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Unruhe beim TSV 1860:Neururer ist "kein Kandidat"

25 09 2015 TSV 1860 Training Grünwalderstrasse München Fussball 25 09 2015 TSV 1860 Training Grün

"Ich habe sowieso keinen Einfluss. Was ich denke, das ist bei mir im Kopf", sagt 1860-Trainer Torsten Fröhling.

(Foto: Philippe Ruiz/imago)

Geschacher beim Zweitligisten TSV 1860 München. Der Geschäftsführer spricht mit Peter Neururer, der Präsident reagiert abwehrend. Trainer Fröhling ist unglücklich und im Hintergrund positioniert sich ein VW-Mann als neuer Präsidentschaftskandidat.

Von Philipp Schneider

Nun erinnert man sich wieder an diese Szene. Wie Siegfried Schneider im Juli auf einem Podium stand, vor sich die Mitglieder des TSV 1860 München, manche von ihnen grölten und buhten. Tatsächlich drohte die Stimmung ungemütlich zu werden, als diese Versammlung an einem Tagesordnungspunkt angelangt war, bei dem es um die Frage ging: Warum eigentlich ist Noor Basha zum Geschäftsführer befördert worden? "Mir ist es schon lieber, dass er eingebunden und in Verantwortung ist. Und nicht über Facebook, Twitter oder sonst was kommuniziert", sagte Schneider, der Vereinspräsident. Da lachten die Mitglieder. Und alles war wieder gut. Bis zu dieser Woche.

In dieser Woche nämlich ist Basha, dem Cousin von Vereins-Investor Hasan Ismaik, so etwas wie der erste große Fehler unterlaufen, seit er bei 1860 eingebunden und in Verantwortung ist. In Düsseldorf wurde er in flagranti dabei erwischt, wie er mit dem arbeitssuchenden Fußballlehrer Peter Neururer plauderte. Basha konnte vermutlich schlecht ahnen, dass jemand den deutschlandweit bekannten Stammtischredner erkennen würde. Dort, in einer Hotel-Lobby am Flughafen. Seither ist Sechzigs Torsten Fröhling so etwas wie eine lame duck, ein geschwächter Trainer also. Und Schneider muss wieder eingreifen: "Peter Neururer ist immer Kandidat, wenn bei Vereinen eine Trainerdiskussion aufkommt", sagt er nun: "Bei uns ist er es aber nicht." Alles wieder gut also?

"Bei uns zerfleddert sich die Willensbildung oft hin zu einem Minimalkonsens", sagt Bay

Für Fröhling nach SZ-Informationen nicht. Kann er doch nicht wissen, ob er nach dem Heimspiel gegen RB Leipzig an diesem Sonntag (13.30 Uhr) noch Sechzigs Trainer sein wird. Schneiders Aussage bedeutet zunächst nur: Geschäftsführer Basha spricht mit Trainern, deren Anstellungsverhältnis für den Vereinspräsidenten nicht infrage kommen. Die Diskussion um Neururer "beschäftigt mich eigentlich gar nicht", sagte Fröhling am Freitag. "Ich habe sowieso keinen Einfluss. Was ich denke, das ist bei mir im Kopf."

Natürlich ist Fröhling ein viel zu feiner Kerl, um diese Gedanken in Form von schlimmen Worten in die Welt zu brüllen. Stattdessen sprach er von seinen Aufgaben bei 1860 als "Zukunftsprojekt". Mit Basha habe er in dieser Woche fast täglich geredet, es seien stets "vernünftige Gespräche" gewesen. Und der Leistungsdruck? Ach, den habe er schon bei seinem ersten Spiel in Verantwortung gespürt, damals, im Februar, im Abstiegskampf der vergangenen Saison. Solche Sachen erzählte Fröhling vor einem Spiel, das auch sein letztes werden könnte - und bei dem er auf Innenverteidiger Kai Bülow verzichten muss, der nach einer Gehirnerschütterung geschont werden soll. Er wird wohl von Rodnei, dem Zugang aus Leipzig, vertreten; Stürmer Okotie und Kapitän Schindler sind dagegen wieder fit.

Dem Vernehmen nach steht Fröhling nicht nur wegen der Ausbeute von nur vier Punkten aus acht Spielen in der Kritik. Ihm wird intern auch vorgehalten, dass er den im Sommer für eine Ablöse von 300 000 Euro erstandenen Spielmacher Michael Liendl in den vergangenen zwei Spielen nur für die letzten fünf Minuten aufs Feld geschickt hat. Zu hören ist aber auch, dass sich im Verein noch nicht alle wichtigen Menschen auf einen Kandidaten geeinigt hätten - der zunächst ein Sportdirektor sein sollte, inzwischen aber eher den Trainerjob übernehmen soll.

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