Das Ergebnis war schon eine kleine Überraschung, aber noch viel überraschender kam daher, was Anton Heinz nach der Niederlage sagte. „Haching ist, wie erwartet, eine echte Männermannschaft“, erklärte der 27-jährige Stürmer des FC Bayern München II nach der 0:2-Niederlage im Spitzenspiel der Fußball-Regionalliga Bayern bei der SpVgg Unterhaching. In Wahrheit kommt die erste Mannschaft der Hachinger in dieser Saison ja eher wie eine verkappte U23-Reserve eines Bundesligisten daher: In der Startformation fürs Derby standen neben den nach dem Abstieg aus der dritten Liga verbliebenen Routiniers – Simon Skarlatidis, Manuel Stiefler sowie Sportdirektor und Präsidentensohn Markus Schwabl – acht Spieler, die im Schnitt ganz genau 20,0 Jahre alt waren.
Dass Unterhaching nach vier Spieltagen mit vier Siegen die Tabelle anführt, war angesichts des Neuaufbaus mit zahlreichen Talenten nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Bei der traditionellen Favoritenumfrage des Kicker unter den Regionalliga-Trainern hatten fast alle den FC Bayern II zusammen mit den Würzburger Kickers und Wacker Burghausen auf der Rechnung, aber nicht einmal die Hälfte die SpVgg. Nach dem Derbysieg durch zwei Treffer von Jorden Aigboje dürfte sich das geändert haben.
Schon in der ersten Minute traf Aigboje, der von der U23-Mannschaft der SpVgg Greuther Fürth nach Unterhaching gekommen war, auf Vorlage von Skarlatidis zur Führung. Es folgte ein offener Schlagabtausch, der für die gut 4000 Zuschauer schön anzusehen war und in Aigbojes zweiten Treffer mündete, diesmal nach Vorarbeit von Nils Ortel. Beide Tore fielen aus ähnlicher Position, mittig von der Strafraumkante. Kurz vor der Pause verpasste Heinz den Anschlusstreffer, danach hätte die SpVgg sogar noch erhöhen können; allen voran der aus Heidenheim gekommene Christopher Negele, 20, vergab jedoch seine Möglichkeiten dazu. „Vielleicht war heute in manchen Situationen bei Chris ein bisschen der Wurm drin, aber wichtig ist, dass er seine Arbeit macht und sich nicht hat hängen lassen“, sagte Hachings Trainer Sven Bender – was wiederum ziemlich nach der U23-Idee klingt.
Dennoch darf sich die SpVgg zu den Teams zählen, die die Spitzengruppe bilden werden. Bender zog es jedoch vor, den Gegner zu loben, und prophezeite den Bayern „eine fantastische Saison“. Bis auf den FCB II siegten am Wochenende übrigens die von den Trainern genannten Favoriten: Die Würzburger Kickers gewannen trotz zweier Platzverweise 1:0 gegen Eichstätt, Wacker Burghausen sicherte sich spät ein 2:1 gegen Vilzing.

