ-Informationen könnte die Kooperation aber noch erheblich größeren Umfang annehmen, weil die Bayern-Frauen mittelfristig damit liebäugeln, auch Bundesligaspiele in Unterhaching auszutragen, wenn dafür die Kapazität des eigenen Campus-Stadions (2500 Zuschauer) nicht mehr ausreicht. Es scheint, als ob die SpVgg Kompromisse eingehen muss, um den langgehegten Traum des eigenen Stadions zu erfüllen. Und solange es nicht gekauft ist, besteht zugleich die Restgefahr, dass ein anderer Investor tätig wird.

